Neuss: Baggerarbeiten am Epanchoir ab Anfang des Jahres 2015

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – In den nächs­ten Tagen rollt der Bagger an die Kreuzung Selikumer Straße und Nordkanalallee. Dann wer­den umfang­reich die Tiefbau-​Arbeiten am Epanchoir, der his­to­ri­schen Wasserstraßenkreuzung im Herzen von Neuss, fortgesetzt. 

Umfang und Volumen der zu bewe­gen­den Erdmassen und der was­ser­tech­ni­schen Baumaßnahmen sind ein­drucks­voll und wer­den die Restaurierung die­ses his­to­ri­schen Bauwerks stär­ker als bis­her in das Bewusstsein der geschicht­lich inter­es­sier­ten Neusser Bürger rücken.

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Vor den Bauarbeiten

Über den Fortgang der Baumaßnahmen freuen sich ins­be­son­dere Vorsitzender Christoph Napp-​Saarbourg und sein Stellvertreter Klaus Karl Kaster vom „Verein der Freunde und Förderer des his­to­ri­schen Nordkanals e.V.“. Nach Auskunft des Bau lei­ten­den Tiefbaumanagements der Stadt Neuss sind Ausschreibung und Vergabe an die ent­spre­chende Fachfirma Ende 2014 erfolgt. „Vertragsgemäßer Beginn ist Anfang die­sen Monats, also in den nächs­ten Tagen“, so Kaster.

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Vor den Bauarbeiten

In den zurück­lie­gen­den Monaten waren Förderverein und die zustän­di­gen Ämter, Dienststellen und Institutionen der Stadt Neuss nicht untä­tig geblie­ben. Es wur­den Pläne erstellt, dis­ku­tiert und vari­iert, Architekten, Denkmalschützer und Landschaftsgestalter kon­sul­tiert, mit Nachbarn und Historikern gespro­chen, mög­li­che Mitstreiter und Unterstützer ein­be­zo­gen sowie inten­siv und erfolg­reich für das anspruchs­volle Projekt geworben.

Und es hat sich auch viel getan, so bei­spiels­weise die für das Projekt beson­ders wich­tige Verlegung der gro­ßen Trinkwasser-​Versorgungsleitung durch die Stadtwerke Neuss – eine Mammutaufgabe – und das Versenken zweier Spundwände. War dies auch nicht immer für den Bürger auf den ers­ten Blick greif­bar und sicht­bar, so wird sich dies nach Überzeugung des Fördervereins durch den aktu­el­len Baufortschritt ändern. Ein biss­chen ist man schon gespannt, was die Neusser zu der Baustelle des Hauptwasserbeckens sagen wer­den. Denn mit den Ausmaßen von rund 45 Meter Länge und etwa 22 Metern Breite wird nun die von Napoleon geplante große Wasserstraße „Nordkanal“ erst­mals in Neuss sicht­bar und deutlich.

Vor den Bauarbeiten
Vor den Bauarbeiten

Über die Reaktionen von Nachbarn und Bürgern musste sich Napoleon als „Vorgänger“ des Neusser Fördervereins vor mehr als 200 Jahren keine Sorgen machen, ebenso wenig wie übri­gens mit der Finanzierung. Der fran­zö­si­sche Kaiser wollte sei­nen über­aus ehr­gei­zi­gen wie weit­sich­ti­gen Plan, die bei­den Hafenstandorte Antwerpen an der Nordsee und Neuss am Rhein zu ver­bin­den, mit Einnahmen aus der Branntweinsteuer bezah­len – alles andere als eine Schnapsidee.

Der Bau führte am Ende nicht über die geplan­ten rund 160 Kilometer von Antwerpen bis Neuss, son­dern nur teil­weise und nur über eine rela­tiv kurze Zeit, zum Beispiel über 16 Kilometer von Neuss bis nach Neersen. Aber ein Herzstück der Kanalbaumaßnahme, eben das Epanchoir, wurde rea­li­siert. Wo die Obererft den Kanal kreuzte, sollte sie zwar nicht den Treidel-​Betrieb durch­ein­an­der­wir­beln, aber trotz­dem die Wasserkraft geben, die für die bedeu­ten­den Neusser Wassermühlen erfor­der­lich war.

Mit den Jahren gerie­ten Kanal und Epanchoir in Vergessenheit. Bis die „Vereinigung der Heimatfreunde Neuss“ sich anläss­lich des 200jährigen Jubiläums der Einweihung des Epanchoir im Jahre 2009 wie­der erin­nerte. Eine gute Idee, die über die Aktivitäten des 2012 neu gegrün­de­ten Fördervereins für die Restaurierung und Präsentation des Epanchoir schnell Mitstreiter und Förderer fand und die durch her­aus­ra­gende Stiftungen wie NRW-​Stiftung oder Deutsche Stiftung Denkmalschutz groß­zü­gig unter­stützt wurde.

Spätestens im Herbst die­sen Jahres nach der Fertigstellung der Gesamtmaßnahme wer­den sich Epanchoir und Info-​Point in das ent­spre­chend gestal­tete Umfeld ein­fü­gen. Hierfür konnte das Landschaftsplanungsbüro gewon­nen wer­den, das schon das benach­barte Klinikgelände sehr anspruchs­voll gestal­tet hat.

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