Neuss: Feuerwehr-​Käfer von 1972 restauriert

Ihre Unterstützung zählt!

Geschätzter Leser, Sie finden die Veröffentlichungen hier interessant und nützlich? Das ist erfreulich!

Wenn nur 10% der Leser regelmäßig 20 Cent pro Tag zahlen, können davon die laufenden Betriebskosten gedeckt, die Berichterstattung ausgeweitet sowie ggf. zusätzliche Redakteure beschäftigt werden.

Sie können Ihre Zuwendung über z. B. "PayPal" oder per Banküberweisung tätigen. Gerne nenne ich Ihnen die Bankverbindung. Bitte fragen Sie nach. Weitere Informationen finden Sie hier.

Danke
Robert Schilken, Herausgeber



Neuss – Wenn man die Bilder sieht, die Martin Hülbrock vom Greyhound Pier 1 dem Team der Feuerwehr zugesendet hat, blutet einem Liebhaber von VW Käfern das Herz.

2014-06-13_Ne_Fw_VW.Kfer-04Überall liegen Karosserieteile, man sieht einen Motor ohne die Karosserie und überhaupt sieht das schöne Auto gar nicht so schön aus... Zum Glück hat das alles aber durchaus Methode, wie Martin Hülbrock, Diplomsozialarbeiter im Greyhound-Pier1 erklärt: „Ich halte es für sinnvoll, dass man mit den Jugendlichen eine sinnvolle Arbeit macht.“.

Dieses Projekt dient unter anderem auch dazu, eine „Entstigmatisierung“ von richterlichen Auflagen zu erzielen. Normalerweise leisten „Sozialstündler“ Arbeiten, die in der Regel nicht gerne gemacht werden. Bei diesem Projekt ist das anders. Die Jugendgerichtshilfe war von Anfang an mit involviert und offen für das Projekt. Vor allem weil es durch Reduktion nicht immer ausreichend Stellen für die Jugendlichen gibt.

2014-06-13_Ne_Fw_VW.Kfer-03Hülbrock fand mit diesem Projekt eine alternative Möglichkeit, die Sozialstunden abzuleisten. Der Käfer wurde angeliefert und nach der Bestandsaufnahme wurde von Hülbrock, der gelernter Bauschlosser und bekennender Oldtimerfan ist und somit natürlich ausreichend handwerkliche Fähigkeiten besitzt, festgelegt, welche Arbeiten an dem alten Fahrzeug durchzuführen sind. Er besitzt selbst 6 Oldies - 3 davon sogar fahrbereit.

Die Idee kam gut an. „Die meisten Jugendlichen sind wirklich gerne gekommen und haben da eine sinnvolle Arbeit gemacht und auch noch dran Spaß gehabt.“, so Hülbrock. Sie konnten wichtige Tätigkeiten wie z.B. Schweißen an einer Karosserie lernen.

Das Team hatte viel zu tun. Der 1200er Käfer aus dem Baujahr 1972 wies viele Baustellen auf:

  • Vorderachse (original von VW) wurde ausgewechselt (war durchgerostet),
  • Karosserie: Reparaturbleche wurden eingeschweißt (ehemaliger Frontschaden war vorhanden),
  • Neuer Motor
  • Sitze neu bezogen
  • Poliert
  • Lackierung durch befreundete Lackiererei (Vorderfront)

Das Projekt hatte ein enges Zeitkorsett, da es Ende 2013 beendet sein musste. Also hatte das Team mit immer mindestens 5 Jugendlichen um Martin Hülbrock rund 5 Monate zur Restaurierung es Oldies Zeit. Und dieses Ziel wurde auch erreicht. Dafür sind auch alle Sozialstunden der Jugendlichen aufgebraucht worden.

Die Kosten für das Projekt beliefen sich auf rund 2.000 Euro für Material. Die Arbeit an sich wurde kostenlos geleistet.

Hülbrock zieht ein durchweg positives Fazit: „Insgesamt war das Projekt eine Win-Win-Win- Situation. Einmal haben die Sozialstündler gewonnen, weil sie eine vernünftige und sinnvolle Arbeit ableisten konnten; dann hat die Feuerwehr gewonnen, weil sie einen vernünftigen Käfer bekommen hat und dann habe ich gewonnen, weil ich eine schöne Arbeit machen konnte.“ – Man merkt ihm förmlich an, dass er mit Leib und Seele bei der Sache ist.

Natürlich würde Martin Hülbrock auch gerne in dieser Richtung weitermachen. Aktuell gibt es mit der Feuerwehr allerdings keine entsprechende Planung über Folgeprojekte, da keine Fahrzeuge für die Restaurierung vorhanden sind. Aber Herr Hülbrock freut sich natürlich immer über entsprechende Projekte – gerade vor dem Hintergrund, dass es immer weniger Arbeitsstunden für straffällige Jugendliche gibt, die verteilt werden. Anfragen dazu kann man ihm gerne zusenden. Kontaktdaten gibt es natürlich auch bei der Feuerwehr unter presse@feuerwehr-neuss.de.

Am 12.06. wurde das schöne Fahrzeug bei wolkenlosem Himmel von Martin Hülbrock auf der Hauptwache am Hammfelddamm offiziell an den Leiter der Feuerwehr Joachim Elblinger übergeben. Es erhält nun seinen Stammplatz im Fuhrpark der Oldtimer der Feuerwehr Neuss.

Eine Anekdote am Rande sei uns noch erlaubt: Da nach den Sturmeinsätzen von Pfingsten ein ausgesprochener Fahrzeugmangel auf der Hauptwache herrschte, wurde das Fahrzeug kurzerhand von Herrn Elblinger, dem Leiter der Feuerwehr, seinem ursprünglichem Zweck zugeführt und von ihm für eine Dienstfahrt genutzt.

(8 Ansichten gesamt, 1 Leser heute)