Neuss: Seerestaurierung und Aufwertung Jröne Meerke

Neuss – Der See entstand als Baggersee für die Gewinnung von Sand und Kies als Baustoff. Nach Beendigung des Abbaus wurde das Baggerloch mit seinen Uferbereichen und der Umgebung in den 1970er-Jahren naturnah gestaltet und in eine öffentliche Grünanlage umgewandelt.

Foto aus 2012
Foto aus 2012

Heute bildet das Jröne Meerke mit den umliegenden Parkanlagen im Verbund mit angrenzenden Naturgebieten ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Stadt Neuss. Die Erholungsanlage, im Neusser Norden einzigartig, ist beliebt bei Joggern, Spaziergängern, als Ruheplatz und für andere Freizeitaktivitäten. Es gibt einen kleinen Strand am See, eine Liegewiese, einen Spielplatz, einen Grillplatz und andere Einrichtungen. So zu lesen bei Wikipedia.

Seit den 1970er Jahren wurde nur wenig zum Erhalt dieses „künstlichen“ Gewässers unternommen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich eine hohe Gänsepopulation heimisch fühlt. Ohne natürliche Feinde und teilweise unter Naturschutz stehen ein sicherer Aufenthaltsort für die Vögel.

Foto aus 2013
Foto aus 2013

In einem „Zwischenbericht“ der Verwaltung heißt es am 25.09.2012: „Das Jröne Meerke ist eine der wichtigsten Naherholungsanlagen im Stadtgebiet Neuss. Mit ausgedehnten Wanderwegen und Wiesen, vielen Rastplätzen, Spielangeboten sowie Grillmöglichkeiten ist es für alle Altersgruppen attraktiv.

Auf das „Algenproblem“ wurden die Mitglieder des Ausschuss für Umwelt und Grünflächen, nach Aktenlage, erstmals Aufmerksam im Juni/ Juli 2012. Hierzu wurde folgendes vermerkt: „Bei länger anhaltendem warmen Wetter beginnt der See schon ab dem Frühjahr immer stärker zu veralgen. Zu einer „Algenexplosion“ wie in diesem Sommer kann es aber nur durch nährstoffreiches Wasser kommen. Zum Wachstum brauchen die Algen die Nährstoffe auf und sterben wegen dann fehlender Nährstoffe ab und sinken auf den Seegrund, wo sie eine Schlammschicht bilden.

Foto aus 2014
Foto aus 2014

Demnach ist die dramatische Entwicklung am Jröne Meerke bereits spätestens im Jahr 2012 bekannt. Man begnügte sich mit kosmetischen Aktionen, deren Ausmaß die Verantwortlichen jedoch hätten alarmieren müssen: „..wurden ab dem 6. Juli 2012 die Algen aufwendig abgefischt. In drei Tagen kamen 20 volle LKWs zusammen.

Bei den Begehungen seitens der Stadtverwaltung wurden im Januar 2013 eine Sichtung der Gänseanzahl vorgenommen. Mit dem Ergebnis, dass sich 9 Blassgänse und ca. 22 Schneegänse am See befanden. Eine Begehung in den Sommermonaten wäre hier angebrachter gewesen.

Es folgten weitere Aktionen, wie das einsammeln von Eiern, ausbringen von Reisig und die Brutplätze unattraktiv zu gestalten, Zäune wurden aufgestellt um den Spielplatzbereich zu schützen und alles nur mit mäßigem Erfolg. Ein Fütterungsverbot wurde ausgesprochen, welches falsch verstandene Tierliebe regelmäßig ignoriert.

Der See stirbt und dies kann nur mit sofortigen Aktionen , die mittel- und langfristig wirken, gestoppt werden. Hier gab es bereits gute Ansätze. Das einsammeln von Eiern und Reisig auf der Insel können den Bestand der Gänse reduzieren.

Der Uferbereich muss entsprechend ökologisch und mit natürlich in diesen Breiten vorkommenden Wasserpflanzen gestaltet werden. Als Nährstoffverbraucher tragen diese Bepflanzungen zur Qualitätsverbesserung des Wassers bei. Dies könnte in Teilen auch den ungehinderten Zugang der Gänse zum See behindern. Eine weitere Idee sind schwimmende Anpflanzungen auf dem See.

Die Wasserqualität wird durch einen zu hohen Nährstoffanteil beeinträchtigt. Ein sich negativ auswirkenden und möglicherweise bis zu 70cm starke Schlammschicht auf dem Grund verstärkt diesen Effekt noch.

