Meerbusch: Beuys-​Mahnmal – Eichentor und Auferstehungssymbol wer­den im Klever Museum Kurhaus ausgestellt

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Meerbusch – Wer in die­sen Tagen einen arg­lo­sen Blick in den Alten Kirchturm an der Dorfstraße in Büderich wirft, wird über­rascht sein. Lediglich das eiserne Sicherungstor des Mahnmals ver­schließt noch den Eingang.

Die bei­den jeweils 450 Kilogramm schwe­ren Torflügel aus mas­si­vem Eichenholz mit den ein­ge­mei­ßel­ten Namen der Toten bei­der Weltkriege sind aus­ge­baut und abtrans­por­tiert. Auch das große Auferstehungssymbol, aus einem ein­zi­gen Eichenstamm von Joseph Beuys geschaf­fen, ist abge­hängt. Alle drei Teile wur­den jetzt im Auftrag der Stadt von einem Spezialunternehmen zur „restau­ra­to­ri­schen Reinigung” in die Werkstätten des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege in Pulheim-​Brauweiler gebracht.

2016-01-14_Mee_Beuys-Mahnmal-Transport 1Von Brauweiler aus geht die Reise der wert­vol­len Stücke im April wei­ter nach Kleve. Im dor­ti­gen Museum Kurhaus beginnt am 1. Mai eine Sonderausstellung mit dem Titel „Joseph Beuys – Werklinien”. Anlass ist der 30. Todestag des Künstlers am 23. Januar und der 95. Geburtstag am 12. Mai 2016. Für die Ausstellung wird das Klever Atelier, in dem Beuys in den Jahren 1954 bis 1967 arbei­tete, erst­mals kom­plett wie­der her­ge­rich­tet. „Das Büdericher Mahnmal gehört zu den wich­tigs­ten und größ­ten Werken, die Beuys in die­sem Atelier geschaf­fen hat”, sagt Valentina Vlasic, Kunsthistorikerin und Kuratorin am Museum Kurhaus Kleve. „Dass wir diese Arbeit im Rahmen einer Kooperation mit der Stadt Meerbusch hier an ihrem Entstehungsort zei­gen kön­nen, ist eine kleine Sensation.”

Im Jahr 1959 hatte Beuys das grobe Eichentor, die anmu­tige Holzplastik im Inneren und den Turmschacht selbst im Auftrag der dama­li­gen Gemeinde Büderich als Gesamtkunstwerk gestal­tet. Heute ist der Alte Kirchturm zudem die ein­zige Großarbeit von Joseph Beuys, die frei im öffent­li­chen Raum, außer­halb von Galerie- oder Museumsmauern bewun­dert wer­den kann.

Ausgangspunkt dafür, dass aus die­sem Jahrhunderte alten Büdericher Kirchengrund über­haupt ein Ort des Gedenkens und der Kunst wer­den konnte, war der ver­häng­nis­volle Kirchenbrand in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 1891”, weiß Stadtsprecher Michael Gorgs. Vergessene Kohlenglut in einem Weihrauchfass hatte das Feuer aus­ge­löst. „Nur Grundmauern und Turm blie­ben ste­hen.” 1893 weihte die Pfarrgemeinde den deut­lich grö­ße­ren Kirchenneubau an der Düsseldorfer Straße ein. Die Ruine des alten Kirchenschiffs „im Dorf” wurde spä­ter abge­ris­sen. Der roma­ni­sche Turm wurde vor­über­ge­hend als Umspannanlage für Stromleitungen genutzt.

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Fachleute des Spezialunternehmens Hasenkamp aus Köln demon­tier­ten Torflügel und Plastik und sorg­ten für den siche­ren Transport in die Restaurierungswerkstätten in Brauweiler. Fotos(2): Stadt/​Cieslik

Wie spä­ter die Idee ent­stand, den Turm zum Mahnmal umzu­ge­stal­ten, ist lei­der nicht doku­men­tiert”, bedau­ert Michael Gorgs. 1953 habe der Kulturausschuss des Büdericher Gemeinderates ein­stim­mig die Absicht for­mu­liert, ein neues „Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges“ zu schaf­fen. Von vier Künstlern wur­den Entwürfe für die Ausgestaltung des Turms ein­ge­holt. Der fol­gende Beschluss der Kommunalpolitiker war mutig und auf­ge­schlos­sen: „Zwölf Jahre nach Kriegsende schenkte man einem jun­gen, bis dato weit­ge­hend unbe­kann­ten Bildhauer und Mataré-​Schüler das Vertrauen: Joseph Beuys.” Sein Entwurf galt damals als unkon­ven­tio­nell und völ­lig neu­ar­tig, aber er über­zeugte – bis heute.

Die große Beuys-​Ausstellung in Kleve läuft bis 4. September. Zum jähr­li­chen „Tag des offe­nen Denkmals” am 11. September wer­den Torflügel und Auferstehungssymbol restau­riert wie­der am ange­stamm­ten Platz im Alten Kirchturm in Büderich hän­gen. In der Zwischenzeit wird nach der Außenfassade im letz­ten Jahr nun auch der Innenraum des Turms saniert.

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