Neuss: Eine beson­dere Matinée zur Premiere „Die Macht der Gewohnheit”

Neuss – Am 8. März 2015 um 11 Uhr findet eine besondere Matinée zur Premiere Die Macht der Gewohnheit im Rheinischen Landestheater Neuss statt.

Jahrelang versucht die Hauptfigur Caribaldi seine Zirkustruppe zum Spielen des „Forellenquintetts“ zu animieren – und scheitert. Dies ist Anlass genug, im Rahmen einer besonderen Matinée dieses Meisterwerk zu Gehör zu bringen.

Unter der Moderation von Theaterpädagogin Maike Fölling berichten Regisseurin Esther Hattenbach und ihr Team aus der Probenarbeit und diskutieren mit Violinist Sebastian Gäßlein über Herausforderungen in der Arbeit beider Kunstsparten. Im Anschluss spielen Musiker der Robert Schumann Musikhochschule Franz Schuberts Klavierquintett D667.

Bereits während der Probenphase zur „Macht der Gewohnheit“ werden sich Musiker und Schauspieler begegnen und sich über spartenspezifische Besonderheiten und Schnittstellen der beiden Kunstsparten austauschen.

Der Eintritt ist frei. Es gibt ein begrenztes Platzkontingent.

Thomas Bernhard
Die Macht der Gewohnheit
# Wieder scheitern, besser scheitern
Premiere am Freitag, 14.03.2015 um 20:00 Uhr, Schauspielhaus
Rheinisches Landestheater Neuss, Oberstr. 95

Der Zirkusdirektor Caribaldi hat sich vorgenommen, das perfekte Kunstwerk zu schaf-fen: ein Musikstück in Vollendung darzubieten. Deshalb zwingt er Tag für Tag seine Enkelin, den Jongleur, den Dompteur und den Spaßmacher, Schuberts „Forellenquintett“ einzustudieren. Und das seit 22 Jahren! Die Proben in Caribaldis Wohnwagen sind eine Tortur für die Musiker, denn natürlich ist der Direktor nie zufrieden. Jeder Bogenstrich muss sitzen, jeder Ton genau getroffen, jede Note mit der nötigen Emotion gespielt werden – und doch will der entscheidende Durchbruch nicht gelingen.

Seit Jahren leben alle fünf nur noch für dieses eine Musikstück. Für ihre eigentlichen Künste, die ja auch sorgfältiges Training erfordern, bleibt den Zirkusartisten kaum Zeit. Die erzwungene, neurotische Gruppensituation ruft seitens der Abhängigen immer wieder kleine Sabotageakte hervor – bis hin zur Volltrunkenheit am Klavier. Die Probenversuche enden im vollkommenen Desaster.

DIE MACHT DER GEWOHNHEIT, 1974 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt, ist Thomas Bernhards erste „Komödie“. Natürlich kreist dieser Text grundsätzlich um die Kunst und ihre Ausübenden. Doch die Zirkusmanege, in der man auftritt, scheitert und ausgelacht wird, steht für das menschliche Dasein ganz allgemein, denn aus seinen Zwängen gibt es kein Entrinnen, so Caribaldi:

Wir wollen das Leben nicht aber es muss gelebt werden
Wir hassen das Forellenquintett aber es muss gespielt werden.

Caribaldi Joachim Berger // Enkelin Sigrid Dispert // Jongleuer Henning Strübbe //
Dompteur Pablo Guaneme Pinilla // Spaßmacher Michael Großschädl
Inszenierung Esther Hattenbach // Bühne Bruns Haupten // Kostüme Alide Büld //
Musik Matthias Mainz // Dramaturgie Reinar Ortmann

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