Dormagen: Zuckerfabrikgelände liegt im betrof­fe­nen Bereich – Seveso-Gutachten

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Robert Schilken, Herausgeber



Dormagen – Das TÜV-​Gutachten, in dem die Auswirkungen der Seveso-​Richtlinie auf künf­tige Bauvorhaben in Dormagen unter­sucht wer­den, liegt im ers­ten Entwurf vor. 

Danach kön­nen wir davon aus­ge­hen, dass der weit­aus größte Teil unse­rer Innenstadt erfreu­li­cher­weise nicht mehr von Einschränkungen betrof­fen sein wird“, erklärte Bürgermeister Erik Lierenfeld bei der Präsentation im Planungs- und Umweltausschuss am 25. April 2017.

Die Stadt hatte das Gutachten in Auftrag gege­ben, um zahl­rei­che Bauvorhaben wie etwa das Großprojekt der Baugenossenschaft im Quartier zwi­schen Ubierstraße und Helbüchelstraße end­lich auf den Weg brin­gen zu kön­nen. Hintergrund: Hier ruhen die Verfahren, bis klar ist, ob nach der Seveso-​Richtlinie beson­dere Auflagen zu beach­ten sind. Ohne gut­ach­ter­li­che Untersuchung gel­ten bis­her gene­relle „Achtungsabstände“ zu Störfallbetrieben im benach­bar­ten Chempark. Sie rei­chen bis an die Robert-​Koch-​Straße im Norden der Innenstadt. „Nach dem TÜV-​Gutachten, das nun der Bezirksregierung und dem Landesumweltamt zur Prüfung vor­liegt, wer­den sich die kon­kret ermit­tel­ten Abstände aber erheb­lich redu­zie­ren“, so Lierenfeld.

Betroffen von den so genann­ten „ange­mes­se­nen Sicherheitsabständen“ ist der Bereich süd­lich der Europastraße. „Für alle vor­han­de­nen Wohngebäude und Gewerbebetriebe gilt dort Bestandsschutz. Auch die Römer-​Therme und der Sportpark am Höhenberg sind in ihrer heu­ti­gen Form durch die Seveso-​Richtlinie nicht gefähr­det“, erläu­tert Städtebaufachbereichsleiter Gregor Nachtwey.“ Bei neuen Bauvorhaben in die­sem Bereich ist nach dem Gutachten aller­dings eine geson­derte Überprüfung erfor­der­lich, ob und unter wel­chen Voraussetzungen sie mög­lich sind.

Das betrifft als eines der größ­ten Projekte in der Innenstadt auch das geplante Fachmarktzentrum auf dem frü­he­ren Zuckerfabrikgelände. „Wir haben den Eigentümer Edeka dar­über unver­züg­lich infor­miert. Nach den stör­fall­recht­li­chen Vorgaben ist eine Einzelhandelsnutzung dort nicht geneh­mi­gungs­fä­hig“, berich­tet Lierenfeld. „Zunächst bleibt aber abzu­war­ten, ob das Gutachten in der vor­lie­gen­den Form von den zustän­di­gen Behörden aner­kannt wird.“

In Hackenbroich könnte nach den TÜV-​Ergebnissen das Bauvorhaben auf dem Gelände hin­ter der Alten Schule bald umge­setzt wer­den. In den Bereich der ange­mes­se­nen Sicherheitsabstände fällt hier ledig­lich ein klei­ner Teil der Wohnbebauung an der Claudiusstraße. Betroffen sind – auch durch die benach­barte Biogasanlage auf Kölner Stadtgebiet und einen Entsorgungsbetrieb – zudem Flächen im Gewerbegebiet Hackenbroich.

Über den Bestandsschutz hin­aus kön­nen dort nach unse­rer Einschätzung aber wei­tere Firmenansiedlungen vor­ge­nom­men wer­den, wenn es sich nicht um Einzelhandelsbetriebe oder andere Unternehmen mit öffent­li­chem Publikumsverkehr han­delt“, sagt Nachtwey. Ähnliches gilt für die ehe­ma­lige Friedhofserweiterungsfläche im Gewerbepark TopWest, die eben­falls in den Bereich der ange­mes­se­nen Abstände fällt. Zukünftig soll die­ses Areal für zusätz­li­che Betriebe genutzt wer­den. „In Rheinfeld hat sich die Situation nach den TÜV-​Ergebnissen deut­lich ent­spannt und auch in Delrath ist nur ein gerin­ger Randstreifen von Sicherheitsabständen durch einen nahe­ge­le­ge­nen Spezialgashändler tan­giert“, so Nachtwey.

Im Februar 2015 hatte die Stadt Dormagen den Auftrag für das Seveso-​Gutachten an den TÜV Süd ver­ge­ben. Wie bei einem ver­gleich­ba­ren Verfahren in Leverkusen nah­men die umfang­rei­chen Ermittlungen etwas mehr als zwei Jahre in Anspruch. „Nun hof­fen wir auf Planungssicherheit für weite Teile unse­res Stadtgebietes, sobald die Bezirksregierung und das Landesumweltamt ihre Überprüfung des Gutachtens abge­schlos­sen haben. Auch das wird noch etwas Zeit in Anspruch neh­men“, so Lierenfeld.

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