Weltverbrauchertag 2014: Verbraucherzentrale, Landeskriminalamt und Kreispolizeibehörden war­nen vor unse­riö­sen Schlüsseldiensten

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Düsseldorf (ots) – Fällt die Tür ins Schloss, ist ein her­bei geru­fe­ner Schlüsseldienst schnell zur Stelle. 

Viele gewerb­li­che Türöffner nut­zen jedoch die Notlage der Kunden mit über­teu­er­ten Preisen und Geldforderungen bar auf die Hand scham­los aus”, warnte Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, heute in Düsseldorf:

Statt 50 bis 100 Euro ver­lan­gen dubiose Dienste das Sechsfache!” In die­sem Fall helfe nur, die Kosten vor dem Anrücken einer Firma zu ver­glei­chen und die Rechnung im Zweifel nicht sofort zu bezah­len. „Übt der ver­meint­li­che Retter in der Not jedoch mas­si­ven Druck aus und nötigt so sei­nen Kunden zur Zahlung der Rechnung, sollte der Betroffene die Polizei alar­mie­ren. Die Beamtinnen und Beamten prü­fen dann vor Ort recht­li­che Möglichkeiten”, so Düsseldorfs Polizeipräsident Norbert Wesseler zur Aufgabe der ört­li­chen Polizei.

Den dies­jäh­ri­gen Weltverbrauchertag (15. März) nutz­ten die 59 Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW, das Landeskriminalamt NRW (LKA NRW) und die 47 Kreispolizeibehörden des Landes NRW, um im Schulterschluss lan­des­weit vor den Schlüsseldiensten zu war­nen, die nicht mit seriö­sem Handwerk und ordent­li­cher Rechnung, son­dern mit gewief­tem Dreh an der Haustür schnelle Kasse machen wol­len: Windige Firmen ope­rie­ren meist von einem zen­tra­len Standort aus und ver­su­chen, in Branchenregistern mit aber­wit­zi­gen AAA-​Vervielfältigungen an ers­ter Stelle zu ste­hen und Ortsnähe vor­zu­täu­schen. Rückt dann im Notfall ein sol­cher Schlüsseldienst an, wird meist ver­schlei­ert, woher er kommt. Ausgesperrten wird auch nicht klar, wes­halb ihnen nach sekun­den­schnel­lem Öffnen der Tür eine saf­tige Rechnung mit Zuschlägen für Anfahrt, Mehraufwand und Spezialwerkzeuge prä­sen­tiert wird und sie die Summe sofort und ohne Prüfung zah­len sollen.

Dieses unsau­bere Geschäftsmodell ist ein ärger­li­cher Dauerbrenner unse­rer täg­li­chen Beratung, dem drin­gend Einhalt gebo­ten wer­den muss. Allein in den ers­ten bei­den Monaten ver­zeich­nen wir hierzu 70 Beschwerden. Erste wich­tige Schritte zur Eindämmung sind Aufklärung und Information. Auch die Branchenregister soll­ten ein Auge dar­auf haben, wenn Schlüsseldienste mit Phantasienamen – wie etwa AAA: ”Aussperrdienste aller Art” – um die ers­ten Plätze im ört­li­chen Telefonbuch ran­geln, und einen Beleg für die Ortsansässigkeit des ange­ge­be­nen Gewerbes ver­lan­gen”, brachte Verbraucherzentralenchef Müller die Ziele der gemein­sa­men Aktion auf den Punkt.

Polizeipräsident Wesseler ergänzte: „Ehe Sie einen Schlüsseldienst beauf­tra­gen, fra­gen Sie gezielt nach, wel­che Kosten maxi­mal auf Sie zukom­men könn­ten. Ein seriö­ses Unternehmen wird Ihnen dies sofort mit­tei­len kön­nen. Alarmieren Sie im Zweifelsfall die Polizei und notie­ren Sie sich alle Kontaktdaten der beauf­trag­ten Firma, um gege­be­nen­falls eine Anzeige zu erstatten.”

Dass Verbraucherschützer und Polizei bei der Bekämpfung dubio­ser Schlüssel- und ande­rer Notdienste Hand in Hand arbei­ten, ist auch für das LKA NRW eine sinn­volle Kooperation. „Viel zu wenige Betroffene erstat­ten Anzeige. Wir gehen von einem gro­ßen Dunkelfeld aus. Oftmals ist es den Bürgerinnen und Bürgern gar nicht bewusst, dass sie sich in sol­chen Fällen an die Polizei wen­den kön­nen oder sie haben Sorge, dass die Polizei sich ihres Problems nicht annimmt”, erklärte Uwe Jacob, Direktor des LKA NRW: „Daher haben wir alle Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte des Landes NRW über die Machenschaften unse­riö­ser Notdienste infor­miert und Ihnen Handlungsempfehlungen an die Hand gegeben.”

