Korschenbroich: Bürgerinfoabend zum Thema „Asylbewerber“ war gut besucht

Ihre Unterstützung zählt!

Geschätzter Leser, Sie finden die Veröffentlichungen hier interessant und nützlich? Das ist erfreulich!

Wenn nur 10% der Leser regelmäßig 20 Cent pro Tag zahlen, können davon die laufenden Betriebskosten gedeckt, die Berichterstattung ausgeweitet sowie ggf. zusätzliche Redakteure beschäftigt werden.

Sie können Ihre Zuwendung über z. B. "PayPal" oder per Banküberweisung tätigen. Gerne nenne ich Ihnen die Bankverbindung. Bitte fragen Sie nach. Weitere Informationen finden Sie hier.

Danke
Robert Schilken, Herausgeber



Korschenbroich – Bürgermeister Heinz Josef Dick und ein Team aus der Stadtverwaltung infor­mier­ten beim Bürgerabend in der Aula die Einwohner über die aktu­elle Situation der Asylbewerber und Flüchtlinge in Korschenbroich. 

Rund 90 Besucher waren zu der öffent­li­chen Veranstaltung mit Vertretern der Ratsfraktionen gekom­men, um mehr über die aktu­el­len Wohnmöglichkeiten für Asylsuchende zu erfah­ren und über die Chancen für die Integration der Hilfesuchenden in die soziale Gemeinschaft Korschenbroichs zu sprechen.

Michael Beyer aus dem Ordnungsamt ver­deut­lichte direkt zu Beginn: „Aktuell leben 230 Asylbewerber und Flüchtlinge bei uns im Stadtgebiet. Im Januar 2014 waren es noch 144 Menschen. Die aktu­el­len poli­ti­schen Entwicklungen welt­weit haben die Zahl der Hilfesuchenden so schnell anstei­gen lassen.“

Aufgrund der zahl­rei­chen Kriege und Konflikte rechne Deutschland all­ge­mein mit wei­te­ren Menschen aus Krisengebieten. Über den so genann­ten „Königsteiner Schlüssel“ erhal­ten die ein­zel­nen Bundesländer Hilfesuchende zuge­wie­sen. Dann ver­weise das jewei­lige Bundesland, in unse­rem Fall NRW, die Flüchtlinge unab­hän­gig von der finan­zi­el­len und infra­struk­tu­rel­len Situation vor Ort in die ein­zel­nen Kommunen wie Korschenbroich. „Wir haben nur ganz kurze Reaktionszeiten von weni­gen Tagen, um den Menschen ein Dach über dem Kopf zu besor­gen“, sagt Beyer. „NRW nimmt die Zuwanderer nicht mehr sechs Wochen bis drei Monate in den eige­nen zen­tra­len Unterbringungseinrichtungen auf, son­dern lei­tet sie in ein bis zwei Wochen zu uns weiter.“

Die Strategie der Korschenbroicher Politik und Verwaltung ist es daher, zügig an der Infrastruktur zu arbei­ten. Das heißt: Die sechs bestehen­den Übergangseinrichtungen, in denen auch Obdachlose woh­nen, und die genutz­ten Mietwohnungen bie­ten zur Zeit 234 Plätze.

Bis Ende 2015 sol­len rund 90 bis 100 wei­tere Plätze geschaf­fen wer­den. Daher hat der Stadtrat schon im Oktober 2014 beschlos­sen, das 2003 auf­ge­ge­bene Übergangswohnheim Rheydter Straße 225a‑b in Neersbroich zu reak­ti­vie­ren, wo noch die Versorgungsleitungen im Boden lie­gen. Acht in sich abge­schlos­sene Wohneinheiten für je sechs Personen sol­len hier ent­ste­hen. Für das zwei­ge­schos­sige Objekt aus Fertigteilen ist die Stellfläche bereits gero­det und die Bauelemente sind bestellt. Weitere Plätze kom­men in frei wer­den­den städ­ti­schen Mietwohnungen hinzu. Zudem hat der Rat im November 2014 die Anmietung eines leer­ste­hen­den Haus an der Regentenstraße 26 beschlos­sen, wo 20 Menschen Zuflucht finden.

