Kaarst: Segeln für Inklusion in der Arbeitswelt

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Kaarst – Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung für Inklusion fördern: „Segeln für Arbeit" heißt das ambitionierte Training, dass das Kunstcafe EinBlick im Oktober auf dem Ijsselmeer in den Niederlanden absolviert.

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v. l.: Sigrid Hecker Stadt Kaarst, Simone Nink, Nadine Höttges, Brigitte Albrecht Geschäftsführerin Kunst Cafe

Das Ziel: Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung sowie verhaltensauffällige bzw. benachteiligte Jugendliche können durch die maritimen Anforderungen ihre Basisqualifikationen verbessern und ihre Leistungsfähigkeit steigern und haben hierdurch mehr Aussicht auf Erfolg auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, wie Studien zeigen. Damit hat das Thema auch gesellschaftliche Relevanz.

Den ganzen Oktober über werden zwei Arbeitsgruppen des Kunstcafes mit einer sechsköpfigen Betreuer-Crew sowie dem Kapitän des Plattbodenschiffs Ideaal auf dem Ijssel- oder im niederländischen Wattenmeer auf Tour sein. Dort wird nicht nur gechillt, sondern jeder wird in alle Arbeitsprozesse eingebunden vom Küchenservice, über das Deckschrubben, das Segelhissen und den Landgang mit Einkauf. Jede Gruppe hat zwei Wochen Zeit, Schlüsselqualifikationen an Bord zu verbessern, um zum Abschluss an einer Regatta teilzunehmen bzw. eine Sendung über ihre Erfahrungen für den Bürgerfunk zu produzieren.

Das Projekt ist ein Bildungsprojekt und wird in Zusammenarbeit mit der vhs Kaarst-Korschenbroich, die als Bildungsträger die Maßnahme nach dem Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz (AWbG) anbietet, durchgeführt. Die Teilnehmer mit einer geistigen Beeinträchtigung haben somit Anspruch auf Bildungsurlaub. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu mehr Inklusion auch im Arbeitsleben.


 

Projekt: Segeln für Arbeit

Training von Basisqualifikationen zur Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten bei Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung und verhaltensauffälligen bzw. benachteiligten Jugendlichen

Träger:

Kunstcafe EinBlicke.V.

Arbeits- und Inklusionsprojekt für Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung Alte Heerstr. 16 41564 Kaarst

Das Kunstcafe EinBlick trainiert benachteiligte Jugendliche, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder kaum Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt haben.

Das Kunstcafe hat in diesem Bereich den Deichmann Förderpreis und den Robert Jungk Preis für innovative Projekte gewonnen.

Projektzeitraum:

04.10.-31.10.2014

Zielgruppe:

Sozialbenachteiligte Jugendliche mit einer geistigen, körperlichen oder sozial-emotionalen Beeinträchtigung im Alter von 16 - 24 Jahren.

Bei der Zielgruppe handelt es sich keinesfalls um eine einheitliche Gruppe mit fest umschriebenen Eigenschaften. Ihre kognitive und motorische Leistungsfähigkeit sowie das sozial-emotionale Verhalten sind vielmehr sehr unterschiedlich. Viele junge geistig oder körperlich beeinträchtigte Menschen finden nach der Schulentlassung Trainings- und Beschäftigungsmöglichkeiten in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Allerdings zeigen jüngere Erkenntnisse und Erfahrungen, dass der Weg in die WfbM nicht zwingend sein muss: Ein Teil der beeinträchtigten Menschen kann mit mehr Aussicht auf Erfolg in den allgemeinen Arbeitsmarkt integriert werden als bisher angenommen, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen stimmen. Je nach Schwere der Beeinträchtigung sind z.B. geistig behinderte Menschen in der Lage, durch Handeln in lebensnahen Situationen zu lernen. Bei einer entsprechenden Förderung können sie vergleichbare Arbeitsleistungen wie nicht behinderte Menschen erreichen. Diese Integration bedarf allerdings intensiver Trainings sowohl der Schlüsselqualifikationen als auch der fachlichen Kompetenzen.

Erwerb und Training von Schlüsselqualifikationen:

Schlüsselqualifikationen sind all jene Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnisse und Haltungen, die Menschen in die Lage versetzen, am Leben in der Gemeinschaft teilzunehmen. Sie werden in verschiedenen Kontexten benötigt: zur persönlichen Lebensgestaltung, zur aktiven Mitwirkung in der Gemeinschaft, zur Teilhabe an der Arbeitswelt.

Schlüsselqualifikationen können sich in drei Bereiche gliedern. Dazu gehören die Selbstkompetenzen:

  • Körperbewusstsein
  • Motivation
  • Ausdauer
  • Selbständigkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Sorgfalt
  • Eigenverantwortung
  • Realistische Selbsteinschätzung
  • Initiative
  • Flexibilität
  • Lernbereitschaft

Sozial-Kommunikative Kompetenzen:

  • Kontaktfähigkeit Höflichkeit
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kooperationsbereitschaft
  • Teamfähigkeit
  • Kritikfähigkeit
  • Konfliktbewältigung

Kognitive Kompetenzen:

  • Konzentration Problembewusstsein Kreativität Logisches Denken
  • Urteils- und Entscheidungsfähigkeit Planungsfähigkeit

Die Idee:

Wie die vorangegangenen Segeltouren gezeigt haben, sind Menschen mit einer geistigen, körperlichen oder emotionalen Beeinträchtigung zu außergewöhnlichen Leistungen fähig, wenn sie sich in einer Situation befinden, die hoch motivierenden Charakter hat und sinnhaft ist. Diese Erkenntnis ist in der Erlebnispädagogik verankert, die davon ausgeht, dass das Individuum erst durch Erlebnisse bereit ist, Lerninhalte anzunehmen, zu verinnerlichen und in den Alltag zu integrieren.