Um bei zuge­schla­ge­ner Tür auf die weit ver­brei­te­ten Tricks von ver­meint­li­chen Rettern in der Not nicht her­ein­zu­fal­len und ange­mes­sen zu reagie­ren, erhiel­ten Ratsuchende im Vorfeld des Weltverbrauchertags vom Beratungsteam der Verbraucherzentrale NRW und von der Polizei am Schadowplatz in Düsseldorf nütz­li­che Tipps für den Notfall.

Ein Faltblatt mit einer Checkkarte zu Notfall-​Nummern und recht­li­chem Rat bei über­höh­ten Rechnungen gibt’s in den ört­li­chen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW. Adressen unter www​.vz​-nrw​.de/​b​e​r​a​t​u​n​g​-​v​o​r​-​ort. Notrufe nimmt die Polizei unter 110 ent­ge­gen. Strafanzeigen kön­nen in jeder Polizeiwache erstat­tet werden.

Die wich­tigs­ten Tipps zum Umgang mit Schlüsseldiensten:

Ortsansässige Firma suchen: Um Kosten gering zu hal­ten und Angaben nach­prü­fen zu kön­nen, soll­ten Ausgesperrte im Notfall einen Schlüsseldienst in der Nähe anru­fen. Wichtig hier­bei: immer nach der genauen Anschrift der Firma und einem ver­bind­li­chen Festpreis – in der Regel zwi­schen 75 und 100 Euro – fra­gen! Nutzen Schlüsselnotdienste die Bedrängnis von Kunden aus und ver­lan­gen meh­rere hun­dert Euro fürs Türöffnen oder wol­len kei­nen Preis nen­nen, ist es rat­sam, auch in der aku­ten Stresssituation meh­rere Anbieter anzu­ru­fen und deren Leistungen mit­ein­an­der zu vergleichen.

Nur sach­ge­rechte Leistungen akzep­tie­ren: Vor Erteilung eines Auftrags sollte die Vereinbarung akri­bisch geprüft wer­den. Firmen vor Ort dür­fen nur Fahrtkosten inner­halb der Ortsgrenzen berech­nen. Unverschlossene Türen las­sen sich in der Regel ohne Beschädigung in zehn bis drei­ßig Sekunden von einem Fachmann öff­nen. Für diese Leistung kann nur ein ange­mes­se­ner Betrag und nicht ein Fantasiepreis – etwa für einen zwei­ten Monteur oder Spezialwerkzeug – ver­langt wer­den. Nur wenn der Notdienst außer­halb der gewöhn­li­chen Arbeitszeiten anrückt, kom­men zur rei­nen Tätigkeit Nacht- und Feiertagszuschläge von 25 bis 100 Prozent hinzu.

Rechnung prü­fen: Eine Rechnung sollte nur dann voll­stän­dig bezahlt wer­den, wenn die Arbeiten kor­rekt aus­ge­führt wur­den und jede Position ein­zeln auf­ge­führt und ver­ein­bart wor­den ist. Kunden, die eine unge­wöhn­lich hohe Rechnung bekom­men, soll­ten höchs­tens eine Anzahlung unter Vorbehalt leis­ten oder bes­ser die Zahlung ver­wei­gern und die Rechnung prü­fen lassen.

Nötigung nicht gefal­len las­sen: Dubiose Firmen wer­den mit ver­ba­lem Druck und erneu­tem Aussperren ver­su­chen, ihren Rechnungsbetrag sofort zu kas­sie­ren. In einem sol­chen Fall ist es rat­sam, die Polizei zu rufen und wenn nötig Anzeige zu erstat­ten. Hierzu ist es wich­tig, die Kontaktdaten des Schlüsseldienstes zu ken­nen und den Sachverhalt in allen Einzelheiten – von der Auftragsvergabe bis zur Nötigung – am bes­ten mit Bestätigung eines Zeugen zu schildern.

Vorsorgen für alle Fälle: Wer einen Schlüssel beim Nachbarn depo­niert, ist auf den Einsatz eines Notdienstes oft­mals nicht ange­wie­sen. Wer sich zudem vor­sorg­lich nach Preisen und Leistungen eines seriö­sen Schlüsseldienstes sowie wei­te­rer Notdienste erkun­digt und deren Rufnummer parat hat, ist für den Fall der Fälle bes­tens gewappnet.

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