Neuss: Flüchtlingsfamilien ab Donnerstag in der Turnhalle Allerheiligen

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – Am Donnerstag, den 14.01.2016, wer­den die ers­ten 101 Flücht­linge in der Sporthalle Allerheiligen unter­ge­bracht. Der Hallen­komplex ist im Dezember zur vor­über­ge­hen­den Unterbringung von bis zu 300 Menschen vor­be­rei­tet worden. 

So wur­den Feu­erlöscher instal­liert, Notausgänge beschil­dert und Feuerwehr­einsatzpläne erstellt. Für das täg­li­che Leben der künf­ti­gen Be­wohner wurde ein Waschraum mit zehn Waschmaschinen, Trocknern und Ausgussbecken her­ge­rich­tet sowie Handy-​Auf­ladestationen instal­liert und eine Kaffeeecke eingerichtet.

Zum Schutz des Sportbodens in den Hallen wurde die­ser mit einem Bodenbelag über­deckt. Die Gesamtkosten für die Herrichtung der Sporthalle Allerheiligen belau­fen sich auf 89.000 Euro. Bei den zukünf­ti­gen Bewohnerinnen und Bewohnern han­delt es sich nach Auskunft der Bezirksregierung Arnsberg um Asylbe­werber aus acht Ländern. Die meis­ten Menschen kom­men aus Syrien (38 Personen, Afghanistan (27 Personen) und dem Irak (24 Personen).

Etwa drei­vier­tel der erwar­te­ten Flüchtlinge die diese Woche nach Neuss kom­men sind Familien, die in den letz­ten Wochen nach Deutschland ein­ge­reist sind.

Als Partner der Stadt Neuss wird das Deutsche Rote Kreuz die Männer, Frauen und Kinder in der Einrichtung betreuen. So wer­den die Asylbewerber und Flüchtlinge täg­lich mit drei Mahl­zeiten (Frühstück, Mittag, Abend) ver­sorgt. Die Essensausgabe erfolgt in zwei Durchgängen. Zudem ste­hen Getränke, Obst und Babynahrung jeder­zeit zur Verfügung. Es wird einen wöchent­lich wech­seln­den, auf die Bedürfnisse der Bewohner abge­stimmten Speiseplan geben. In der Unterkunft exis­tiert ein La­ger mit Hygieneartikeln und Catering-​Bedarf wie Wasser oder Tee. Für Hygieneartikel wird es täg­lich eine fest­ge­legte Ausga­bezeit geben. Hierbei wird nach Bedarf aus­ge­ge­ben und ent­sprechend doku­men­tiert. Die Lagerbestände wer­den für 300 Personen auf­recht­erhal­ten und ent­spre­chend nach der Aus­gabe wie­der aufgefüllt.

Um das Zusammenleben so vie­ler Menschen mög­lich zu ma­chen wird es grund­sätz­lich zwi­schen 22 Uhr und 7 Uhr mor­gens eine Ruhezeit geben. Dabei wird die Beleuchtung ent­spre­chend gedimmt. Die Schlafräume sol­len über­wie­gend nur für die­sen Zweck genutzt wer­den. Unterhaltungen, Spiele und 2016-01-12_Ne_turnhalle-allerheiligen_015ähn­li­ches sol­len in einem Aufenthaltsraum statt­fin­den. Dadurch soll ein ruhi­ger Rückzugsort für die Bewohner sicher­ge­stellt wer­den. Eine Weckzeit wird es nicht geben. Der Aufenthaltsraum steht daher den Bewohnern rund um die Uhr zur Verfügung. Die Freizeitgestaltung soll nach Möglichkeit an die Bedürfnisse der Bewohner ange­passt wer­den. So wird nach­dem die Struktur der Bewohner (Familien, Frauen, Männer, Alter) klar ist ein ent­sprechendes Programm aufgestellt.

Auch Ehrenamtliche sol­len in der Einrichtung in Allerheiligen zum Einsatz kom­men. Dafür hat Diakon Michael Linden die Daten der Menschen zusam­mengestellt, um eine opti­mierte Programmgestaltung mit­hilfe der Ehrenamtlichen zu errei­chen. So soll das Angebot durch die Helfer und Nachfrage bezie­hungs­weise der Bedarf oder die Wünsche der Bewohner mög­lichst sinn­voll zusam­men gebracht wer­den. Insbesondere ste­hen hier Kinder im Fokus.

