Neuss: Seerestaurierung? – Bürgeraktion Jröne Meerke!

Neuss – Nach dem ersten Treffen der Neusser Bürger am Jröne Meerke sollen den Worten Taten folgen. Ein gemeinsames Treffen mit Fachleuten ist für Dienstag, den 12.08.2014 um 19:00 Uhr, im Papst Johannes Haus, Gladbacher Straße 3 geplant.

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Reinigungsarbeiten am vergangenen Mittwoch.

Bei dieser Diskussions- und Planungsveranstaltung sollen detailliere Ziele formuliert und zu Papier gebracht werden. Wie lässt sich der einzige Naherholungsbereich im Neusser Norden wieder einladend gestalten? Welche konkreten Schritte müssen unternommen werden, um den Gewässerzustand zu verbessern?

Erste Ansätze wurden bereits am letzten Sonntag vorgeschlagen. Eine ökologisch sinnvolle Uferbepflanzug, welche im Wasser den Nährstoffgehalt positiv beeinflusst. Ähnliches als "schwimmende Pflanzeninseln", frei beweglich auf dem See. Als zusätzlicher, positiver Nebeneffekt könnte dies die Gänse "stören" und selbige zum Verlassen des Sees veranlassen. Wenn es denn von den Vögeln als störend empfunden wird. Hier könnte Experten sich äußern.

2014-08-06_Ne_jroene-meerke_001Das umgebende Gelände bedarf dringend einer Aufwertung. Spielplatz, Grillflächen, Unterstände, Rundwege, alles ist mehr als in die Jahre gekommen, wurde durch Vandalismus beschädigt oder ist stark verschmutzt.

Seerestaurierung Jröne Meerke

Gewässer können nach ihrem Trophiegrad eingeteilt werden. Der Trophiegrad ist ein Maß für die Produktion von Biomasse, v.a. in Form von Algen (ein Teil dieser Algen sind Blaualgen). Je höher der Nährstoffgehalt eines Gewässers, desto mehr Biomasse wird produziert. Unter Eutrophierung versteht man die Zunahme des Trophiegrades eines Gewässers. Ursache der Eutrophierung sind Nährstoffeinträge, insbesondere die Phosphorfracht in ein Gewässer. Eutrophierung ist prinzipiell ein natürlicher Prozess, der bei jedem See in sehr langen Zeiträumen abläuft, durch den Eintrag von Sedimenten. Durch menschliches Zutun wird der Prozess jedoch in übernatürlichem Masse verstärkt und beschleunigt. Nährstoffe gelangen über Abwasser, phosphathaltige Waschmittel, landwirtschaftliche Düngemittel, die ins Grundwasser gelangen, Niederschlag sowie über Ausscheidungen von in und auf dem See lebenden Tieren, wie z.B. Wasservögel, ins Gewässer.

Folgen der Eutrophierung sind übermäßiges Wachstum von Algen („Algenblüte"). Die absterbenden Organismen aus den oberflächennahen Wasserschichten sinken in tiefere Bereiche ab, wo sie durch sauerstoffatmende Organismen (z.B. Pilze, Bakterien), die sich stark vermehren, abgebaut werden. Dadurch kommt es insbesondere in unteren Wasserschichten zu starker Sauerstoffabnahme bis zu sauerstofffreien Verhältnissen. Die sauerstofffreien Verhältnisse führen wiederum zu einem Milieu, durch das reduzierende chemische und mikrobielle Prozesse hervorgerufen werden. Unter reduzierenden Bedingungen kommt es zur Bildung von Methan, übel riechendem Schwefelwasserstoff und Ammonium, die in höheren Konzentrationen auch toxisch wirken. Der Grund des Gewässers verschlammt (Absterben von Mikroorganismen). In extremen Fällen wird der gesamte Wasserkörper eines Sees sauerstofffrei, was den Tod zahlreicher Lebewesen zur Folge hat und umgangssprachlich als "Umkippen eines Gewässers" bezeichnet wird.

Maßnahmen, die im See selbst den Nährstoffgehalt vermindern sollen, sind Verfahren, die im Wasserkörper, am Sediment oder in der tierischen und pflanzlichen Lebensgemeinschaft, der Biozönose, ansetzen und werden unter dem Begriff der Seenrestaurierung zusammengefasst. Quelle: Projektseminar - „Umweltplanung und Bürgerbeteiligungsprojekte in Freiburg zum Thema Gewässer"

Im See wird eine Entschlammung wahrscheinlich unumgänglich sein, da ca. 70 cm starke Ablagerungen vermutet werden. Für diesen Bereich bieten sich unterschiedliche Vorgehensweisen, mit jeweiligen Vor- und Nachteilen, an. 

Entschlammung, mit Sedimententnahme

Die Sedimentschicht wird mechanisch entfernt. Die erfolgt z. B. über "ausbaggern" oder "absaugen". Ein sehr aufwendiger Vorgang, bei dem Lagerflächen zum abtrocknen des Schlamms vorhanden sein müssen. Das Wasser wird dabei durchpflügt und verwirbelt.

Biotechnische Entschlammung

Ausgewählte Mikroorganismen wurden direkt in das Schlammsediment injiziert. Die Mikroorganismen bilden nach vorheriger Aktivierung notwendige Enzyme zur Spaltung schwer löslicher und verwertbarer Biopolymere und beschleunigen bzw. ermöglichen dadurch den biologischen Abbau der organischen Anteile im Schlammsediment.

Welches verfahren anwendbar ist, müssen Spezialisten klären.

Im nächsten Schritt wird der Sauerstoffgehalt des Sees verbessert. Hier biete sich eine TIBEAN (Tiefenwasserbelüftungsanlage) an.

Mit der Tiefenwasserbelüftung oder hypolimnischen Belüftung wird der Sauerstoffbedarf im Tiefenwasser durch die Luftzufuhr aus der Atmosphäre gedeckt, ohne dabei die natürliche Stratifikation (Temperaturschichtung) des Sees zu zerstören. Das Tiefenwasser bleibt aerob, die Rücklösung von Phosphaten wird deutlich verringert und die Mineralisation der Sedimente verbessert. Langjährige wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass es möglich ist, das Tiefenwasser durch die technischen Belüftungsmaßnahmen ganzjährig aerob zu halten und dadurch das Gleichgewicht der Seen möglichst effektiv wiederherzustellen. (Wikipedia)

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