Ab Ende Januar kön­nen die ers­ten ein­zie­hen. „Wir blei­ben somit unse­rem Grundsatz treu, die Asylbewerber dezen­tral und über das Stadtgebiet ver­teilt unter­zu­brin­gen. Deswegen sto­cken wir in Herrenshoff auf kei­nen Fall wei­ter auf. Das Leben in klei­ne­ren Einheiten erleich­tert die Integration in das Umfeld und ver­hin­dert die Überbelastung der ört­li­chen Infrastruktur wie zum Beispiel der Grundschulen, die plötz­lich viele neue Kinder bekom­men wür­den“, erklärte Bürgermeister Dick. „Mit die­sem Modell tref­fen wir Sorge für 2015 – nach jet­zi­gem Wissensstand – wir wer­den aber in Zukunft wei­tere Standorte brau­chen. Ein wei­te­res Heim könnte in Pesch ent­ste­hen und die Schiefbahner Straße könn­ten wir aufstocken.“

Nur im äußers­ten Notfall müss­ten Asylbewerber und Flüchtling kurz­fris­tig in den Notunterkünften ein Dach über dem Kopf fin­den. Diese sind laut Ratsbeschluss vom November 2014: das Restaurant im Hallensportzentrum, die Gymnastikhalle Lüttenglehn, die Gymnastikhalle Pesch und die Gymnastikhalle Steinforth. Nach dem Bau des neuen Kindergartens im Holzkamp würde ab circa August 2015 die Kindertageseinrichtung im Haus Hochstraße 48a frei werden.

Wir brau­chen Sie alle, liebe Korschenbroicher, um die Integration der hier leben­den Asylbewerber und Flüchtlinge zu inte­grie­ren“, appel­lierte der Bürgermeister. Begeistert zeigte er sich über die große Resonanz aus der Bevölkerung, sich ehren­amt­lich zu enga­gie­ren. Petra Köhnen aus dem Sozialamt bün­delt im Rathaus die Hilfsangebote in der Ehrenamtsbörse und hält den engen Kontakt zum „Ökumenischen Arbeitskreis Asyl“, der im Januar 2015 wie­der zusam­men­ge­kom­men ist. Während des Bürgerinfoabends ver­deut­lichte sie, dass jede noch so ein­fa­che Unterstützung ein wich­ti­ger Beitrag ist und stellte sich als Ansprechpartnerin den Versammelten vor.

Wer nun auch über­legt, sich ein­zu­brin­gen, kann unver­bind­lich bei ihr nach­fra­gen unter: Tel. 02161/613–169 oder per E‑Mail an petra.koehnen@korschenbroich.de. Wer den Infoabend lei­der ver­passt hat, fin­det hier eine Auswahl der gestell­ten Fragen aus dem Publikum:

Sind in Korschenbroich pri­vate Sicherheitsfirmen tätig, die in ande­ren Kommunen z.T. Übergriffe auf Bewohner began­gen haben sol­len?
Nein. Korschenbroich hält auch des­we­gen an der bewähr­ten Unterbringung in klei­nen Einheiten fest, in denen kein Sicherheitsdienst nötig ist.

Wie würde der Umbau des Restaurants im Hallensportzentrum aus­se­hen?
Die Glasfront wird bis zu 2,50 Meter Höhe blick­dicht, damit die Asylbewerber auch Privatsphäre haben. Gleichzeitig fällt durch die Glaskuppel und seit­lich durch Scheiben wei­ter­hin Tageslicht für die Schwimmer ein.

Warum plant die Stadtverwaltung über­haupt Neubauten aus so genann­ten Containern (Fertigbauteilen)?
Korschenbroich hat nicht so viele leer­ste­hende Wohnungen wie man­che Großstadt, weil viele Einfamilienhäuser das Stadtbild prä­gen. Daher ist nicht aus­rei­chend Wohnraum anzu­mie­ten. Bei der Planung neuer Wohngebiete müsse dies in Zukunft eine Rolle spielen.

Wer trägt die Kosten für die Unterbringung?
Ca. 40 % trägt das Land NRW, ca. 60 % die Kommune selbst aus ihrem lau­fen­den Haushalt. Auch des­we­gen ist das Thema „Asyl“ abge­se­hen von der gesell­schafts­po­li­ti­schen Weichenstellung ein wich­ti­ger Diskussionspunkt in Stadtrat und Ausschüssen – die gewähl­ten Vertreter der Bürgerinnen und Bürger müs­sen den finan­zi­el­len Mittel gezielt ein­set­zen und freigeben.

(1 Ansichten gesamt, 1 Leser heute)