Dormagen: Unterdorf – Hauseigentümer kön­nen sich noch für das Kappungsmodell ent­schei­den

Dormagen-Gohr – Noch bis zum 31. Dezember haben die Gohrer Zeit, sich an der gemeinschaftlichen Lösung zum Abpumpen des Grundwassers zu beteiligen.

Diese Frist hat sich die Arbeitsgruppe mit Vertretern der beteiligten Behörden und betroffenen Bürgern für den Abschluss der erforderlichen Verträge mit der Stadt gesetzt. Mindestens 150 Hauseigentümer im Unterdorf müssen mitmachen, damit das so genannte "Kappungsmodell" wie geplant umgesetzt werden kann. "Inzwischen haben wir zwei Drittel der nötigen Unterschriften. Gerade in den letzten Tagen ist die Zahl deutlich angestiegen und wir gehen davon aus, dass sich viele Hauseigentümer auch erst kurz vor Ablauf der Frist entscheiden werden", sagt Arno Neukirchen, Sprecher der Bürgerinitiative.

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Schon drei Aktenordner füllen die bisher abgeschlossenen Verträge, die hier von Arbeitsgruppenleiter Reinhard Hauschild (rechts) und Thomas Wedowski, Leiter der Stadtentwässerung, präsentiert werden. Foto: Stadt Dormagen

Die Arche Gohr appelliert ebenso wie die Arbeitsgruppe zum Grundwasseranstieg in Gohr noch einmal an die Menschen im Unterdorf, sich solidarisch an der Pumpenlösung zu beteiligen. Insgesamt 220 Gebäude werden nach Berechnungen der Technischen Betriebe Dormagen voraussichtlich vom Wiederanstieg des Grundwassers durch den abwandernden Braunkohletagebau betroffen sein. Das Kappungsmodell sieht – wie schon in Korschenbroich erfolgreich praktiziert – den zeitgerechten Bau von vier Förderbrunnen vor. Sie sollen bei Bedarf den Grundwasserspiegel absenken. Sobald eine kritische Marke erreicht wird, springen die Pumpen automatisch an.

„Mindestens für 20 bis 30 Jahre erhalten die meisten Hauseigentümer dadurch Sicherheit“, sagt Dormagens ehemaliger Bürgermeister Reinhard Hauschild, der die Arbeitsgruppe zur Lösung der Grundwasserproblematik leitet. "In jedem Fall bietet das Kappungsmodell einen erheblich gesteigerten Schutz vor dem kommenden Grundwasser und führt schon jetzt zu einer wirtschaftlichen Aufwertung für alle betroffenen Hauseigentümer auf dem Grundstücksmarkt." Erst nach Stilllegung des Tagebaus Hambach voraussichtlich Mitte des Jahrhunderts sind in einer zweiten Stufe wohl weitergehende Maßnahmen erforderlich.

Die Kostenbeteiligung für den Bau der Förderbrunnen und einen zehnjährigen Betrieb liegt pro Hauseigentümer bei 8240 Euro, wenn 150 Gohrer den Vertrag unterschreiben. Die Stadt Dormagen hat sich im Rahmen der gefundenen Lösung bereit erklärt, 20 Prozent der Gesamtkosten zu übernehmen. Der Rhein-Kreis Neuss würde weitere zehn Prozent der Investitionskosten dazu geben. Auf diesen Zusagen basieren die Verträge, die noch bis zum Ende des Jahres abgeschlossen werden können. Im Auftrag der Stadt würde der Erftverband, der die Planungen fachlich begleitet, die Förderbrunnen betreiben.

"Wir brauchen das Kappungsmodell dringend, damit die Häuser im Unterdorf endlich wieder marktgängig werden", macht Neukirchen deutlich. Diese Erfahrung hat beispielsweise Björn Hedlund aus dem Vorstand der Arche Gohr gemacht. 1998 erwarb er sein Haus am Veilchenweg – kurz bevor das Grundwasserthema erstmals öffentlich diskutiert wurde. „Nach dem Tod meiner Frau wollte ich unser Haus verkaufen, weil es für mich allein zu groß ist“, berichtet er. „Das ist bisher jedoch unmöglich, weil alle Interessenten sofort abwinken, wenn ich ihnen sagen muss, dass auch dieses Haus vom Grundwasseranstieg betroffen ist."

Wer sich über den Vertragsabschluss mit der Stadt informieren möchte, kann sich unter der Rufnummer 02182/6452 an Arno Neukirchen oder unter 02133/210782 an Reinhard Hauschild wenden. Ansprechpartnerin bei der Stadt ist die Bürgermeisterassistentin Marion Stimmel-Schreiber unter 02133/257-225.

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