Korschenbroich: Stadtrat beschließt ein­stim­mig Resolution gegen AKW Tihange

Korschenbroich – In seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien hat sich der Rat der Stadt Korschenbroich einstimmig gegen den weiteren Betrieb des Atomkraftwerks im belgischen Tihange
ausgesprochen.

Die Resolution geht auf einen Antrag aller im Rat der Stadt Korschenbroich vertretenen Parteien zurück. Hier der Wortlaut der Resolution:

Gemeinsamer Antrag aller Fraktionen des Rates der Stadt Korschenbroich:

Beschluss:
Resolution des Rates der Stadt Korschenbroich

Der Rat der Stadt Korschenbroich fordert die unverzügliche und dauerhafte Abschaltung des belgischen Atomkraftwerks Tihange.

Der Rat der Stadt Korschenbroich teilt die berechtigte Sorge vieler Menschen in unserer Stadt, in Belgien, in den Niederlanden und in Deutschland vor einer atomaren Katastrophe. Er bittet die Landes- und Bundesregierung dringend, sich weiterhin und mit Nachdruck für eine „unverzügliche und dauerhafte Abschaltung des Kraftwerks Tihange“ einzusetzen. Geeignete Katastrophenschutzkonzepte müssen der Situation angepasst und entsprechend dargestellt werden.

Das belgische AKW Tihange in der Nähe zur deutschen Grenze. Foto: Huy koeltorens von Michielverbeek – CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
Das belgische AKW Tihange in der Nähe zur deutschen Grenze. Foto: Huy koeltorens von Michielverbeek – CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Der Rat appelliert an die belgische Regierung, die Betriebsgenehmigung für das Kraftwerk Tihange zurückzunehmen. Er unterstützt die vielen Kreise und Gemeinden bei ihrem Vorgehen gegen den Weiterbetrieb des Kernkraftwerks.

Er stellt sich hinter die Forderungen der Städteregion Aachen mit ihrer Klage gegen den belgischen Staat und möchte ihrem Wunsch nachkommen, das Wappen / das Logo der Stadt Korschenbroich zu benutzen, um ihrem Begehren mehr Nachdruck zu verleihen.

Die Verwaltung informiert in geeigneter Form die Landes- und Bundesregierung sowie die belgische Regierung und die Städteregion Aachen. Die Verwaltung veröffentlicht die Resolution.

Sachverhalt und Begründung:

Das Kraftwerk Tihange ist seit Jahren für seine Probleme und Störfälle bekannt. Es ist mit seinen 40 Jahren eines der ersten Atomkraftwerke in Belgien und eines mit erheblichem Gefahrenpotential. Tausende Risse in den Druckbehältern des Blocks 2 und die Brüchigkeit des Behältermaterials zwangen die belgische Nuklearaufsichtsbehörde AFCN, den Betreiber Electrabel, im März 2014 zur Abschaltung des Werks. Schäden dieser Art können nicht behoben werden. Die Druckbehälter sind mittlerweile so brüchig, dass das Notkühlwasser von üblicherweise 10 Grad Celsius auf 30 Grad Celsius vorgeheizt werden muss, um einen thermischen Schock zu vermeiden (tagesschau.de am 01.02.2016). Es besteht die Gefahr, dass die Ummantelung bricht und radioaktiv kontaminiertes Wasser ausbricht. Trotzdem sind auf einmal für die AFCN die Risse keine Gefahr mehr. Sie unterstützt den Weiterbetrieb des schadhaften Reaktors. Selbst Atomkraftbefürworter halten das für unverantwortlich. Erst im Februar dieses Jahres führte ein Defekt an einer Pumpe zur vorübergehenden Notabschaltung des Reaktors (tagesschau.de 23.02.2016).

Bei größeren Unfällen, können kilometerweit Menschen und Umwelt durch die radioaktive Kontamination belastet und die Region unbewohnbar gemacht werden. Das Kraftwerk liegt nur 115 km von Korschenbroich entfernt. Bei den hier vorherrschenden Westwindwetterlagen ist unsere Stadt, sind unsere Menschen und ist unser Land direkt betroffen.

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