Neuss: Bürgerversammlung – Rettung Jröne Meerke

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – Gegen 19:00 Uhr füllte sich der Versammlungsaal bis zum letz­ten Platz. Etwa 90 Zuhörer und Interessierte erwar­tete wei­tere Informationen und Wege um die Freizeitanlage Jröne Meerke zu ret­ten. Diese wur­den enttäuscht.

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Gastgeber Michael Ziege bei der Einleitung, im Hintergrund Jörg Böckendorf und Frau Müller (Interessengemeinschaft), Moderator Herr Baten und Frau Vogt-​Sädler. Nicht sicht­bar Herr Westermann und Herr Mooij

Viel gere­det wurde am gest­ri­gen Abend, mit dem Tenor sei­tens der Verwaltung: „Die Gänse sind schuld”. Dagmar Vogt-​Sädler (Umweltamt Neuss) und Rudolf Westermann (Neusser Grünflächenamt) spra­chen zu Beginn der Veranstaltung über ihre Einschätzung der Situation der Freizeitanlage.

Seit 10 Jahren ist der Verwaltung das Problem mit den Gänsen bekannt, wie die Anwesenden ges­tern zu hören beka­men. Seit drei Jahren sind es die Algen. Letztere wur­den immer wie­der „abge­fischt”, in 2013 von der Neusser Feuerwehr „ver­senkt” (bereg­net). In die­sem Jahr (2013) befan­den sich „Blaualgen” (Cyanobakterien) im See. Diese kön­nen, wenn Sie in den mensch­li­chen Organismus gelan­gen, zu töd­li­chen Vergiftungen führen.

Aussage der Verwaltung dazu: „.. wir haben die Wasseroberfläche bereg­net um diese Algen absin­ken zu las­sen .. nach zwei Tagen waren dann die Blaualgen weg. Das war ein Erfolg.” Befinden sich gif­tige Bakterien nun auf dem Grund des Sees?

2014-08-13_Ne_buergerversammlung_003Weiter wurde fest­ge­stellt, dass der Nährstoffgehalt im See zu hoch ist. Ursächlich, neben dem Grundwasser, soll hier­für der Gänsekot sein. Dieser wird, weil nur wenig Gras an Seeufer wächst, bei jedem Regen in den See gespült.

Dr. Johan Mooij, von der Biologischen Station Kreis Wesel, machte den Zuhörern Mut, „.. ein Großteil der Gänse ist weg ..”. Diese haben sich in Europa ver­teilt und kamen nicht zum Jröne Meerke zurück um zu „mau­sern”. Die ange­lau­fe­nen Aktionen, wie Eierentnahme und Reisig ver­tei­len, um das Brüten zu ver­hin­dern, müs­sen nur kon­ti­nu­ier­lich fort­ge­setzt wer­den, dann baut sich die Population ab.

Von der Verwaltung, wie auch vom Experten, wurde fest­ge­stellt, dass die am Jröne Meerke leben­den Gänsearten hier nicht behei­ma­tet sind. Als Neozoene wer­den Tierarten bezeich­net, die absicht­lich oder unab­sicht­lich durch den Menschen in andere Gebiete ver­bracht wor­den sind. Dazu gehö­ren hier die Schnee- und Kanadagänse.

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Herr Böckendorf, Frau Müller, Herr Baten, Frau Vogt-​Sädler, Herr Westermann und Herr Mooij

Beide Arten kön­nen als „Schädlinge” bezeich­net wer­den und hin­ter­las­sen erheb­li­che öko­lo­gi­sche Schäden, so Frau Vogt-​Sädler. Dr. Mooij wurde da deut­li­cher: „Die Vögel müs­sen weg”. Was bis­her unbe­kannt war, so Dr. Mooij, die Tier lei­den Hunger. Es gibt nicht genug natür­lich vor­kom­mende Nahrungsquellen. Das füt­tern, wenn auch „mensch­lich” nach­voll­zieh­bar, ver­stärkt die Problematik nur. Diese Tierarten gehö­ren hier nicht hin. Nur durch kon­se­quen­tes Handeln, ohne füt­tern, kön­nen die Vögel ver­an­lasst wer­den die Region zu verlassen.

Ausgiebig wurde über den Einfluss der Gänse debat­tiert, nicht über Möglichkeiten das Gebiet, beson­ders den See, zu sanie­ren. Obwohl dies ein aus­ge­wie­se­nes Ziel, ein­gangs von den Vertretern der Interessengemeinschaft extra erwähnt, die­ser Veranstaltung war.

2014-08-13_Ne_buergerversammlung_008Zu die­ses Symptomatik passte auch eine Ausführung von Frau Vogt-​Sädler: „.. soll­ten wir dann, auf­grund der Fakten die wir sam­meln wer­den .. Gespräche füh­ren und dann zu sehen, zu wel­chen Ergebnissen wir kommen.”

Was wurde in den letz­ten 10 Jahren unter­nom­men, wenn heute erst Fakten gesam­melt und Gespräche geführt wer­den müs­sen? Die Tatsache ist deut­lich erkenn­bar: Das Jröne Meerke siecht vor sich hin, weil die Verwaltung offen­sicht­lich noch Fakten sam­meln muss? Dann ist mög­li­cher­weise die fal­sche Person an der fal­schen Position, denn wenn die Problematik seit 10 Jahren bekannt ist und es noch immer keine Lösung gibt kann dies nur eines bedeu­ten: Schaden zu Lasten der Bevölkerung und Natur.