Der Segelsport, der schon seit vielen Jahren in der Erlebnispädagogik integriert ist, bietet neben einem hohen Motivationscharakter viele Möglichkeiten zum Erlernen und zur Weiterentwicklung persönlicher Kompetenzen.

Das Projektziel:

Durch das Projekt sollen die Jugendlichen Gruppenfähigkeit, Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein und gelingende Sozialkontakte erlernen bzw. erlangen. Sie übernehmen Aufgaben entsprechend ihrer Möglichkeiten (Selbsteinschätzung) und führen diese bis zum Ende durch. Dazu gehört die Vorbereitung: das Herrichten des Arbeitsplatzes, Zurechtlegen der Arbeitsmaterialien, Zuhören, entsprechend der Arbeitsanweisungen handeln, die Durchführung: Konzentration auf die Aufgabe, Aushalten trotz Widrigkeiten wie Wind, Wellen und Kräfteverbrauch, bei Problemen, das Einholen von Hilfe oder Lösungsmöglichkeiten suchen,

die Nachbereitung: das Wegräumen von Arbeitsmaterialien und ggf das Säubern des Arbeitsplatzes. Weitere wichtige Ziele sind das Akzeptieren und Einhalten von Regeln und Vorschriften, das Einschätzen der eigenen Fähigkeiten unter extremen Bedingungen, das Einfordern von Hilfe und das Zusammenarbeiten im Team.

Die Durchführung:

Die Ideaal ist ein Plattbodenschiff mit unterschiedlich großen Kabinen. Sie bietet für 28 Personen Platz. Der Kapitän ist ein erfahrener Segler und gleichzeitig auch Eigentümer des Schiffes.

Ausgangshafen ist Harlingen, Niederlande. Je nach Wunsch der Teilnehmer wird entweder im Ijsselmeer oder im Waddenmeer gesegelt. Das Ziel der Tour ist die Teilnahme an der Regatta für Plattbodenschiffe von Harlingen nach Terschelling. Die Segeltour endet wieder in Harlingen.

Die o.a. Ziele sollen durch die erlebnispädagogischen Aktivitäten des Segeins und die gemeinsame Planung und Durchführung beispielsweise der Tages- und Wochenendaktivitäten erreicht werden, wobei die Jugendlichen aktiv auch in die Vorbereitung einschließlich Einkäufen etc. eingebunden werden sollen.

Selbstverständlich richten sich die Inhalte nach den Bedürfnissen der Teilnehmer aus. Aus diesem Grunde soll der Projektverlauf jeweils flexibel den Erfordernissen angepasst werden.

Da der Kapitän gewohnt ist, mit unterschiedlichen Gruppen zu segeln, erläutert er in der Vorbesprechung die Regeln an Bord und die Sicherheitsvorschriften, bespricht die Segelroute und klärt über die Windverhältnisse auf. Außerdem erklärt er die Routinearbeiten an Bord, die von allen geübt und durchgeführt werden sollten. Die Jugendlichen werden darauf aufmerksam gemacht, dass bei jeder Tätigkeit aus Sicherheitsgründen die richtige

Arbeitskleidung angezogen werden muss, um jederzeit einen sicheren Stand zu haben und zupacken zu können. Jeden Tag wird besprochen, welche Tätigkeiten von welcher Gruppe übernommen werden, z.B. Küchenarbeit, allgemeine Arbeiten an Deck und Aufgaben bei Manövern. Dabei muss klar sein, dass auch bei Wind und Kälte die Aufgaben erledigt müssen.

Da das Ende der l.Tour die Teilnahme an einer Regatta ist, trainieren die Jugendlichen hier das Zusammen- und Zuarbeiten im Team. Auch bei der Küchenarbeit ist Teamarbeit erforderlich, um ein genießbares Essen für eine große Gruppe zu kochen. Das Leben an Bord spielt sich auf engstem Raum ab, daher ist Rücksichtnahme, Konfliktbereitschaft und das Zurückstellen eigener Bedürfnisse erforderlich. Allerdings haben die Jugendlichen auch genügend Zeit, um sich zurückzuziehen, zu lesen, zu malen und zu spielen. Die Freizeitgestaltung ist der Ausgleich zur Arbeit und findet genügend Raum, da an jedem Abend ein Hafen angelaufen und das Freizeitprogramm besprochen wird.

Während die 1. Gruppe auf das Ziel der Teilnahme an der Regatta Brandaris Race 2014 hinarbeitet, wird die 2. Gruppe in Medienworkshops fit gemacht. Es steht an eine Foto- und Film-, sowie eine Radiowerkstatt. Hier ist das Ziel, eine eigene Radiosendung im lokalen Bürgerfunk mit O-Tönen und Berichten zu gestalten.

Die Betreuer:

1 Leiterin mit einer sonderpädagogischen Ausbildung und langjähriger Erfahrung im Bereich beruflicher Ausbildung und der Medienpädagogik

  • Mitarbeiterin mit Kenntnissen im Umgang mit beeinträchtigten Jugendlichen, Öffentlichkeitsarbeit und Fotografie
  • 2 Heilerziehungspfleger
  • 2 Ergotherapeuten

Weiteres Personal:

  • Kapitän des Segelschiffes Ideaal
  • 1 Maat
  • 1 Koch/Köchin

Bildungsträger

VHS-Kaarst-Korschenbroich, Schulzentrum, 41564 Kaarst

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