Jüchen: Informeller Planungsverband strebt neue Organisationsform an

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Robert Schilken, Herausgeber



Jüchen – Die Tagebaurandgemeinden Jüchen, Titz, Erkelenz und die Stadt Mönchengladbach stre­ben die Gründung eines Zweckverbandes als zukünf­tige Organisationsform an. 

Das ist ein Ergebnis einer gemein­sa­men Informationsveranstaltung der kom­mu­na­len Fachausschüsse der Tagebaurandgemeinden, die in der ver­gan­ge­nen Woche in Erkelenz statt­fand. Seit zwei Jahren arbei­ten die Kommunen bereits in einem Informellen Planungsverband zusam­men, um ihrer gemein­sa­men Stimme in Sachen Tagebau ein stär­ke­res Gewicht zu ver­lei­hen und den Auswirkungen zu begegnen.

Die Gründung eines Zweckverbandes würde zugleich die recht­li­chen Rahmenbedingungen für die zukünf­tige Zusammenarbeit aller vier Kommunen schaf­fen und die Handlungsfähigkeit auch in der Beantragung von Fördermitteln sicher­stel­len. In einem nächs­ten Schritt sol­len bei den Partnern jeweils die poli­ti­schen Beschlüsse zur Vorbereitung der neuen Organisationsform ein­ge­holt werden.

Die Gründung eines Zweckverbandes, der zugleich Träger öffent­li­cher Belange ist und die ope­ra­tive Ebene dar­stellt, ist für Frühjahr 2017 vor­ge­se­hen. „Mit dem heu­ti­gen Tag wen­det sich das Blatt. Die Tagebaurandgemeinden wech­seln von der reagie­ren­den in die aktive Rolle, indem sie han­deln und pla­nen. Es ist ein sehr guter Zeitpunkt, die Planungen in Bewegung zu set­zen“, so Dr. Reimar Molitor, Region Köln/​Bonn e.V., der den Planungsprozess mode­riert. Das Land unter­stützt den Planungsprozess antei­lig mit Fördermitteln in Höhe von 100.000 Euro. Die übri­gen Gelder wer­den sowohl von den betei­lig­ten Kommunen als auch von RWE-​Power bei­gesteu­ert. Das Unternehmen ist ebenso im Planungsprozess eingebunden.

In der Sitzung Anfang November wur­den zugleich auch die Ergebnisse der zurück­lie­gen­den Planungswerkstatt durch Christian Jürgensmann vom Duisburger Büro planb, das auch die Werkstatt fach­lich beglei­tete, vor­ge­stellt. Anfang September führte der Informelle Planungsverband gemein­sam mit ver­schie­de­nen Planungsbüros und Experten aus unter­schied­li­chen Disziplinen im Rittergut Wanlo eine Werkstattwoche durch. Dabei wur­den Ideen zur Entwicklung der rund 430 Quadratkilometer gro­ßen Tagebauregion geschmie­det, wie sich die Region in der Zeit nach dem Tagebau auf­stel­len könnte. Im Ergebnis sol­len in einem „Drehbuch“ die land­wirt­schaft­li­chen, wirt­schaft­li­chen, sozia­len und städ­te­bau­li­chen Entwicklungen der Tagebauregion zunächst mit einem Zeithorizont bis 2035 mit Projektideen und bei­spiel­haf­ten oder mög­li­chen Maßnahmen umfas­send betrach­tet wer­den. Dass alles so kommt, wie in der Planungswerkstatt fest­ge­hal­ten, ist völ­lig offen. „Das vor­lie­gende Drehbruch ist eine umfas­sende Grundlage für die wei­te­ren Planverfahren. Nun gilt es den Fokus des Landes NRW auf die Region zu rich­ten, damit diese Ideen auch umge­setzt wer­den“, so Bürgermeister Harald Zillikens.

Der erste Teil des soge­nann­ten „Drehbuches“ ist bereits geschrie­ben und wurde den Vertretern der kom­mu­na­len Fachausschüsse ges­tern vor­ge­legt. So kön­nen sich die Planer vor­stel­len, ein grü­nes Band um das gesamte Gebiet von Garzweiler I und II zu legen, das mit 70 Kilometern der längste Park Europas wäre. Mit der Umsetzung könnte schon bald begon­nen wer­den. Mit einem Radschnellweg und Wanderwegen durch die­sen Grüngürtel könn­ten die Dörfer am Tagebau ver­netzt wer­den. Gleichzeitig könnte der Park den spä­te­ren Restsee mit Niers, Erft und dem Naturpark Schwalm-​Nette ver­net­zen. Auch die Restseen der Tagebaue Inden und Hambach könn­ten ein­be­zo­gen und mit einem Kanalsystem ver­bun­den wer­den. Ebenso sieht das „Drehbuch“ am Rande des grü­nen Gürtels neu anzu­le­gende „Garzweiler Gärten“ vor, die sich in einer Art „Innovation-​Valley“ mit Gemüse und Obst zur Genusslandschaft ent­wi­ckeln, eine Produktions- und Energielandschaft, die Ansiedlung von Unternehmen und Forschungslaboren aus Wissenschaft und Technik sowie eine an der Abraumkante ange­legte ter­ras­sen­ar­tige Landschaft mit Möglichkeiten für inno­va­ti­ves Wohnen vor.

Insgesamt zeigt das „Drehbuch“ eine Reihe von Möglichkeiten für die zukünf­tige Gestaltung des rie­si­gen Areals auf, die sich aus der Verzahnung von Landschaft und Raum und der extre­men Topographie ins­be­son­dere auch für neue Formen von Wohnen, Arbeiten und Mobilität sowie Erholung, Freizeit und Sport erge­ben. So steht der Wassersport genauso auf der Liste der denk­ba­ren Nutzungen wie eine sich über die Landschaft schlän­gelnde Seilbahn. Vor allem für die Menschen in den betrof­fe­nen Kommunen soll die Region wie­der eine Heimat mit klei­nen und gro­ßen Besonderheiten wer­den. So lau­tet denn auch das Credo der Planungen: Einrichten statt aus­räu­men. Siedlungen sol­len nicht wei­ter zurück­ge­baut, son­dern belebt und aus­ge­baut werden. 

In der gemein­sa­men Sitzung, die in die­ser Form erst­mals statt­fand, wur­den erste kon­krete Schritte auf­ge­zeigt und Maßnahmen fest­ge­hal­ten, die schon bald umge­setzt wer­den könn­ten. Das „Drehbuch“ soll auch in das Braunkohlenplanverfahren ein­flie­ßen, in dem die Bezirksregierung Köln die Entwicklung von Garzweiler II steu­ert. Darüber hin­aus sol­len die Planungen in die Regionalpläne der Bezirksregierungen Düsseldorf und Köln einfließen.

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