Jüchen: „Das große Loch – Heimat gegen Kohle” – Doku im WDR

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Robert Schilken, Herausgeber



Jüchen – Mitten im Rheinland frisst sich ein gigan­ti­scher Krater durch die Landschaft. Es ist das größte Loch Europas.

Um Braunkohle zu gewin­nen, ver­schlingt der rie­sige Tagebau Garzweiler Wälder, Felder und Dörfer. Er prägt das Schicksal einer gan­zen Region und spal­tet die Menschen in Profiteure, Befürworter und Gegner.

Im Tagebau Garzweiler, einem von drei Großtagebauen im rhei­ni­schen Braunkohlerevier zwi­schen Aachen, Düsseldorf und Köln, arbei­ten die größ­ten beweg­li­chen Maschinen der Welt. Rund um die Uhr nagen die gewal­ti­gen Bagger am rhei­ni­schen Boden: Jedes Jahr wan­dert der Tagebau rund 300 Meter wei­ter. Die Braunkohle, die im Auftrag des Energiekonzerns RWE in bis zu 230 Meter Tiefe abge­baut wird, wan­dert direkt in eins der Kraftwerke der Region, wo sie zur Stromgewinnung ver­feu­ert wird – und dabei große Mengen CO2 produziert.

Der Tagebau bestimmt maß­geb­lich das Gesicht der Region und das Leben der Menschen, die hier woh­nen. Er gibt Tausenden Menschen Arbeit, trifft aber seit Jahren auch auf Protest und Widerstand von Umweltaktivisten. Vor allem aber nimmt „das große Loch”, wie es hier genannt wird, vie­len Bewohnern die Heimat, weil ihre Dörfer dem Tagebau wei­chen müs­sen. Immerhin 35.000 Menschen muss­ten seit den fünf­zi­ger Jahren ihre Häuser auf­ge­ben und an neue Standorte umsiedeln.

Dort, wo die gewal­ti­gen Bagger mit dem Kohleabbau fer­tig sind, ent­steht auf der Industriebrache eine neue künst­li­che Landschaft. Es ist die Aufgabe der Rekultivierer von RWE, in gigan­ti­schem Umfang neue Wiesen, Äcker und Waldflächen anzu­le­gen, damit auf dem neuen Boden wie­der Landwirtschaft betrie­ben wer­den kann und eine leben­dige Vielfalt von Pflanzen und Tieren hei­misch wird.

Und die Zukunftspläne? Wenn eines Tages – nach heu­ti­gem Stand im Jahr 2045 – der Braunkohleabbau end­gül­tig been­det wird, dann soll aus der Tagebauregion eine gigan­ti­sche Seen- und Naherholungslandschaft wer­den. Mit Wasser aus dem Rhein, das über Jahrzehnte hier­her umge­lei­tet wer­den müsste, würde in Hambach der zweit­größte See Deutschlands ent­ste­hen – an Wassermenge über­trof­fen nur vom Bodensee.

Das „große Loch” ist eine Herausforderung für alle, die hier leben und arbei­ten: Bergbauingenieure und Baggerführer, die die gewal­tige Logistik des Kohleabbaus steu­ern, Bewohner der Region, die den Verlust ihrer Dörfer und die Umsiedlung in neu ent­ste­hende Ortschaften meis­tern müs­sen, Archäologen, die die viel­fäl­ti­gen Überreste ver­gan­ge­ner Zeiten nicht ret­ten, son­dern nur doku­men­tie­ren kön­nen, Naturschützer und Biologen, die sich um die Qualität der Landschaft küm­mern, die nach dem Abbau der Kohle ent­steht. Die Dokumentation stellt einige die­ser Menschen vor, die jeden Tag um Gegenwart und Zukunft die­ser Landschaft rin­gen. Beeindruckende Bilder, Überflüge und Drehaufnahmen im Loch zei­gen den gigan­ti­schen Tagebau vor unse­rer Haustür, wie wir ihn sonst nicht zu sehen bekämen.

Gezeigt wird die beein­dru­ckende Dokumentation am heu­ti­gen Freitag, den 03.03.2017, um 20.15 Uhr im WDR.

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