Neuss: Tierschutz und Geschäftsinteresse – Eine spe­zi­elle Geschichte – Nachtrag

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Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – Das der Schutz von Tieren nicht immer mit dem berech­tig­ten Interesse von Unternehmen ein­her geht ist hin­läng­lich bekannt. Neustes Beispiel: Spatzen als „Schädlinge” am Einkaufscenter.

2014-07-03_Ne_spatzen_batavastr_001Über eine Klartext Leserin wurde die Redaktion auf einen Vorfall im Neusser Norden, nahe Meerbusch, auf­merk­sam. Hier nut­zen Spatzen das Gebäude des REAL Marktes an der Batavastraße als Nistplätze. Für den Betreiber ein Problem, da die Tiere Kot abson­dern und am Gebäude Schäden ver­ur­sa­chen. Daher wur­den Maßnahmen getrof­fen, um Abhilfe zu schaffen.

Aus der Sicht des Unternehmens ein nach­voll­zieh­ba­rer Wunsch. Für diese Art von Vögeln gibt es aus­rei­chende Nistmöglichkeiten. So wur­den über die Jahre ver­schie­dene Variationen getes­tet um den Spatzen nicht zu scha­den, jedoch sel­bige vom Objekt fern­zu­hal­ten. Bürsten und Klemmnetze erwie­sen sich als nicht lang­le­big genug, so Geschäftsleiter Fabian Munera im Gespräch mit Robert Schilken, Herausgeber von Klartext​-NE​.de.

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Wurde hier ein Nest eingesperrt?

Wir hat­ten die Vögel schon im Markt und muss­ten diese mit Netzen fan­gen” äußerte sich Herr Munera. Also ent­schied man sich für Gittermatten, die an Dach und Außenwand befes­tigt wur­den. Die Vögel kön­nen so nicht mehr unter die Dachabdeckung ein­flie­gen. Eine wirk­same Möglichkeit zum Objektschutz.

Leider wurde der Zeitpunkt für diese Maßnahme mehr als unglück­lich gewählt, in der Brutzeit der Tiere. So hat ein beauf­trag­ten Handwerker, der die Gittermatten im Dachbereich anbrachte, einen Jungvogel der­art ver­ängs­tigt, dass er auch dem Nest fiel. Glücklicherweise wurde er von einer in die­sem Bereich täti­gen Angestellten ent­deckt und auf­ge­nom­men. „Der Piepmatz „Rocky” wurde auch grade vom Tierschutz Meerbusch abge­holt.” so die Tierfreundin.

2014-07-03_Ne_spatzen_batavastr_015Die Arbeiten wur­den nach bekannt wer­den die­ses Vorfalls umge­hend ein­ge­stellt. Zwar waren einige die­ser Gittermatten nach unten noch geöff­net, was ein Einfliegen in das Nest ermög­lichte. Es lässt sich jedoch nicht aus­schlie­ßen, dass sich in dem bereits „ver­schlos­se­nen” Bereichen besetzte Nester befin­den. Hierzu Herr Munera: „Wir haben die Arbeiten ein­stel­len las­sen und wer­den hier ent­spre­chend prü­fen, wie der es sich dies­be­züg­lich ver­hält. Allerdings flie­gen die Vögel auch immer wie­der die Stellen an, die sie in den letz­ten Jahren noch unein­ge­schränkt nut­zen konn­ten. Dies bedeu­tet nicht zwin­gend, dass es an die­ser Stelle auch ein Nest gibt.”

Die Redaktion konnte ein Foto auf­neh­men, wo mög­li­cher­weise Nistmaterial und somit ein Nest im bereits ver­schlos­se­nen Bereich vor­han­den ist. Sollte dem so sein, wäre das Tierquälerei.

Als Tierquälerei wird dabei die in § 17 Tierschutzgesetz (TierSchG) beschrie­bene Straftat bezeich­net. Danach wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer ein Wirbeltier ohne ver­nünf­ti­gen Grund tötet oder einem Wirbeltier ent­we­der aus Rohheit erheb­li­che Schmerzen oder Leiden oder län­ger anhal­tende oder sich wie­der­ho­lende erheb­li­che Schmerzen oder Leiden zufügt.

