Crowdinvesting” im Internet – Unzureichende Risiko-Hinweise

Ihre Unterstützung zählt!

Geschätzter Leser, Sie finden die Veröffentlichungen hier interessant und nützlich? Das ist erfreulich!

Wenn nur 10% der Leser regelmäßig 20 Cent pro Tag zahlen, können davon die laufenden Betriebskosten gedeckt, die Berichterstattung ausgeweitet sowie ggf. zusätzliche Redakteure beschäftigt werden.

Sie können Ihre Zuwendung über z. B. "PayPal" oder per Banküberweisung tätigen. Gerne nenne ich Ihnen die Bankverbindung. Bitte fragen Sie nach. Weitere Informationen finden Sie hier.

Danke
Robert Schilken, Herausgeber



Rhein-​Kreis Neuss – (vz​-nrw​.de) Die Idee ist auf dem Vormarsch: Viele Geldgeber finan­zie­ren mit klei­nen Summen gemein­sam ein Projekt und bekom­men dafür im Gegenzug einen Teil der mög­li­chen Gewinne. 

Crowdinvesting nennt sich das Modell, für das spe­zi­elle Internetplattformen ver­stärkt Kunden akquirieren.

Gerade das Thema Energiewende und Klimaschutz weckt der­zeit das Interesse eini­ger Plattformen. Sie stel­len auf ihren Seiten Projekte vor und suchen dafür Unterstützer. Mit dem ein­ge­sam­mel­ten Geld sol­len bei­spiels­weise Photovoltaik-​Anlagen errich­tet oder Arbeiten rea­li­siert wer­den, die die Energieeffizienz von Bürogebäuden erhö­hen. Anleger bekom­men im Gegenzug eine attrak­tive Rendite in Aussicht gestellt. In eini­gen Fällen ver­ge­ben die Anleger ihr Geld in Form von Darlehen. Auch der Eintritt in eine Genossenschaft, eine GmbH & Co KG oder eine andere Form der Unternehmensbeteiligung ist denkbar.

Doch so viel­fäl­tig die Arten einer Beteiligung sind, nahezu allen ist eines gemein­sam: Scheitert das Projekt, droht im schlimms­ten Fall der Totalverlust des inves­tier­ten Geldes.

Die Verbraucherzentrale NRW ist der Auffassung, dass die Eurosammler auf die­ses Risiko deut­lich hin­wei­sen müs­sen. Doch das tun nicht alle Plattformen, die Erneuerbare-​Energie-​Projekte oder Energieeffizienzmaßnahmen unter­stüt­zen. Das jeden­falls ist das Ergebnis einer Stichprobe der Verbraucherschützer. Bei zwei von fünf geprüf­ten Plattformen fehlte der wich­tige Risiko-Hinweis.

Zwei wei­tere Anbieter wie­sen ledig­lich in all­ge­mei­nen FAQ (Frage-​und-​Antwort-​Liste), in der zum Download zur Verfügung ste­hen­den Beitrittserklärung oder in den AGB auf die Verlust-​Gefahr hin. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale reicht das nicht aus. Der Hinweis sollte nicht ver­steckt in Prospekten, Broschüren, FAQs, AGB oder erst wäh­rend des Kaufvorgangs erfol­gen. Vielmehr sollte sich ein deut­li­cher Hinweis frei zugäng­lich direkt bei dem kon­kret bewor­be­nen Projekt fin­den las­sen. Wo Gewinnerwartungen und mög­li­che Renditen her­vor­ge­ho­ben wer­den, gehört es sich fai­rer­weise auch, die andere Seite der Medaille zu nennen.

Ein Positivbeispiel – wenn auch kein Musterbeispiel – war die fünfte Plattform im Test. Hier fand sich ein all­ge­mei­ner Risikohinweis auf jeder Seite des Internetauftritts in der Fußzeile – aller­dings in recht klei­ner Schrift. Projektbezogene Risikohinweise gab es erst nach per­sön­li­cher Anmeldung auf der Plattform

Wer mit dem Gedanken spielt, Geld per Crowdinvesting anzu­le­gen, sollte sich nicht nur über das Risiko im Klaren sein, son­dern zudem einige Tipps der Verbraucherzentrale NRW beherzigen.

  • Totalverlustrisiko: Beim Crowdinvesting gehen Anleger in der Regel eine unter­neh­me­ri­sche Beteiligung ein – mit allen Chancen und Risiken. Deshalb soll­ten nur so viele Euros ein­ge­setzt wer­den, dass ein Totalverlust des inves­tier­ten Geldes pro­blem­los zu ver­kraf­ten ist.
  • Laufzeit der Anlage: Unter Umständen dau­ert es meh­rere Jahre, bis ein Ausstieg mög­lich ist. Vor Laufzeitende kön­nen Geldgeber meist nicht über ihr Geld verfügen.
  • Verstehen und prü­fen: Wer Geld gibt, sollte das Projekt ver­ste­hen und Berechnungen (etwa zu Energieeinsparungen, Gewinnprognosen oder pro­du­zier­ter Energie) nach­voll­zie­hen kön­nen. Hilfreich kön­nen Erfahrungsberichte ande­rer Nutzer des Portals im Netz sein.
  • Transparenz: Offenbart die Internetplattform, wel­che Provisionen sie für eine Vermittlung erhält? Können Anleger erken­nen, wie das ein­ge­sam­melte Geld wäh­rend der „Fundingphase“ ver­wal­tet wird?
(1 Ansichten gesamt, 1 Leser heute)