In diesem Bereich heben sich zwei Lösungsansätze hervor:

Die Seentherapie: Zum ersten die Reduzierung der Schlammschicht über das Einbringen von Mikroorganismen. Diese können mittelfristig eine biologische Entschlammung des Sees übernehmen. Entsprechend erfolgreiche Anwendungen sind bereit vorhanden. Bei einen Anbieter liegen die Kosten bei ca. 6,50 Euro/ m2. Es müsste geprüft werden, ob dieses Prinzip hier anwendbar ist.

Weiter eine verbesserte Oberflächenbelüftung: Freihaltung von Frischluftschneisen oder Auslichtung geschlossener Ufervegetation, um den Sauerstoffeintrag zu verbessern (gleichzeitig reduzierter Laubeintrag).

Weitere Informationen finden Sie hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Seentherapie

Die Alternative den See „auszubaggern“ um das Sediment zu entfernen ist deutlich Kosten- und Platzintensiver. Es muss eine Fläche zum Abtrocknen bereitgestellt werden, was möglicherweise auch zu einer Geruchsbelästigung führen könnte. Kosten ca. 30,- bis 150,- Euro/ m2.

Der Sauerstoffgehalt im See ist zu niedrig. Die Lösung ist eine Anreicherung mit Sauerstoff, unter Berücksichtigung der natürlichen Struktur des Gewässers. Verschiedene Temperaturschichten müssen entsprechend berücksichtigt werden.

Hier bietet sich das TIBEAN System an (Tiefenwasserbelüftung)

Atmosphärische Luft wird mittels hocheffizienter Wasserstrahl- Luft- Ejektoren angesaugt und feinblasig ins Steigrohr injiziert. Dort bewegt sich das Gemisch aus Luftblasen und Wasser nach oben und zieht Tiefenwasser über die Ansaugvorrichtung nach. Somit erfolgt die Tiefenwasserableitung zielgerichtet aus der grundnahen Wasserlammelle.

Am Ende des Steigrohres strömt das Gemisch in den Entgasungskopf. Dort wird das sauerstoffangereicherte Wasser vom Restgas getrennt. Das Restgas entweicht in die Atmosphäre. Das sauerstoffangereicherte Wasser strömt durch das Fallrohr abwärts und über die Einströmvorrichtung laminar in horizontaler Richtung in das Hypolimnion. Dank der Strömungs- und Stofftransportberechnungen die im Rahmen der Auslegung durchgeführt werden, kann die optimale Konfiguration ermittelt werden. (Wikipedia)

Weitere Informationen finden Sie hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Tiefenwasserbelüftung

Folgende Links werden morgen freigeschaltet (nach der heutigen Bürgerversammlung)

InfoflyerTibean-Funktionsweise | Erstanalyse Jröne Meerke


Der Ausschuss für Umwelt und Grünflächen hat in einer Sitzung am 18.09.2013 über Möglichkeiten von Sanierungsmaßnahmen debattiert. In Folge wurde ein Budget, für die Seerestaurierung, in Höhe von 218.000 Euro genannt. Aufgeteilt in 48.000 Euro für die Sauerstoffanreicherung des Wassers, 120.000 Euro um das Sediment zu reduzieren und 50.000 Euro um das Algenwachstum zu unterbinden.

Klartext-NE liegen exklusiv Zahlen und Unterlage bezüglich der Sauerstoffanreicherung über ein TIBEAN vor. Nach ersten Voruntersuchungen des Herstellers ist eine Tiefenwasserbelüftung am Jröne Meerke möglich. Bis auf wenige Faktoren konnte aufgrund von vorab übermittelten Daten, durch den Herausgeber von Klartext-NE Robert Schilken, eine Kostenübersicht erstellt werden.

Wie zu lesen war, wurde die TIBEAN schon in vielen Gewässern eingesetzt und das sehr erfolgreich. Die Anlagekosten einschließlich Lieferung und Einbau betragen ca. 35.000 Euro. Hinzu kommen noch Planungskosten in Höhe von ca. 4.500 Euro. Die jährlichen Anlagenbetriebskosten betragen ca. 600 € für Stromkosten und 1800 € für die Anlagen Grundwartung.

Das sind fast 10.000 Euro weniger, als von der Verwaltung ursprünglich geplant. Weiter beeinflusst mehr Sauerstoff auch den Abbau von Nährstoffen durch Organismen im See.

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