Kanalhaie schnap­pen nach Kundschaft – Warnung vor dreis­ten Geschäften an der Haustür

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Robert Schilken, Herausgeber



Rhein-​Kreis Neuss – (vz​-nrw​.de) Die erste regu­läre Frist zur Kanaldichtheitsprüfung, die pri­vate Hauseigentümer in Wasserschutzgebieten bis Ende des Jahres beach­ten müs­sen, ruft auch Kanalhaie auf den Plan: 

Unseriöse Rohrsanierer sche­ren sich hier­bei nicht um den spe­zi­el­len Geltungsbereich, son­dern rufen wahl­los an, klin­geln an der Haustür oder über­rum­peln arg­lose Hauseigentümer in der Kneipe mit dem drin­gen­den Rat, schnell noch von ihnen frist­ge­recht eine Zustands- und Funktionsprüfung ihrer pri­va­ten Abwasserleitung durch­füh­ren zu lassen.

Die vor­ge­schrie­bene Prüfung könne mit Hilfe einer spe­zi­el­len Kanal-​TV-​Untersuchung samt Bescheinigung zum Schnäppchenpreis von 59 Euro durch­ge­führt wer­den – so lau­tet meist die drän­gende Empfehlung. „Machen sich die ver­meint­li­chen Fachfirmen dann mit ihren Gerätschaften und Kamera an der Abwasseranlage des Hauses zu schaf­fen, über­ra­schen sie die Eigentümer etwa mit der Nachricht, die Leitungen seien marode und drin­gend sanie­rungs­be­dürf­tig“, schil­dert Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, die gän­gige Masche win­di­ger Kanalsanierungsfirmen auf Kundenfang.

Keinesfalls sollte man sich von Betrügern über­rum­peln las­sen! Vor der Auftragserteilung soll­ten immer meh­rere schrift­li­che Angebote ein­ge­holt und aus­rei­chend Zeit zur Prüfung erbe­ten wer­den. Wer mas­siv an der Haustür bedrängt oder bedroht wird, sollte die Polizei über die Notrufnummer 110 rufen“, rät Uwe Jacob, Direktor des Landeskriminalamts NRW (LKA NRW).

Gemeinsam wol­len das Projekt Kanaldichtheit der Verbraucherzentrale NRW und die ört­li­chen Polizeidienststellen gewief­ten Kanalhaien das unse­riöse Handwerk legen. Sie geben Ratsuchenden hilf­rei­che Tipps, um uner­war­te­ten Attacken mit der rich­ti­gen Gegenwehr zu begegnen:

  • Prüffrist bis Ende des Jahres nicht für alle: Um Schäden für Haus und Umwelt zu ver­mei­den, müs­sen zunächst Abwasserleitungen in Wasserschutzgebieten, die vor 1965 ver­legt wur­den, bis Ende 2015 von einem aner­kann­ten Sachkundigen geprüft wer­den. Später instal­lierte Leitungen unter­lie­gen einer Prüffrist bis Ende 2020. Wird bei der Prüfung ein Schaden fest­ge­stellt, kön­nen sich Sanierungsfristen bis zu zehn Jahren erge­ben. Hauseigentümer außer­halb von Wasserschutzgebieten sind nicht an die spe­zi­el­len Prüffristen gebun­den. Sie müs­sen jedoch für eine regel­mä­ßige Wartung und Instandhaltung ihrer Leitungen sorgen.
  • Nur Angebote aner­kann­ter Betriebe ver­glei­chen: Mit der Überprüfung von Abwasserleitungen in Wasserschutzgebieten soll­ten nur Betriebe beauf­tragt wer­den, deren sach­kun­dige Mitarbeiter eigens in einer „NRW-​Liste“ im Internet ver­zeich­net sind – unter sadipa​.it​.nrw​.de/​s​a​d​ipa. Soweit ein Unternehmen hier nicht auf­ge­führt ist, ist davon aus­zu­ge­hen, dass es die gesetz­li­chen Anforderungen nicht erfüllt und die zustän­di­gen Stellen in der Kommune die Prüfung nicht aner­ken­nen wer­den. Den ver­lo­cken­den Schnäppchenpreisen an Haustür und Telefon zum Trotz: In einen Angebotsvergleich soll­ten des­halb nur Betriebe ein­be­zo­gen wer­den, die auch auf „NRW-​Liste“ ver­zeich­net sind. Denn ansons­ten muss die gesetz­lich vor­ge­schrie­bene Funktionsprüfung wie­der­holt und damit noch ein­mal bezahlt werden.
  • Massivem Druck wider­ste­hen: Dubiose Firmen wer­den mit Schnäppchenpreisen, Finten und sogar Täuschungen ver­su­chen, die Konkurrenz aus­zu­ste­chen, um an einen Auftrag zu kom­men und den gefor­der­ten Rechnungsbetrag mög­lichst sofort zu kas­sie­ren. Wer sich hier­bei stark unter Druck gesetzt fühlt, sollte bei der Polizei eine Anzeige erstat­ten. Hierzu ist es rat­sam, die Kontaktdaten der Kanalfirma zu ken­nen und den Sachverhalt in allen Einzelheiten – vom Auftreten der Firma über Auftragsvergabe, Druck oder Täuschung – schil­dern zu kön­nen. Auch die Benennung eines Zeugen oder Fotos von den vor­ge­nom­me­nen Arbeiten kön­nen für die wei­tere Strafverfolgung dien­lich sein.
  • Vorsicht bei Zusatzarbeiten: Manche Unternehmen haben neben einer Funktionsüberprüfung auch noch frag­wür­dige Folgedienstleistungen im Angebot. Dazu zählt etwa das über­flüs­sige Auskleiden von Leitungen. Oder sie täu­schen gra­vie­rende Schäden vor, die nicht exis­tie­ren, nur um sie gegen teu­res Geld schein­bar zu besei­ti­gen. Hände weg von spon­ta­nen Auftragsvergaben! Auf jeden Fall soll­ten Betroffene sich erst eine Videoaufnahme mit den erkann­ten Schäden zei­gen lassen.
  • Auftrag und Vertrag wider­ru­fen: Eigentümer, die in den eige­nen vier Wänden mit ungu­tem Gefühl eine Unterschrift unter einen Prüf- oder Sanierungsauftrag gesetzt haben, kön­nen Schlimmeres oft ver­hin­dern, wenn sie den Vertrag bin­nen 14 Tagen ab dem Tag des Vertragsschlusses schrift­lich wider­ru­fen – am bes­ten per Einschreiben mit Rückschein. Wurde den Betroffenen keine geson­derte Widerrufsbelehrung zur Verfügung gestellt, blei­ben ihnen noch 12 Monate und 14 Tage Zeit für einen Widerruf.

Hilfreiche Informationen hat auch der kos­ten­lose Flyer „Das Geschäft mit Ihrer Abwasserleitung“ parat. Erhältlich in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW. Hier weiß man auch recht­li­chen Rat, um einen Kanalhai los­zu­wer­den oder aus einem dubio­sen Vertrag auszusteigen.

Rechtsrat gibt es auch beim Verbrauchertelefon Kanaldichtheit der Verbraucherzentrale NRW, Telefon 0211/​38 09 300 – und zwar mon­tags und mitt­wochs von 9 bis 13 Uhr, diens­tags und don­ners­tags von 13 bis 17 Uhr.

Einen Notruf in einer aku­ten Drucksituation nimmt die Polizei unter 110 ent­ge­gen. Strafanzeigen kön­nen jeder­zeit in allen Polizeiwachen gestellt werden. 

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