Bei der Ankunft der ers­ten bei­den Busse mit Flüchtlingen am Donnerstag wird, um eine geord­nete Aufnahme zu gewährleis­ten, das DRK mit 14 Mitarbeitern vor Ort sein. Hinzu kom­men Männer und Frauen des Sicherheitsdienstes und des Caterers. Ab Freitag wird neben Mitarbeitern des Caterers zu den Mahl­zeiten und der Reinigungsfirma, dass DRK täg­lich mit acht bis zwölf Mitarbeitern in unter­schied­li­chen Schichten und Funktio­nen vor Ort sein.

Auch der Sicherheitsdienst wird rund um die Uhr in der Sport­halle im Einsatz sein (4 Mitarbeiter am Tag/​3 in der Nacht). Hinzu kom­men zu bestimm­ten Zeiten wei­tere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Flüchtlingsberatung des DRK und andere Helfer zu bestimm­ten Terminen. Darüber hin­aus wird für klei­nere medi­zi­ni­sche Hilfeleistungen stän­dig ein Rettungssanitäter vor Ort sein.

Zum Kennenlernen der Einrichtung sowie zur Anmeldung und zur Registrierung ist ein fes­tes Procedere geplant, bei der die Bewohner ver­schie­dene Stationen durch­lau­fen. Nach der Re­gistrierung und Anmeldung gibt es einen Rundgang durch die Unterkunft, die Schlafplatzzuweisung und eine Ausgabe von Kissen, Decken, Hygiene- und wei­te­ren Bedarfsartikeln. Da es hier zu Wartezeiten auf­grund der hohen Zahl an neuen Bewoh­nern kom­men kann, ste­hen Getränke, Toilettenräume und ein Raucherbereich vor der Halle jeder­zeit zur Verfügung.

Im spä­te­ren Lebensalltag sind von der DRK Flüchtlingshilfe Sprechzeiten geplant. Hinzu soll es ergän­zende Angebote für unter­schied­li­che Bereiche des all­täg­li­chen Lebens, wie eine Bürokratiesprechstunde oder eine Arztsprechstunde geben. Dazu hat das DRK sich mit dem Bürgeramt und der Ausländer­behörde der Stadt Neuss bespro­chen. So soll eine mög­lichst rei­bungs­lose Anmeldung bei den ver­schie­de­nen Ämtern er­reicht werden.

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BM Breuer im Gespräch mit Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe, die direkte Nachbarn sind.

Bürgermeister Reiner Breuer und Beigeordneter Stefan Hahn äußerte sich ver­ständ­nis­voll bezüg­lich der Vorbehalte und Befürchtungen sei­tens der Bürger. Aber auch die ankom­men­den Flüchtlinge wären nicht ohne Ängste, äußerte sich Bürgermeister Breuer. Die Belegung der Sporthalle ist, so der Tenor, eine unge­liebte Notlösung, die aber zum gegen­wär­ti­gen Zeitpunkt unum­gäng­lich sein.

Die bestell­ten Traglufthallen sol­len Ende Februar/​Anfang März defi­ni­tiv ver­füg­bar sein, so Hahn. Um die Bürger wei­ter zeit­nah und aus­führ­lich zu infor­mie­ren fin­det Ende Januar/​Anfang Februar eine Informationsveranstaltung statt.

Die Planung für die Sporthalle und deren Nutzung als Flüchtlingsunterkunft ist zeit­lich begrenzt. Jedoch konnte sich Beigeordneter Stefan Hahn nicht auf eine kon­krete Freigabe fest­le­gen. „Mit der Fertigstellung der Traglufthallen wer­den wir zeit­nah prü­fen, ob die dann vor­han­de­nen Kapazitäten aus­rei­chen” und „es macht kei­nen Sinn die Halle erst zu räu­men und dann, bei einer auf­kom­men­den Notwendigkeit, diese erneut umzu­rüs­ten”. Die Rückbauten wer­den so schnell wie mög­lich und unter Berücksichtigung der Flüchtlingszuweisungen erfolgen.

Video zur Innenansicht der Sporthalle

[you­tube] https://​youtu​.be/​r​V​6​-​8​2​7​L​kRY [/​youtube]

(10 Ansichten gesamt, 1 Leser heute)

3 Kommentare

  1. Ein Lob an den Autor für den guten, sach­li­chen, aus­führ­li­chen und neu­tra­len Zeitungsartikel.

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