Neuss: Konzept „Bezahlbarer Wohnraum Neuss 2030“ – Zunahme der Altersarmut

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – Zahlreiche demo­gra­fi­sche Faktoren, wie der Trend zu Single-​Haushalten und die Überalterung der Gesell­schaft, sor­gen für eine anhal­tende Nachfrage nach Wohnungen.

Die Beliebtheit von Neuss als Wohnort sorgt zudem für eine ste­tige Zuwanderung. Da in Zeiten hoher Nachfrage beson­ders preis­güns­tige Wohnungen begehrt sind, hat die Stadt Neuss in Zusammenarbeit mit exter­nen Experten und Akteuren des Neusser Wohnungsmarktes das Konzept „Bezahlbarer Wohnraum in Neuss 2030“ ent­wi­ckelt. Es bün­delt Ideen, wie das Segment der preis­güns­ti­gen Wohnungen wei­ter­hin einen bedarfs­ori­en­tier­ten Beitrag zur Wohnungs­versorgung in Neuss leis­ten kann. Zugleich gibt das Konzept Empfehlungen, um ein aus­rei­chen­des Angebot an preis­güns­tigen Wohnungen abzusichern.

Das Konzept sieht vor, in den nächs­ten fünf Jahren min­des­tens 360 zusätz­li­che preis­güns­tige Wohnungen, das heißt mit einer maxi­ma­len Miete von 5,75 Euro pro Quadratmeter, zu schaf­fen. Um die­ses Ziel zu errei­chen, soll eine varia­ble Standardquote von 25 bis 35 Prozent an geför­der­tem Wohnungsbau in Neubau­gebieten gel­ten. Dabei wer­den die betriebswirtschaft­lichen Belange der Investoren und Eigentümer mit ein­be­zo­gen, denn „die schönste Quote bringt nichts, wenn sie wirt­schaft­lich nicht zu stem­men ist“, so Planungsdezernent Christoph Hölters. Der Wohnungsmarkt wird dabei wei­ter beob­ach­tet und spätes­tens im Jahr 2020 wird eine Zwischen­bilanz gezo­gen. Christian Unbehaun, Leiter des Amtes für Stadtplanung, betont dabei: „Die Antworten der 70er Jahre sind heute nicht mehr aktu­ell, Stadt- und Sozialplanung müs­sen Hand in Hand arbei­ten. Sozialwohnungskomplexe gehö­ren der Vergangenheit an.“ Vielmehr sol­len inte­grierte Wohnquartiere, wie etwa das Marienkirchviertel, ent­wi­ckelt werden.

Als Grundlage für das Konzept „Bezahlbarer Wohnraum Neuss 2030“ wur­den Gespräche mit Akteuren des Neusser Wohnungsmarktes (Maklern, Finanzierungsinstituten und Wohnungsunternehmen) geführt, rund 17.000 Wohnungs­annoncen erfasst und ein­schlä­gige Statistiken, wie etwa Grundstücksmarktberichte und Mietspiegel, aus­ge­wer­tet. Demnach besteht eine sehr hohe Nachfrage bei Wohnungen bis 64 und ab 95 Quadratmeter Wohnfläche bei einem Preis von maxi­mal 6,30 Euro pro Quadratmeter. Aktuell steht für rund 64 Prozent der ein­kom­mens­schwa­chen Haushalte preis­wer­ter Wohn­raum zur Verfügung. „Von Seiten des Sozialbereichs wäre natür­lich eine Versorgungsquote von 100 Prozent wünschens­wert“, so Hans-​Peter Oebel, Leiter des Amtes für Soziales, Wohnen und Rettungswesen. Jedoch müsse man bei allen Wünschen realis­tische Ziele ver­fol­gen. Daher soll die Quote von 64 Prozent gehal­ten wer­den, laut Hölters ein „ambi­tioniertes Ziel“.

Bis zum Jahr 2030 wird mit 2.230 zusätz­li­chen Haushalten in Neuss gerech­net. Bleibt der Anteil an Haushalten im nied­ri­gen Einkommens­bereich, der zur­zeit bei etwa 25 Prozent der Haus­halte in Neuss liegt, kon­stant, so wird mit rund 580 neuen Nachfragern für preis­günstigen Wohnraum gerech­net. Wird dabei die zu erwar­tende demo­gra­fisch bedingte Zunahme der Altersarmut mit einbe­zogen, erhöht sich die erwar­tete Zahl an zusätz­li­chen Nach­fragern bis 2030 auf rund 1.500. Das Konzept „Bezahl­barer Wohnraum Neuss 2030“ ist ein Instru­ment, um mit die­ser Entwicklung umzugehen.

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