Nachtrag 04.07.2014

Die ange­brach­ten Gittermatten wur­den ent­fernt, bzw. so umge­bo­gen, dass die Vögel wie­der nahezu unge­hin­dert ein­flie­gen kön­nen. Der lokale Marktleiter, Fabian Munera, hat erfreu­lich schnell auf die ver­än­derte Situation reagiert. Nachdem die Vermutung auf besetzte Nester sich erhär­tete, wurde umge­hend ent­spre­chend gehandelt.

Die Redaktion von Klartext-​Ne führte Vorort auch ein Gespräch mit Uta Snyders-​Richard, vom Meerbuscher Tierschutzverein. Die am REAL ansäs­si­gen Tiere befin­den sich bereits auf der Vorwarnliste für gefähr­dete Arten.

Ideal wäre es, wenn der Betreiber die Population als Herausstellungsmerkmal nut­zen würde. Viele Kunden erfreuen sich, nach eige­nen Aussagen, an den „lus­ti­gen Tierchen”.

(38 Ansichten gesamt, 1 Leser heute)

3 Kommentare

  1. Ja, sicher TheO!
    Aber in der Stadt wo Gerüche und sons­tige unde­fi­nier­ba­ren Stoffe in der Luft sind und Lebensmittel offen ver­kauft wer­den ist das in Ordnung oder was?
    Statt nega­tive Kommentare abzu­ge­ben sollte man lie­ber für Nistmöglichkeiten sorgen.
    Ich bin von der Stadt auf´s Land gezo­gen und ich bin froh, ja fast stolz, dass in mei­nem Garten Vögel nis­ten und sich wohlfühlen!
    Danke an die Leserin die das bei Real fest­ge­stellt hat!

  2. Im Bundesnaturschutzgesetz gibt es Paragraphen (39 + 44), die es ver­bie­ten, die Lebensstätten oder Brutplätze wild­le­ben­der Tiere zu beschä­di­gen, zu ent­fer­nen oder zu zer­stö­ren usw..
    Mich empört beson­ders, das skru­pel­lose Verhalten der „Schädlingsbekämpfer”, die ein­fach in der Brutsaison gna­den­los die Brutplätzen ver­schlos­sen haben. Der Firma Real würde es bes­ser zu Gesicht ste­hen, sich für alter­na­tive Brutmöglichkeiten ein­zu­set­zen und am Haus an ande­rer Stelle zu instal­lie­ren. Wenn die Vögel diese dann anneh­men, kön­nen die alten Unterschlupfe an den emp­find­li­chen Stellen des Gebäudes (Eingänge usw.) nach und nach zuge­macht wer­den. Übrigens sind die Brutplätze bei den Haussperlingen das ganze Jahr in Benutzung, weil diese von den Vögeln bei schlech­ter Witterung und im Winter zum Schutz auf­ge­sucht wer­den. Es stimmt auch nicht, dass genü­gend Nistplätze anderswo exis­tie­ren, sonst wären die Vögel nicht schon so sel­ten gewor­den. Der BUND Neuss setzt sich schon län­ger z. B. bei Wohnungsbauunternehmen und Privaten dafür ein, dass bei Sanierungen oder Neubauten an ein­ge­mau­erte Nistmöglichkeiten für Mauersegler, Schwalben oder eben Spatzen gedacht wird. Wir sind durch Vermittlung des Tierschutzvereins Meerbusch bei Real vor­stel­lig gewor­den, um eine alter­na­tive Lösung zu fin­den. Vielleicht erkennt die Firma ja auch den Werbeeffekt als spat­zen­freund­li­ches Unternehmen. Ihre Kunden wer­den es Ihnen danken.

  3. Militanter Tierschutz, aus mei­ner Sicht geht dabei ganz klar der Mensch vor. Colibakterien und andere Krankheitserreger die durch Vögel über­tra­gen wer­den haben in oder an einem Betrieb, der Lebensmittel ver­treibt nichts zu suchen.......

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