Dormagen: Stadt möchte Flüchtlinge in alle Stadtteile inte­grie­ren

Dormagen – Im gestrigen Hauptausschuss legte die Verwaltung ein umfangreiches Zahlenwerk und eine Perspektivplanung zum Umgang mit den Flüchtlingen in Dormagen vor.

Im Kern geht es darum, wie die zu erwartende Anzahl an fest zugewiesenen Flüchtlingen gerecht und sozial verträglich im Stadtgebiet verteilt werden können, ohne zum Beispiel auf weitere Turnhallen zurückgreifen zu müssen.

Die Verwaltung hat dazu drei Szenarien erstellt. Ausgegangen wird von einem sogenannten „Best Case“ und einem „Worst Case“. Das dritte Planbeispiel bewegt sich in der Mitte der beiden Beispiele.

Bürgermeister Erik Lierenfeld erläuterte den anwesenden Ratsmitgliedern die beiden Annahmen. So sieht der Best Case vor, dass Dormagen 50 Personen im Monat zugewiesen werden und zehn Menschen Dormagen in diesem Zeitraum auch wieder verlassen. Dies würde bedeuten, dass die Stadt bis Ende 2016 rund 1.380 Menschen unterbringen muss. Dazu zählen auch die Menschen, die im Rahmen der Notunterkünfte (Erstaufnahme) vom Land zugewiesen werden. Das sind derzeit rund 350 Personen.

Der Worst Case sieht vor, dass rund 150 Menschen im Monat nach Dormagen zugewiesen werden aber weiterhin nur zehn Menschen Dormagen im selben Zeitraum auch wieder verlassen. Dies würde bedeuten, dass die Stadt bis Dezember 2016 fast 2.800 Menschen unterbringen muss. Die Verwaltung geht ebenfalls davon aus, dass die beiden Notunterkünfte an der Beethovenstraße und Am Wäldchen auch über das von der Bezirksregierung Düsseldorf angeforderte Datum (29. Februar 2016) hinaus betrieben werden.

Grafik: StadtUm die zugewiesenen Menschen, die zuletzt meist aus Kriegsgebieten im Nahen Osten oder Afghanistan kommen, sozial verträglich unterzubringen, sieht die Verwaltung vor, alle Stadtteile mit einzubeziehen. Die Verwaltung hat dazu eine Lagekarte mit möglichen Standorten im Stadtgebiet erstellt und aufgezeigt, wie eine Verteilung aussehen kann. Hier sind zunächst sofort umsetzbare als auch perspektivische Standorte zu sehen. Angedacht ist die Anmietung beispielsweise von Holzfertighäusern, die preiswert einen guten Wohnstandart sichern und später schnell verlagert und unter anderem als Bürger- und Seniorenbegegnungsstätten oder sozialen Wohnungsbau umgewandelt werden können.

Ansprechen möchte die Verwaltung aber auch Vermieter, die Wohnraum zur Verfügung stellen wollen. Vorrangig sollen Familien dort einziehen. 17 Wohnungen hat die Verwaltung aus diesem Grund bereits in der Anmietung.

Neben Familien und Einzelpersonen rechnet die Verwaltung aber auch mit 22 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Diese werden gesondert in einem Hotel in der Innenstadt untergebracht und durch Sozialarbeiter und das Jugendamt besonders betreut.

Um all diese Aufgaben zu bewältigen und die bislang mehrere tausend zusätzlichen Arbeitsstunden in der Verwaltung wieder abzubauen, beabsichtigt der Bürgermeister die Einstellung von weiteren Kräften.

Geprüft werden muss laut dem Ersten Beigeordneten Robert Krumbein auch die Infrastruktur, wie Kindergarten, Schulen und Vereinen. „Hier müssen wir gegebenenfalls nachbessern, dies zeitnah planen und umsetzen.

Für die Kämmerin Tanja Gaspers halten sich die finanziellen Aufwendungen für diese Aufgaben für die Stadt in annehmbaren Grenzen. „Wir rechnen mit einer hohen Refinanzierungsquote durch Land und Bund nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz.“

Weitere Infos & Karten finden Sie hier (pdf)

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