2014-08-13_Ne_buergerversammlung_002Es besteht eine Gesundheitsgefährdung am Jröne Meerke, wie eine anwe­sende Ärztin aus­führte. Durch Gänsekot und das Wasser. Kinder soll­ten sich dort bes­ser nicht auf­hal­ten. Doch genau dies ist eine ange­dachte Zielgruppe, Familien mit Kindern. Daher sind die Versäumnisse der Verwaltung und Politik noch erheb­lich dramatischer.

Lediglich zwei Stimmen gin­gen auf die ursprüng­li­che Intention die­ser Veranstaltung ein, Robin Steinkläubl und der Gastgeber Michael Ziege. Herr Steinkläubl fragte nach dem Zustand der Wassers und ob es Zahlen und Angaben über die Inhaltsstoffe gäbe. Herr Ziege wies auf die bis­her genann­ten (aber nicht auf die­ser Veranstaltung) Lösungsansätze hin, wie sich die Wasserqualität ver­bes­sern las­sen würde. Aber zu die­ser Thematik, weil für die Verwaltung und Politik unbe­quem, gab es keine Gesprächsansätze.

Ein wei­te­rer guter Ansatz kam vom ansäs­si­gen Angelverein. Hier wurde ein Gutachten zur Wasserqualität in Auftrag gege­ben. Herr Bayer führte aus, dass der See ab 4 Metern Tiefe „tot” (Sauerstofffrei) ist.

An die­sem Punkt gibt es kos­ten­güns­tige und rea­li­sier­bare Möglichkeiten dem See zu hel­fen sich zu rege­ne­rie­ren. Eine ein­fa­che und unkom­pli­zierte Ausgabenstellung: Das Wasser struk­tu­riert mit Sauerstoff anrei­chern, den Schlamm auf dem Grund abbauen und Nährstoffverbraucher ansiedeln.

Anreicherung mit Sauerstoff ließe sich über ein System namens TIBEAN rea­li­sie­ren. Strukturierte Einleitung von Sauerstoff unter Berücksichtigung der Temperatur- und Wasserschichtzonen. Über 30 erfolg­rei­che Einsätze spre­chen für sich. Mehr dazu hier. In Folge könnte im sauer­stoff­hal­ti­gen Wasser Mikroorganismen die Grundverschlammung ggf. abbauen. Gelingt dies nicht mit „See eige­nen Mitteln”, bie­tet sich eine „bio­lo­gi­sche Entschlammung” mit zusätz­li­cher Einbringung an. Hierzu gab es erfolg­rei­che Versuche.

Zusätzlich die Anpflanzung von Nährstoffverbrauchern im Uferbereich und ggf. als „schwim­mende Inseln”.

Davon war auf der gest­ri­gen Veranstaltung lei­der nichts zu hören. Daher war sel­bige, neben den weni­gen, inter­es­san­ten Ausführungen und Informationen, im Prinzip sinn­los. Es gab keine kon­kre­ten Vorschläge oder Handlungsansätze. Dies war wohl nicht im Sinne der Veranstalter, auch wenn diese sich über die hohe Besucherzahl, auch aus der Politik, freuten.

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2 Kommentare

  1. Als anwe­sen­der Bürger war ich erschro­cken über die Statements der Verwaltung am Anfang sowie die eini­ger Politiker am Ende der Veranstaltung. 

    Die Verwaltungdame (Vogt-​Sädler) meinte, „dann müs­sen wir im Herbst oder Winter mit den ent­spre­chen­den Behörden und Verwaltungen spre­chen.” Eine sol­che Ausage impli­ziert doch schon, dass die Dame unwil­lig oder unfä­hig ist, sich mit der Thematik näher zu aus­ein­an­der­zu­set­zen. Wenn man die Worte der Dame als Basis nimmt, wer­den erneut Orientierungs- und Sondierungsgespräche zu Beginn 2015 geführt, erneute Gesprächsaufnahme im Frühjahr 2015 und über­ra­schend, wie in der Verwaltung so häu­fig, ist das Jahr dann auch schon rum und außer lee­rer Worte und Absichtsbekundungen ist nicht pas­siert. Ich habe dabei Hochachtung vor den Initiatoren der Bürgerbewegung, dass sie sich mit sol­chen unbe­weg­li­chen Verwaltungs-​Betonköpfen auseinandersetzen.

    Bei eini­gen Politikern hatte ich das Gefühl, dass denen um 18:00 Uhr mit­ge­teilt wurde, dass sie noch zur Versammlung müs­sen. So unvor­be­rei­tet und all­ge­mein­gül­tig waren die Statements.

    Fazit: Man kann nur hof­fen und wün­schen, dass die Bürgerinitiative nicht die Lust ver­liert und trotz aller Widerstände – und die haben sich ges­tern stark posi­tio­niert – zumin­dest step by step weiterkommen.

  2. Dies hört sich doch nach „um das Problem her­um­schwän­zeln” an. Anscheinend sind die Verantwortlichen nicht bereit über­haupt etwas an der Sachlage zu ändern und wenn, dann nur halb­her­zig. Was hin­dert die Stadtführung daran?

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