Ministerin Steffens: Lernen mit Tod und Trauer umzugehen

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Robert Schilken, Herausgeber



Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit: Auf Initiative von Nordrhein-​Westfalen berät die Konferenz der Gesundheitsministerinnen und ‑minis­ter der Länder (GMK) in die­ser Woche über den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer im Schulunterricht. 

Die dies­jäh­rige GMK fin­det am Mittwoch und Donnerstag (29.06. – 30.06.2016) in Rostock-​Warnemünde statt. „Das Sterben als selbst­ver­ständ­li­chen Teil des Lebens anzu­neh­men, davon sind wir weit ent­fernt. Wenn Kinder- und Jugendliche die Vergänglichkeit in der Schule the­ma­ti­sie­ren, trägt das zu einem offe­ne­ren Umgang mit dem Sterben in unse­rer Gesellschaft bei.

Das ist auch ange­sichts der wie­der­keh­ren­den Diskussionen über Sterbehilfe von beson­de­rer Bedeutung. Die Angst vor Schmerzen oder vor dem Verlust der Autonomie sind oft Auslöser des Wunsches auf vor­zei­tige Beendigung des Lebens. Dem kann auch mit Aufklärung über hos­piz­li­che und pal­lia­tive Unterstützungsangebote begeg­net wer­den“, erklärte Ministerin Steffens. „Wir brau­chen Angebote an Schulen, die sich an den Bedürfnissen der Kinder- und Jugendlichen ori­en­tie­ren und ihnen hel­fen, einen angst­freien und offe­nen Umgang mit Tod und Trauer zu finden.

In Nordrhein-​Westfalen sind weg­wei­sende Projekte mit guter Resonanz durch­ge­führt wor­den. Sie zei­gen, wie diese Aufgabe in Kooperation mit ört­li­chen Hospizvereinen erfolg­reich umge­setzt wer­den kann“, so Steffens.

Während der Tod frü­her Teil des Alltags war, unter ande­rem weil Angehörige im Kreis der Familie star­ben und nicht wie heut­zu­tage oft im Krankenhaus oder im Heim, wird das Sterben heute oft­mals aus­ge­blen­det. Dennoch bleibt kaum jemand von dem Verlust eines nahe­ste­hen­den Menschen ver­schont. Den indi­vi­du­el­len Erfahrungen steht eine weit­ge­hende Sprachlosigkeit inner­halb der Gesellschaft gegen­über. Nach einer Untersuchung des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes wün­schen sich fast 60 Prozent der Befragten eine stär­kere gesell­schaft­li­che Auseinandersetzung mit dem Thema.

Gerade jun­gen Menschen berei­tet ein Trauerfall oft große Schwierigkeiten, weil sie in der Regel noch nicht gelernt haben, mit Lebenskrisen umzu­ge­hen. Häufig sind sie mit ihren Gefühlen und Ängsten alleine, denn über Sterben, Tod und Trauer wird mit Kindern und Jugendlichen wenig gespro­chen. Einerseits weil viele Erwachsene Kummer und Leid von ihnen fern­hal­ten wol­len. Andererseits weil die meis­ten Menschen bei die­sen Themen selbst unsi­cher, hilf­los oder sprach­los sind.

Erfahrungen zum Beispiel des Zentrums für Palliativmedizin in der Uniklinik Köln bele­gen, dass Heranwachsende, die eine nahe­ste­hende Person ver­lie­ren, einen erschwer­ten Zugang zum Thema Sterben, Tod und Trauer fin­den und in beson­de­rem Maße lei­den, weil sie sich mit ihrem Schmerz zurück­zie­hen. Wenn Trauer geteilt wird, dann vor­nehm­lich mit engen Freunden, in der Regel mit Mitschülerinnen und Mitschülern. Deshalb hat das schu­li­sche Umfeld bei der Bewältigung von Trauer eine beson­dere Bedeutung.

In unse­rer Gesellschaft ist der Tod oft ein Tabu, über das Sterben möchte kaum jemand spre­chen. Aber Kinder- und Jugendliche wer­den etwa durch den Verlust von Großeltern oder ande­ren Angehörigen, Freundinnen oder Freunden damit kon­fron­tiert. Die Schule kann ihnen in einem geschütz­ten Rahmen die Möglichkeit bie­ten, sich mit Sterben und Tod, aber auch mit Trost und Trösten aus­ein­an­der zu set­zen“, betonte die Ministerin.

So haben bun­des­weit bis­her etwa 6500 Kinder von drit­ten und vier­ten Klassen an dem Projekt „Hospiz macht Schule“ der Hospizbewegung Düren teil­ge­nom­men. Speziell qua­li­fi­zierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hospizbewegung gestal­ten mit den Grundschulen Projektwochen, die Themen wie Krankheit und Leid, den Tod – aber auch Traurigsein sowie Trost und Trösten alters­ge­recht the­ma­ti­sie­ren. Die Kinder gestal­ten die Projekttage anhand ihrer eige­nen Fragen und Erlebnisse – und auch die Eltern wer­den ein­be­zo­gen. Die früh­zei­tige, kind­ge­rechte Auseinandersetzung wirkt einer Tabuisierung des Themas ent­ge­gen und ist somit prä­ven­tiv orientiert.

Für Jugendliche der Jahrgangstufen 9 bis 13 hat das Zentrum für Palliativmedizin der Uniklinik Köln einen Projektunterricht „Umgang mit Sterben, Tod und Trauer“ ent­wi­ckelt. Unter ande­rem anhand von Vorträgen über Palliativmedizin und Hospizarbeit, Berichten aus der Praxis, Diskussionen, Filmen und Rollenspiel soll die Auseinandersetzung mit dem Themenbereich unter­stützt wer­den. Außerdem ler­nen die Teilnehmenden die pro­fes­sio­nel­len und ehren­amt­li­chen Hilfeangebote für Schwerstkranke ken­nen. Ziel ist, dass die Jugendlichen eigene Wege fin­den, wie sie mit Sterben und Trauer umge­hen kön­nen. Sie wer­den darin bestärkt, ihren eige­nen see­li­schen Nöten und Bedürfnissen mit Selbstfürsorge zu begeg­nen und Schwerstkranken sowie Angehörigen von Verstorbenen ohne Ängste zu begegnen.

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