Neuss: Neue Dynamik bei der Flüchtlingszuweisung – Stadt fährt erwei­ter­tes Konzept bei der Unterbringung – Sporthalle Allerheiligen wird vorbereitet

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – 25 asyl­su­chende Menschen wer­den der Stadt Neuss von der Bezirksregierung zur­zeit täg­lich zur Unter­bringung zugewiesen. 

Aufgrund der schnel­le­ren Registrierung und Erstversorgung der Ankommenden durch das Land sehen sich die Kommunen einer stark stei­gen­den Zahl von Flüchtlin­gen gegen­über, für die – auch ange­sichts des nahen­den Winters – eine warme und tro­ckene Unterkunft beschafft wer­den muss. In NRW wer­den der­zeit rund 15.000 Menschen wöchent­lich auf die 396 Kommunen des Landes verteilt.

Zwar wird Neuss durch die Ausweitung der Zentralen Unter­bringungseinrichtung des Landes (ZUE) vor­aus­sicht­lich ab nächs­ter Woche noch ein­mal zwei Wochen „zuwei­sungs­los” gestellt wer­den. Danach aber ist die Anrechnung der ZUE-​Flüchtlinge auf das städ­ti­sche Kontingent aus­ge­schöpft. Ange­sichts die­ser Situation hat die Verwaltung erheb­li­che Anstren­gungen unter­nom­men, um Wohnraum für Flüchtlinge zu schaf­fen. Neben der inzwi­schen in Betrieb genom­me­nen Unterkunft am Nordbad wur­den inzwi­schen circa 70 Privatwohnungen zur Unterbringung von etwa 200 Personen ange­mie­tet. Etwa 65 Wohnplätze wer­den in dem ehe­ma­li­gen Telekom-​Gebäude an der Fesserstraße ein­ge­rich­tet, die die Stadt von der GWG anmietet.

Doch ab Mitte Dezember 2015 wird erst­mals die Situation ein­treten, dass Neuss Zuweisungen erhält, jedoch keine Plätze mehr vor­han­den sind. Die Kapazitäten in den bestehen­den kom­mu­na­len Unterkünften sind dann aufgebraucht.

Daher hat Bürgermeister Reiner Breuer gemein­sam mit Sozial­dezernent Stefan Hahn und dem gesam­ten Verwaltungs­vorstand beschlos­sen, bei der Flüchtlingsunterbringung ab so­fort nach einem zwei­glei­si­gen Fahrplan zu verfahren.

Einerseits wird der Bau oder die Anmietung und Herrichtung von Unterkünften in nahezu allen Stadtteilen wie geplant fortge­setzt. Andererseits aber müs­sen nun­mehr für die vorüberge­hende Unterbringung einer höhe­ren Anzahl von Menschen über­gangs­weise grö­ßere Sammelunterkünfte vor­be­rei­tet wer­den. So wird die Sporthalle Allerheiligen vor­rüber­ge­hend um­genutzt wer­den müssen.

Dazu wird der Sportbetrieb ab dem 1. Dezember in der Halle ein­ge­stellt und die Hallenräume zu Wohnzwecken her­ge­rich­tet. Das Gebäudemanagement wird den Boden mit einer Abdeckung ver­se­hen und die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes, die die Halle betrei­ben, wer­den die Sporthalle mit Betten und Trennwänden zur Schaffung ei­nes Mindestmaßes an Privatsphäre für die 300 künf­ti­gen Be­wohner aus­stat­ten. Ein Hallenteil wird für die Essensausgabe vor­be­rei­tet und andere Versorgungsräume wer­den hergerichtet.

Etwa ab dem 10. Dezember kön­nen dann die Flüchtlinge dort vor­über­ge­hend leben, bis Räume in ande­ren Flüchtlingsunter­künften bereit ste­hen. Heute Mittag wur­den die Sportvereine, Schulen und die Politik vor Ort über die not­wen­di­gen Maßnah­men infor­miert. Die Verwaltung wird Maßnahmen ergrei­fen, um den Schulsport sicher zu stel­len. Mit den Vereinen wer­den Alternativen für den Sportbetrieb gesucht.

Im Zuge die­ses zwei­glei­si­gen Konzeptes wer­den auch Tragluft­hallen auf­ge­stellt. Die Stadt hat drei sol­cher Hallen für jeweils etwa 300 Menschen bestellt. Die Hallen wer­den, vor­be­halt­lich tech­ni­scher Prüfungen, auf dem ehe­ma­li­gen VfR-​Platz an der Hammer Landstraße und auf dem Parkplatz an der Eissport­halle sowie an einem wei­te­ren Standort errich­tet. So ent­steht Platz für die kurz­fris­tige Aufnahme von etwa 900 Flüchtlingen. Die Verwaltung hofft dadurch, im Februar die Sporthalle in Allerheiligen frei räu­men und den Sportlern wie­der über­ge­ben zu können.

Darüber hin­aus wer­den zur Zeit wei­tere Bestandsobjekte in Neuss begut­ach­tet und gege­be­nen­falls pro­vi­so­risch umge­baut. Das GMN prüft momen­tan die Umwandlung eines ehe­ma­li­gen „Container-​Kindergartens“ in Grimlinghausen in eine Unterbrin­gung für etwa 90 Flüchtlinge. Gewerbehallen wer­den auf ihre Tauglichkeit zur zeit­wei­sen Unterbringung von Menschen un­tersucht. Konkret lau­fen bei drei Objekten der­zeit fach­li­che Begutachtungen. Mit den Vermietern von Büroobjekten für über 300 Personen steht die Stadt zur Zeit in Verhandlung.

Parallel lau­fen bei der Realisierung der bis­her avi­sier­ten Stand­orte in den Stadtteilen die Ausschreibung und der Ankauf für wei­tere Containerunterkünfte. So kön­nen im Mai nächs­ten Jahres 78 Bewohner in ein Gebäude in Modulbauweise am Südbad ein­zie­hen und ab August nach und nach etwa 250 Menschen in Allerheiligen, Hoisten und Selikum. Danach ste­hen die Einrichtungen in Grefrath, Norf, Uedesheim und Rosellen zur Umsetzung an. Einige der neuen Gebäude wer­den aus Stahl-​Containern, andere erst­mals auch in Holz/​Fachwerk-​Bauweise errichtet.

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