Neuss: Familienministerin besucht Martinus-​Schule in Holzheim

Neuss-Holzheim – »Guten Morgen, liebe Kinder!« – »Guten Morgen, Herr Müller!« schallt es fröhlich durch den Raum, und auch die Erwachsenen auf den hinteren Bänken entkommen dem kleinen Ritual kaum: »Guten Morgen, liebe Erwachsene !« – »Guten Morgen, Herr Müller!« tönen die volleren Stimmen im Takt der kleinen Melodie.

Die Erwachsenen: Das sind unter anderem Familienministerin Ute Schäfer, Kulturdezernentin Dr. Christiane Zangs, Musikschulleiter Reinhard Knoll und weitere Personen aus Politik und Verwaltung.

Doch die Zweitklässler der Martinus-Schule-Holzheim stört der große Bahnhof nicht: »Do, re, mi, fa, sol ...« Die Solmisation, sprich: das silbenweise Auf und Ab über die Tonleiter geht ihnen schon souverän über die Lippen. Sie treffen problemlos die richtigen Tonhöhen, singen im Kanon haben zu ihren Liedern sogar ein Tänzchen parat.

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Beigeordnete Dr. Christiane Zangs und Familienministerin Ute Schäfer. Foto: Stadt

Humorvoll, munter, singend und lachend geht es durch den Unterricht, den der Musikschullehrer Holger Müller und die Klassenlehrerin Kerstin Börding gemeinsam leiten. Nicht ein Kind, an dem dieses gemeinsame Musizieren vorüberginge, das nicht voller Lebensfreunde mitmachte: Die musikalische Pantomime ist ebenso unwiderstehlich wie das afrikanische Lied » Tembea, tembea, ruka, ruka, ruka, simamaka «, das man in der vorigen Stunde eingeübt hatte.

Diese ideale Szene ist in Neuss fast schon normal. Seit 2007 läuft hier bereits das Modellprojekt Jeki-Sti (»Jedem Kind seine Stimme«), das Reinhard Knoll, der Leiter der Musikschule initiiert hat. Alle, die daran bisher teilgenommen haben, können nur von den besten Erfahrungen berichten. Eine Studie der Heinrich-Heine Universität ergab 2011, dass die Kinder aus dem Jeki-Sti-Programm besser miteinander umgehen, selbstbewusster und konzentrierter sind, besser aufeinander hören und sich sogar besser artikulieren können, da die Stimmbildung unabdingbarer Teil des Programms ist. Konrektorin Claudia Zander bestätigt: »Es hat die Schule nach innen verändert. Die Sozialkompetenz ist enorm gestiegen. Die Kinder entwickeln sich gemeinsam.«

Das ist zunächst ein Gewinn für die Kinder, dann aber auch für die Lehrer, den Klassenverband und die Eltern. Alle 24 Neusser Grundschulen beteiligen sich an dem Modell, dass Dank der Finanzierung von Sponsoren kostenfrei für Kinder und Eltern stattfindet.

Unter dem Motto JeKits (»Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen«) wird jetzt ein landesweites Projekt gestartet. Es ist die Ausweitung des ebenso erfolgreichen Programms „Jedem Kind ein Instrument“ (JeKi), das bisher auf das Ruhrgebiet beschränkt war, und berücksichtigt die Resultate und Erfahrungen, die seit 2007 mit dem Neusser Sing-Pendant JeKi-Sti erzielt wurden.

NRW-Familienministerin Ute Schäfer bekennt sich unmissverständlich zu JeKits: »Es war von Anfang an mein Bestreben, das Projekt für alle Regionen zu öffnen. In den kommenden zwei, drei Jahren werden Erfahrungen gesammelt«. Die Realisation liegt bei den Parteien vor Ort – den Kommunen, Schulen, Musik- und Tanzschulen. Je nach Wunsch und lokalen Gegebenheiten kann sich eine Schule für Tanz, Instrumentalspiel oder Gesang entscheiden. Dass sich organisatorische Hindernisse leichter überwinden lassen, wenn man ein gemeinsames Ziel verfolgt – davon können die Neusser nach den Ereignissen der letzten sieben Jahre ein wahrhaft zuversichtliches Lied singen«.

Der gemeinsame Erfolg der Kinder ist erheblich. Sie sind inzwischen regelmäßig beim Mai-Singen zu hören, haben Auftritte auf dem Weihnachtsmarkt, im Altersheim und im Zeughaus, der »guten Stube« von Neuss. Bei diesen Veranstaltungen entstehen Kontakte über die jeweiligen Schulen hinaus – und der Applaus, den sie alle für ihre Darbietungen ernten, schafft noch tiefere Verbindungen.

Zumindest in Neuss sind die Zeiten vorbei, wo der Lehrer befahl: »Kinder, seid leise!« Heute heißt es: »Lasst uns ein Lied singen!« – und die Stimmung hellt sich sofort auf. Eine Kostprobe hat der Martinus-Chor der Viertklässler den »offiziellen Besuchern« noch mit auf den Weg gegeben: Ein musikalisches Rätsel, bestehend aus 27 aktuellen Songs, natürlich beginnend mit »... und ich singe diese Lieder«.

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