Neuss: Weltwassertag – Sauberes Abwasser ist Schutz für unser Trinkwasser

Neuss – Lebensmittel, Erfrischung, Genuss: Wasser ist lebensnotwendig, kostbar und in vielen Teilen der Erde rar.

Daran soll der Weltwassertag erinnern, der seit 1993 jährlich am 22. März begangen wird. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Abwasser und Abwassernutzung“. Denn wer das Trinkwasser schützen will, muss aufs Abwasser achten.

„Das durch den menschlichen Gebrauch verschmutzte Trinkwasser landet üblicherweise vollständig in der Kanalisation“, erläutert Joachim Wittau, Abteilungsleiter für den Bereich Kläranlagen und Sonderbauwerke bei der Infra-Struktur Neuss (ISN). Doch Wittau weiß auch: Immer noch landet aus Unkenntnis einiges im Abwasser, was gar nicht in die Kanalisation gehört.

So können zum Beispiel Feuchttücher Probleme bereiten. „Sie sind reißfest und zerfasern nicht so wie Toilettenpapier“, so der Ingenieur, der auf Siedlungswasserwirtschaft spezialisiert ist. Die Folge: Die Pumpen können die reißfesten Tücher zum Teil nicht richtig oder gar nicht zerschreddern. Pumpen und die Kanalisation können verstopfen. Wittau rät daher, Feuchttücher über den Hausmüll zu entsorgen.

Medikamente, Lacke oder Chemikalien nicht ins Klo

Abwasser ist kein Müll, sondern Ressource. Das will auch der Weltwassertag in diesem Jahr thematisieren. Denn offenbar unterliegen noch viele Menschen diesem Irrglauben. „Noch vor 30 Jahren gelangte über den Gulli in die Kanalisation, was irgendwie reinpasste – ob Autoreifen oder Kanthölzer“, sagt Wittau.

Heute sind es selten derart sperrige Gegenstände, doch auch vermeintlich kleine können der Kanalisation schaden und die im Abwasserbereich tätigen Mitarbeiter gefährden. Rasierklingen, Haarnadeln oder Spritzen gehören ebenso wenig in die Toilette wie Medikamente, Chemikalien, Lösungsmittel, Farben, Lacke oder Nitroverdünner. „Das sind Stoffe, die über den Hausmüll oder die Schadstoffsammlung entsorgt werden sollten“, so Wittau.

Abwasser pro Tag so teuer wie ein Frühstücksei

„Wir können zwar sämtliche Schadstoffe aus dem Abwasser entfernen, aber diese Prozesse müssen auch wirtschaftlich bleiben“, erklärt Wittau. Denn beim Thema Abwassergebühr reagieren Verbraucher schnell empfindlich. „Trinkwassermenge gleich Abwassermenge“ – nach dieser einfachen Formel errechnet sich der Preis für die Abwasserentsorgung. Dieser liegt in Neuss derzeit bei 2,92 Euro für einen Kubikmeter Abwasser.

„Dafür bekomme ich gerade mal einen Kasten Mineralwasser mit neun Litern im Supermarkt“, rechnet Wittau gegen. „Für denselben Preis entsorgen und bereiten wir aber 1.000 Liter Abwasser auf.“ Dahinter steht ein immenser Service: Die ISN hält die gesamte Infrastruktur vor, um jegliches Abwasser automatisch abzuführen, aufwendig zu reinigen und schließlich Rhein oder Erft und damit letztlich dem Grundwasser wieder zuzuführen.

Dafür zahlt jeder Verbraucher durchschnittlich 35 Cent pro Tag – gerade mal so viel wie für ein Frühstücksei. Und das für einen Wasserkreislauf, der nachhaltiger nicht sein könnte.

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