Rhein-​Kreis Neuss: Landrat und Bürgermeister – Trotz Rückgang der Flüchtlingszahlen keine Entwarnung

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Robert Schilken, Herausgeber



Rhein-​Kreis Neuss – Zum wie­der­hol­ten Male stan­den Flüchtlingsunterbringung und ‑inte­gra­tion im Mittelpunkt der Bürgermeisterkonferenz, zu der Landrat Hans-​Jürgen Petrauschke die Spitzen der Städte und Gemeinden dies­mal ins Kaarster Rathaus ein­ge­la­den hatte. 

Noch vor einem hal­ben Jahr stan­den die Bürgermeisterinnen und die Bürgermeister aber auch der Landrat extrem unter Druck wegen stark gestie­ge­nen Flüchtlingszahlen, die Kreis und Kommunen für das Land zum Teil über Nacht in Turnhallen und Notunterkünften unter­brin­gen muss­ten. Aktuell gehen die Flüchtlingszahlen bun­des­weit und auch im Rhein-​Kreis Neuss deut­lich zurück.

Kamen im Spitzenmonat November des ver­gan­ge­nen Jahres noch 206.101 Asylsuchende in Deutschland an, waren es bun­des­weit im April nur noch 15.941. Auch in Nordrhein-​Westfalen san­ken die Flüchtlingszahlen im April nach Angaben des NRW-​Innenministeriums auf 5.324. Die Kommunen im Rhein-​Kreis Neuss erhal­ten des­halb der­zeit nur in Ausnahmefällen und im Rahmen von Familienzusammenführungen neue Flüchtlinge zuge­wie­sen. Derzeit leben 7.728 Flüchtlinge im Rhein-​Kreis Neuss.

Auf die Unterbringung in kom­mu­na­len Notunterkünften und Turnhallen sei das Land Nordrhein-​Westfalen nach fast einem Jahr immer weni­ger ange­wie­sen, machte Benjamin Josephs, Flüchtlingsbeauftragter des Kreises, im Kaarster Rathaus deut­lich. Die Städte und Gemeinden im Kreis pla­nen, belegte Turnhallen Zug um Zug wie­der für den Schul- und Vereinssport frei­zu­ge­ben. Der Rhein-​Kreis Neuss will seine Notunterkunft in der Dreifachturnhalle am Kreis-​Berufsbildungszentrum in Grevenbroich in Abstimmung mit dem Land plan­mä­ßig am 30. Juni aufgeben.

Einig waren sich Landrat und die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, dass jedoch noch keine Entwarnung gege­ben wer­den kann, denn eine Prognose über die Flüchtlingsentwicklung für das gesamte Jahr gibt es weder vom Bund noch vom Land. Das EU-​Türkei-​Abkommen und die Schließung der Balkanroute haben zunächst ein­mal Luft ver­schafft. Ob das fra­gile Abkommen jedoch hält und auf wel­che Route die Schlepperbanden nach Schließung der Balkanroute aus­wei­chen, um Flüchtlinge nach Europa zu brin­gen, sei bis­lang unklar.

Entsprechend vor­sich­tig wol­len die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Rhein-​Kreis Neuss agie­ren und nicht gleich alle Notunterkunftskapazitäten schlie­ßen: „Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den wir kalt erwischt. Wir wis­sen nicht, was noch auf uns zukommt, sind aber jetzt vor­be­rei­tet“, so die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister übereinstimmend.

Landrat Petrauschke lobte das große Engagement der Verwaltungsmitarbeiter/​-​innen und der vie­len ehren­amt­li­chen Kräfte in der Bevölkerung, die groß­ar­ti­ges geleis­tet haben. Jetzt stün­den mit der Schaffung von Wohnraum und der Integration der Flüchtlinge mit Bleibeperspektive wei­tere große Herausforderungen für die Kreisgemeinschaft an. Für den 1. Juli kün­digte er eine Integrationskonferenz des Kreises an, an der alle Kommunen, die Arbeitsagentur, das Jobcenter, die Sozial- und Jugendämter, Kreishandwerkerschaft, IHK, Wohlfahrtsverbände, Bildungsträger, Unternehmen und Initiativen betei­ligt sind.

Petrauschke: „Um die Integration der vie­len Flüchtlinge und Migranten zu bewäl­ti­gen, ist eine kon­zer­tierte Aktion aller gesell­schaft­li­chen Kräfte not­wen­dig. Sprache, Bildung und Arbeit bil­den hierzu den Schlüssel.“ 

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