Schulministerium legt Auswertung von Arbeitsunfällen bei Lehrern vor

VBE: Hohe Dunkelziffer bei Gewalt gegen Lehrkräfte. 73 Fälle „Aggressivität gegen Lehrkräfte“ in 2015.

„Die Daten der Landesregierung und das Eingeständnis einer hohen Dunkelziffer bestätigen die Einschätzung des Verbands Bildung und Erziehung, dass Gewalt gegen Lehrer ein Tabuthema ist, zu dessen Verhinderung mehr getan werden muss“, sagt Udo Beckmann, Vorsitzender des VBE NRW anlässlich einer aktuellen Auswertung von anerkannten Dienstunfällen von Lehrkräften. Die Daten, die das Schulministerium als Antwort auf eine CDU-Anfrage dem Landtag vorlegte, stammen aus dem Jahr 2015.

Nach den Zahlen sind von 1.800 anerkannten Dienstunfällen 73 Fälle auf „Aggressivität gegen Lehrkräfte“ zurückzuführen. Aufgeschlüsselt nach Schulformen findet man in Berufskollegs, Weiterbildungskollegs und Studienseminare keine Fälle. Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen weisen je einen Fall auf, bei Gymnasien, Gesamt- und Realschulen sind jeweils drei Fälle verzeichnet, vier Fälle bei den Hauptschulen, und bei den Grundschulen beträgt die Fallzahl 16. Die höchste Fallzahl von 42 besteht bei den Förderschulen.

Darüber hinaus geht die Landesregierung von einer Dunkelziffer bei Lehrkräften aus, die ihre Erfahrungen aus verschiedenen Gründen nicht weiterleiten und nur in wenigen Fällen Anzeigen nach § 194 StGB (Beleidigungstatbestände) erstatten. „Gewalt gegen Lehrkräfte wird oftmals zum Privatproblem erklärt.

Die vom VBE in Auftrag gegebene Umfrage hat deutlich gemacht, dass fehlende Unterstützung der Verantwortlichen, Zweifel an der Erfolgsaussicht und die Angst vor Konsequenzen die konsequente Meldung und Verfolgung von psychischen und physischen Angriffen verhindern. Der Dienstherr muss sich klar schützend vor und vor allem unterstützend hinter die Lehrkräfte stellen: das ist bisher nicht erkennbar der Fall“, kritisiert Beckmann.

Der VBE hatte im November die erste große Umfrage zu Gewalt gegen Lehrer vorgelegt hat. Demnach berichten zwei Drittel der Lehrkräfte von psychischer oder physischer Gewalt gegen Lehrkräfte an Ihrer Schule. Der VBE unterstützt daher ausdrücklich die aktuelle Bundesratsinitiative NRW zur Verschärfung des Strafrechts bei Straftaten gegen Personen die für die Funktionsfähigkeit des Gemeinwesens bedeutsame Aufgaben wahrnehmen – wie Lehrer.

Der VBE fordert darüber hinaus:

  • Die Dokumentation von Vorfällen hat verpflichtend zu erfolgen.
  • Statistiken müssen geführt und veröffentlicht werden.
  • Die Lehrkraft muss die volle Unterstützung des Dienstherrn erhalten.
  • Entwicklung klarer Strukturen, an wen sich Lehrkräfte wenden können und was
    nach einem Übergriff zu tun ist.
  • Unterstützung der Schulen durch multiprofessionelle Teams.
  • Ein breites Fortbildungsangebot.
  • Vermittlung von Medienkompetenz als Prävention gegen Cybermobbing.

Hier finden Sie die Antwort der Landesregierung auf die kleine Anfrage. (pdf)

Quelle: VBE - Pressemitteilung 2-2017

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