Korschenbroich: Hilfe für Asylbewerber – Bürger tref­fen sich mit der Stadtverwaltung zum Ideenaustausch

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Robert Schilken, Herausgeber



Korschenbroich – Bürgermeister Heinz Josef Dick hatte Bürger, die als Multiplikatoren aus dem sozia­len Bereich mit­ten im öffent­li­chen Leben ste­hen, zum Ideenaustausch in den Ratssaal eingeladen.

Das gemein­same Ziel: Stadtverwaltung und Bürger wol­len den Asylsuchenden und Flüchtlingen hel­fen, die zur­zeit auf­grund der poli­ti­schen Entwicklung ver­stärkt Zuflucht in Deutschland und somit auch in Korschenbroich suchen. Der Bürgermeister und sein Beigeordneter Bernd Dieter Schultze freu­ten sich über die gute Resonanz. 13 erfah­rene Engagierte brach­ten am Mittwoch ihre Anregungen in die Diskussion ein. Unter ihnen waren zum Beispiel Vertreter der Kirchen und kirch­li­chen Organisationen genauso wie Mitglieder des ZWARNetzwerkes, der „Eine-​Welt-​Initiative Korschenbroich“, der Kleiderstube und Vertreter enga­gier­ter Nachbarschaften mit Nähe zu Übergangswohnheimen.

Wir wol­len jetzt in Korschenbroich auf­fri­schen, was wir frü­her unter ande­rem wäh­rend des Jugoslawienkrieges zusam­men auf die Beine gestellt haben. Unsere Stadt hat das Potenzial, wir müs­sen nun nur die alten Kontakte bele­ben und die Neubürger mit­ein­bin­den. Die Verwaltung kann nicht alles allein schaf­fen“, erklärte Dick.

Zwei Aspekte seien zu berück­sich­ti­gen, um direkt und prak­tisch zu hel­fen: die Unterbringung der vom Land zuge­wie­se­nen Menschen und die Integration der Hilfesuchenden in die Nachbarschaft vor Ort. Was heißt das? Michael Beyer, stell­ver­tre­ten­der Leiter des Ordnungsamtes, und Petra Köhnen, stell­ver­tre­tende Leiterin des Sozialamtes, skiz­zier­ten den anwe­sen­den Multiplikatoren kurz die Ausgangssituation und die mög­li­chen wei­te­ren Pläne. Das Ordnungsamt orga­ni­siert die Unterbringung der asyl­be­geh­ren­den Ausländer und aus­län­di­schen Flüchtlinge. „Wir hal­ten auch trotz des Zeitdruckes, den das Land an uns wei­ter­gibt, an der Unterbringung in klei­ne­ren Einheiten mit Wohnungscharakter fest. Anonyme Sammelunterkünfte oder gar Zelte wird es bei uns nicht geben, da ohne Privatsphäre das Konfliktpotenzial steigt“, erläu­terte Beyer. „Zudem blei­ben die Übergangswohnheime über das Stadtgebiet ver­teilt – also dezen­tral. An die­ser Strategie des Stadtrates zur Erleichterung der Integration hal­ten wir in bewähr­ter Form fest“, hatte Bürgermeister Dick bereits betont.

186 Plätze gibt es in Korschenbroich aktu­ell. Sie sind alle belegt. Deswegen set­zen Stadtverwaltung und Stadtrat an zwei Punkten an: In Herrenshoff wird zur­zeit das bestehende Übergangswohnheim erwei­tert und der ältere Teil saniert. In Neersbroich an der Rheydter Straße wird dort, wo bereits ein­mal Asylbewerber und Flüchtlinge wohn­ten, im Frühjahr 2015 wie­der Wohnraum für sie ent­ste­hen. 60 Quadratmeter sind dabei stadt­weit für sechs Personen vor­ge­se­hen. Je nach Größe einer Familie, die nicht getrennt wer­den soll, könn­ten auch vier bis fünf Personen auf 60 Quadratmetern leben. „Unser Ziel ist es, Ende 2015 mit die­sen und ande­ren Maßnahmen 300 Plätze anzu­bie­ten“, sagte Beyer. Bis zur Fertigstellung der neuen Wohnmöglichkeiten müs­sen unter Umständen Notunterkünfte her­ge­rich­tet wer­den. Denn die Zahl der Zuweisungen vom Land NRW ist nicht von der Stadtverwaltung zu beeinflussen.

Zum Vergleich: Rund 700 Personen leb­ten in den 90er Jahren in Korschenbroich. Petra Köhnen, seit 1981 im Sozialamt tätig, hat schon damals die Integration der Ausländer beglei­tet und die Multiplikatoren an einen Tisch geholt. Im Ratssaal traf sie daher bekannte Gesichter wie­der. Aktuell läuft ihr Aufruf über die städ­ti­sche Ehrenamtsbörse enga­gierte Bürger zu fin­den. Eine erste gute Nachricht hatte sie schon für das Plenum: „Zehn Ehrenamtler haben sich direkt als Integrationslotsen ange­bo­ten und erle­di­gen mit den Flüchtlingen zum Beispiel Arztbesuche. Es sind diese Kleinigkeiten, die die Integration erleich­tern und Frust auf bei­den Seiten erst gar nicht ent­ste­hen lassen.“

Die anwe­sen­den Neersbroicher pflich­te­ten ihr bei und wol­len ihre alte Nachbarschaftshilfe wie­der auf­le­ben las­sen. Schon wäh­rend die ers­ten Flüchtlinge im Frühjahr 2015 ein­zie­hen, wol­len sie Kontakt suchen. Die Stadtverwaltung bie­tet zudem in Neersbroich vorab eine Bürgerversammlung an. In der Diskussion am Mittwoch erga­ben sich direkt nächste Punkte, die die Anwesenden anpa­cken möch­ten: Sprachlehrer suchen, sich regel­mä­ßig per­sön­lich tref­fen und der Kleiderstube hel­fen. Denn deren Organisatorin Ursula Johnen hat zwar zur­zeit genug Kleidung für die Hilfesuchenden, benö­tigt aber drin­gend Haushaltswaren wie Töpfe und Schüsseln.

Wer hier­für Spenden möchte oder Zeit als Ehrenamtler anbie­ten möchte, kann sich bei Petra Köhnen im Rathaus Regentenstraße mel­den: Tel. 02161/613–169 oder per E‑Mail an petra.koehnen@korschenbroich.de.

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