Neus­ser Kar­ne­val in Düs­sel­dorf – När­ri­scher Maul­korb für Erz­bi­schof Dr. Hei­ner Koch


Neuss, Düs­sel­dorf – Auch im benach­bar­ten Düs­sel­dorf wis­sen bekann­ter­ma­ßen die Kar­ne­va­lis­ten zu Fei­ern und „tei­len auch mal aus”. Jakob Beyen, Prä­si­dent des Kar­ne­val­aus­schus­ses Neuss, war vor Ort und berich­tet über einen gelun­ge­nen Abend.

Bevor die eigent­li­che Ver­an­stal­tung im fest­li­chen Hein­rich-Heine Saal des Stei­gen­ber­ger-Park­ho­tels begann, war schon das Fern­se­hen mit der Lokal­zeit Düs­sel­dorf vor Ort und in dem Inter­view machte Dr. Koch schon deut­lich, wie eng seine Ver­bun­den­heit zum Rhein­land ist. Wohn­ort sei zwar im Moment Ber­lin, Hei­mat bleibt aber der Nie­der­rhein. Das war auch das Grund­thema der gelun­ge­nen Ver­an­stal­tung.

Eröff­net wurde der Abend von Michael Lau­men, dem Prä­si­den­ten des Comi­tee Düs­sel­dor­fer Car­ne­val, der die gewähl­ten Gäste, also die Ober­bür­ger­meis­ter von Düs­sel­dorf und Mön­chen­glad­bach, den Stell­vertr. Bür­ger­meis­ter von Neuss und den Land­rat des Rhein-Kreis Neuss, begrüßte.

Jakob Beyen, Prä­si­dent des Kar­ne­val­aus­schus­ses Neuss, stellte dann die Anwe­sen­den Prin­zen­paare vor, wobei die Vene­tia krank­heits­be­dingt auf ihren Prin­zen ver­zich­ten musste. Bernd Gro­the, Prä­si­dent des Mön­chen­glad­ba­cher Kar­ne­vals-Ver­bands, erzählte dann die Geschichte des Maul­korbs und stellte die Aus­ge­zeich­ne­ten seit 2001 vor.

Mit der Über­nahme der Mode­ra­tion durch Ste­fan Klein­ehr wurde es laut, sehr laut. Das Bun­des­fan­fa­ren­korps Neuss-Furth mar­schierte ein und lies die Wände des ehr­wür­di­gen Saals erbe­ben. Die Musi­ker waren aber nicht ein­fach so da, son­dern es gab eine Ver­bin­dung zu Dr. Koch. Als Papst Bene­dikt zum 10. Welt­ju­gend­tag in Köln-Wahn lan­dete, hatte er als Orga­ni­sa­tor der Ver­an­stal­tung die Idee, den Hei­li­gen Vater mit der Musik des Fan­fa­ren­korps zu begrü­ßen. Da es keine Kla­gen gab, schien es Bene­dikt gefal­len zu haben und die Gäste des Abends hat­ten auch ihre Freude an der Musik­dar­bie­tung, die zum Schluss noch durch zwei Dudel­sack­spie­ler ergänzt wurde.

Tho­mas Gei­sel, der Düs­sel­dor­fer OB, Hans Jür­gen Petrauschke, Land­rat des Rhein-Kreis Neuss, und Hans-Wil­helm Rei­ners, der stell­vertr. 1. Bür­ger­meis­ter aus Mön­chen­glad­bach, mach­ten in unter­schied­li­cher Form deut­lich, dass der Maul­korb eine Aus­zeich­nung ist für jeman­den, der sich eben einen sol­chen nicht ver­pas­sen lässt und das offene, klare Wort liebt. In Zei­ten des Popu­lis­mus ist es wich­tig, dass die, die was zu sagen haben auch den Mund auf­ma­chen. Alle Red­ner beton­ten, dass Dr. Koch zu denen gehört, die klar und offen Miss­stände anpran­gern und sowohl von der Kan­zel als auch im Vier­au­gen­ge­spräch klar Stel­lung bezieht.

Als Lau­da­tor trat dann Horst Tho­ren, der stell­ver­tre­tende Chef­re­dak­teur der Rhei­ni­schen Post ans Mikro­fon. Als ers­tes ver­wan­delte es sich dank wei­ßem Bart, Mitra und rotem Umhang in eine bischofs­ähn­li­che Figur, man könnte auch sagen, in den Niko­laus. Erst dann begann er mit sei­ner Lau­da­tio. Er beschrieb den Weg des heu­ti­gen Erz­bi­schofs von sei­nem Geburts­ort Düs­sel­dorf bis nach Ber­lin. Bis 2013 lief mit Auf­ga­ben in Kaarst, Neuss, Düs­sel­dorf und dann Köln alles in rhei­ni­schen Bah­nen, aber dann muss die Kir­che erkannt haben, das Hei­ner Koch auch extrem schwie­ri­gen Auf­ga­ben gewach­sen ist.

Man schickte ihn erst nach Dres­den und dann nach Ber­lin, Bis­tü­mer, die ja im Gegen­satz zum Rhein­land nicht als beson­ders katho­lisch geprägt gel­ten. Laut dem Lau­da­tor hat Dr. Koch die Auf­gabe bis­her her­vor­ra­gend gemeis­tert, da ihm sein rhei­ni­sches Gemüt bei der Bewäl­ti­gung der Auf­ga­ben gehol­fen hat. Erschwe­rend kam alles­ding noch dazu, dass es Ber­lin und Dres­den nicht nur an Katho­li­ken man­gelt, son­dern auch an Alt­bier und rhei­ni­schem Humor.

Nach der infor­ma­ti­ven und unter­halt­sa­men Lau­da­tio kam es nun zum fei­er­li­chen Höhe­punkt. Zuerst ver­las Jakob Beyen den Text der Urkunde und dann über­reich­ten Michael Lau­men und Bernd Gro­the die Insi­gnien der Aus­zeich­nung. Quasi zur Besie­ge­lung gab es dann von der Vene­tia noch einen Orden und Bütz­chen.

Der so Aus­ge­zeich­nete bedankte sich dann in einer humor­vol­len Rede, in der er noch mal seine Ver­bun­den­heit zu Rhein­land betonte und dann Anek­do­ten aus sei­nem Leben in Ber­lin mit den Ber­li­nern und den Poli­ti­kern erzählte. Humor sei zwar vor­han­den aber man muss teil­weise lange suchen und tief gra­ben. Er ging dann auch auf Not­wen­dig­keit der offe­nen Rede ein. Es ist wich­tig die Dinge beim Namen zu nen­nen und Posi­tion zu bezie­hen, Dabei sollte man aber die Leute nicht belei­di­gen oder ver­let­zen son­dern ver­su­chen, sie zu über­zeu­gen.

Mit Oli­ver Tis­sot kam dann ein frän­ki­scher Red­ner auf die Bühne, und über­raschte alle damit, dass er The­men und Aus­sa­gen des Abends in seine Rede ein­baute. Er hielt den anwe­sen­den „Hono­ra­tio­ren“ wit­zig und ver­let­zungs­frei den Spie­gel vor und hatte damit die Lacher auf dei­ner Seite.

Mit Alt Schuss und Lie­dern zum Schun­keln ging dann ein schö­ner und stim­mungs­vol­ler Abend zu Ende.

Text/​Fotos(2): Jakob Beyen

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