Neuss: Störung der Totenruhe – Prosecco über Gebeinen

Neuss – Im Umfeld vom Quirinus-Münster lagen in den vergangenen Jahrhunderten die Ruhestätten zahlreicher gläubiger Christen. So auch am "Freithof", dessen Namen von "Friedhof" herrührt.

Nach der Errichtung des Münsters wurden an seiner Südseite weiterhin die Toten beerdigt. 1797 wurde der Friedhof (heute Freithof) geschlossen - der neue Friedhof wurde vor dem Niedertor angelegt (heute Marienkirche), 1874 dann verlegt an die Landstraße nach Büttgen (Rheydter Straße).

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Auf dem Stein (Hauptfriedhof) ist zu lesen: "Gottes Frieden den Toten deren Gräber ursprünglich um das St. Quirinus Münster lagen." Foto: Helmut Wessels

Die Gebeine vom Freithof wurden in der Regel auf dem Hauptfriedhof an einer besonderen Stell wieder beigesetzt. Dort erinnert auch ein Stein an die Toten vom ehemaligen Friedhof der Stadt - dem heutigem Freithof.

Somit ist der Bereich Freithof als "sensibler" Bereich bekannt, oder sollte es an gegebener Stelle, Bauordnungsamt - Bezirk 1, sein.

Ein am Markt/ Freithof gelegener gastronomischer Betrieb möchte die Idylle des Standortes für eine Außenterrasse nutzen. Die entsprechende Genehmigung wurde offensichtlich ausgestellt.

Am 17.04.2014 begannen die Arbeiten, ein Bagger hob Erdreich aus um mit dem Fundament für die geplante Terrasse zu beginnen. Ein legitimes Ansinnen, sichert diese Terrasse Arbeitsplätze und stärkt die Attraktivität des Standortes.

Leider hob diese Baumaschine nicht nur Erdreich, sondern auch deutlich erkennbare menschliche Knochen, aus. Wie es an einer derartigen Stelle zu erwarten war. Der Neusser Helmut Wessels dokumentierte diesen Vorgang.

Die "Grabungen" auf dem Freithof. Deutlich sind Gebeine zu erkennen. Fotos(1-3): Helmut Wessels/ Foto rechts(4): Peter Bunt


Das Wohl der Lebenden ist in der Gegenwart schwerwiegender als die "Ruhe" der Toten. Was jedoch zu keinem Zeitpunkt Respektlosigkeit oder Ignoranz begründet. Daher stellt sich hier die Frage: Wurden mit den menschlichen Überreste angemessen umgegangen?

Über soziale Medien wurde die Redaktion von Klartext-NE auf diesen Vorgang aufmerksam. Es bleibt abzuwarten wer für diesen Vorgang verantwortlich ist und von wem die Genehmigung stammte. Zweifelsfrei wurde hier nicht mit der erforderlichen Pietät vorgegangen, denn auch wenn diese Personen schon vor über 200 Jahren verstarben, das darf so nicht geschehen.


 

§ 168 StGB
Störung der Totenruhe

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Die Inschrift des Gedenksteines. Foto: Helmut Wessels

(1) Wer unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten den Körper oder Teile des Körpers eines verstorbenen Menschen, eine tote Leibesfrucht, Teile einer solchen oder die Asche eines verstorbenen Menschen wegnimmt oder wer daran beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer eine Aufbahrungsstätte, Beisetzungsstätte oder öffentliche Totengedenkstätte zerstört oder beschädigt oder wer dort beschimpfenden Unfug verübt.

(3) Der Versuch ist strafbar.

 

 

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