Dormagen: Erklärung der Religionsgemeinschaften für ein fried­li­ches und siche­res Zusammenleben

Dormagen – „Die sexu­elle Gewalt, die in der Silvesternacht in Köln und ande­ren Städten gegen Frauen ver­übt wurde, hat uns alle ver­un­si­chert und abge­sto­ßen.

Solches Verhalten ver­stößt gegen unser Grundgesetz und die all­ge­meine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und wird in unse­rem Land nicht gedul­det. Wer sol­che Straftaten begeht und sich gleich­zei­tig um Asyl in Deutschland bewirbt, kann kein Bleiberecht genie­ßen.

Auch bei uns in Dormagen haben vie­len Menschen nach die­sen Ereignissen Angst. Dies ist ver­ständ­lich. Allerdings darf das nicht dazu füh­ren, dass wir Flüchtlingen künf­tig nur noch mit Vorbehalten begeg­nen und sie pau­schal als Kriminelle ver­däch­ti­gen. Nach allen vor­lie­gen­den Erkenntnissen ist der Anteil von Straftätern unter ihnen wei­ter­hin gering, wenn man von ein­zel­nen Gruppen z.B. aus Nordafrika absieht. Gerade von rechts­ge­rich­te­ten Kreisen wird jedoch ver­sucht, die aktu­el­len Geschehnisse für frem­den­feind­li­che Parolen zu instru­men­ta­li­sie­ren.

Es wird ein all­ge­mei­nes Gefühl der Bedrohung geschürt. Über die so genann­ten „sozia­len Medien“ ver­brei­ten sich auch in unse­rer Stadt Gerüchte und halb­wahre Aussagen. Es häu­fen sich Kommentare, in denen Flüchtlinge dis­kri­mi­niert und beschimpft wer­den. Dies berei­tet uns eben­falls Sorge und ist nicht zu akzep­tie­ren.

Kein Mensch ver­lässt ohne schwer­wie­gen­den Grund seine Heimat. Wenn Flüchtlinge zu uns kom­men, geschieht dies in der Regel infolge Krieg, Not und Verfolgung – und weil die Betroffenen die allzu mensch­li­che Hoffnung auf ein bes­se­res Leben haben. Wären wir hier in Deutschland in einer ver­gleich­ba­ren Situation, hät­ten viele von uns die glei­chen Hoffnungen und wür­den hil­fe­su­chend in andere Länder zie­hen. Jedoch kann die­ser Wunsch nicht immer erfüllt und nicht jeder Flüchtling dau­er­haft bei uns auf­ge­nom­men wer­den.

Unser Rechtsstaat muss auf die Ereignisse in Köln reagie­ren und darf sich in Zukunft nicht mehr so wehr­los zei­gen. Wir sind nicht blind gegen­über Problemen. Zu unse­rem Rechtsstaat gehört aber auch, kei­nen Menschen im Vorfeld zu ver­ur­tei­len. Dies ist im Übrigen genauso Bestandteil aller Weltreligionen, die das Gute im Menschen sehen. Würden wir den Glauben daran ver­lie­ren, wäre dies ent­setz­lich. Denn wie könn­ten wir uns ein Zusammenleben dann über­haupt noch vor­stel­len.

Lassen Sie uns in Dormagen des­halb bitte wei­ter an der offe­nen Begegnung mit Flüchtlingen fest­hal­ten. Unsere Stadt hat bis­her über­ra­gende Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft gezeigt. Die per­sön­li­che Begegnung ist immer wie­der auch der beste Weg, um Ängste abzu­bauen. Wir for­dern von den Zuwanderern die Bereitschaft zur Integration sowie die Achtung unse­rer Gesetze und unse­rer Kultur. Jeder, der in unse­rem Land lebt, muss die im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ver­an­ker­ten Grund- und Menschenrechte ach­ten. Diese ver­fas­sungs­mä­ßige Ordnung bil­det seit 67 Jahren die Grundlage unse­res gesell­schaft­li­chen Wirkens und Handelns. Sie ist nicht ver­han­del­bar. Dies gilt für Zuwanderer, aber auch für all jene Mitbürger, die jetzt Hass und Gewalt gegen Flüchtlinge schü­ren.

Mit Geduld, Toleranz, Vorsicht und Achtsamkeit kön­nen wir das bür­ger­schaft­li­che Leben in Dormagen gestal­ten und Probleme meis­tern. Es liegt an uns allen. Bitte sor­gen Sie mit dafür und tra­gen Sie dazu bei, dass wir den sozia­len Frieden erhal­ten und gemein­sam in unse­rer Stadt sicher leben kön­nen.”

Erik Lierenfeld Mehmet Güneysu 
Bürgermeister Dormagener Integrationsrat 

Pfarrer Peter Stelten Pfarrer Frank Picht 
Kath. Kirchengemeinde St. Michael Ev. Kirchengemeinde Dormagen

Dursun Pekdemir Pastor Roger McCloy Fiona Missaghian-​Moghaddam

DITIB Dormagen Baptistenkirche Dormagen Baháí-​Gemeinde Dormagen

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