Meerbusch: Hildegundis & RSO – 1 star­kes Stück Osterath

Meerbusch – Es begann 1997 - ohne Pauken, aber mit einer Trompete -, als Schüler der Städtischen Realschule Osterath zum ersten Mal in einem Wohnbereich des Caritashauses Hildegundis von Meer eine Stunde lang musizierten und Senioren zum Mitsingen bekannter Volkslieder animierten oder mit Charthits erfreuten.

Für dieses ehrenamtliche Engagement wurden die Schüler einige Jahre später in Köln mit dem Elisabeth-Preis des Caritasverbandes ausgezeichnet.

Bald brachten Schüler ihre Haustiere mit auf eine Station, wo man im Kreise der Senioren ins Gespräch kam und diese an frühere Zeiten erinnert wurden, als sie ebenfalls Haustiere hatten. Man konnte an diesem kurzweiligen Nachmittag ein Meerschweinchen, einen dicken Hasen füttern und streicheln oder sich dem mit-gebrachten Hund zuwenden.

Während dieser fünfzehn Jahre besuchten immer wieder Senioren die Realschule und nahmen als Zeitzeugen am Geschichtsunterricht der Oberstufe teil. Heimbewohner wie Mrs. Brown, Frau Liese, Frau Koss, Herr Savelsberg oder Herr Sarwas Senior schilderten eindrucksvoll ihre Weltkriegserfahrungen, die in der Heimat, an Bord eines U-Boots oder an der Front von Stalingrad, während der Flucht bzw. Vertreibung.

Einige Senioren wurden zur Entlassungsfeier der zehnten Klassen eingeladen und in die Feier mit einbezogen, auf der Frau Koss auf eindrucksvolle Weise das Kästner-Gedicht „Wenn wir den Krieg gewonnen hätten“ vortrug.

Die Kooperation wurde noch enger, als regelmäßig an jedem Donnerstag von 15 bis 16.30 Uhr Schüler/innen neben ihrem Unterricht Senioren beim Spaziergang begleiteten, zu einer Spazierfahrt abholten oder sich mit ihnen bei Gesellschaftsspielen freuten oder auch mal ärgerten.

Besondere Beachtung und Würdigung des freiwilligen sozialen Engagements er-fuhren die Schüler, als ein Kamerateam des WDR drei Stunden lang Aufnahmen und Interviews machte, die dann am Tag des Ehrenamtes in der Aktuellen Stunde zu sehen waren.

Immer wieder bietet das Caritashaus Hildegundis von Meer Schülern die Möglichkeit, ein Praktikum zu machen, und mancher Schüler erhält durch sein Engagement wichtige Anregungen für seine zukünftige berufliche Entwicklung.

Seit einigen Jahren können Neuntklässler im Rahmen des Ergänzungsunterrichts das Projekt „Soziales Lernen“ wählen und finden sich donnerstags um 15 Uhr im Altenheim ein. Sie bleiben nicht 67 Minuten (Dauer einer Schulstunde an der RSO), sondern mehr als neunzig Minuten!

Sie holen die Senioren von ihrem Zimmer oder vom Kaffeetisch ab und bald füllen mehr als zwanzig Personen den Gemeinschaftsraum im Wohnbereich 5.

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Foto: RSO

Man spielt „Mensch ärgere dich nicht!“, Memory, Schach oder Rummy Cup, unterhält sich, tauscht Erfahrungen aus, freut sich oder ärgert sich, dass man wieder von vorne anfangen muss; so kommt man sich näher und es entwickelt sich eine Vertrautheit, die allen Beteiligten gut tut. Wenig später hört man ein lautes Krachen, wenn ein Schüler oder eine Seniorin keine ruhige Hand gehabt und beim Umbau des Wackelturms ein Hölzchen zu ungeschickt herausgezogen hat.

Bemerkenswert ist, dass Ebru, Anna-Lena und Delphine schon vorher am Spanischunterricht teilgenommen und sich für dieses Projekt zusätzlich entschieden haben.

Auch Anja aus einer 10. Klasse gehört zum festen Stamm dieser „Hildegundis -Gruppe“. Und immer wieder erscheinen Schüler aus dem letztjährigen Team - ganz zur Freude der Senioren und der beiden ehrenamtlichen Helfer, Frau Boender und Frau Bennemann, die regelmäßig diesen Nachmittag mitgestalten.

Wenn beim Erscheinen eines Schülers in einem Wohnbereich eine ältere Dame durch das Heben ihrer Hand und ihren Gesichtsausdruck signalisiert, mitspielen zu wollen, und die 100-jährige Frau Rockstroh Schüler und Lehrer daran erinnert, auch beim nächsten Mal wieder rechtzeitig in ihrem Wohnbereich abgeholt zu werden, dann bedarf es keiner weiteren Worte, dann ist der Auftrag an die Realschule klar formuliert.

Und man kann sich sicher sein, dass diese Schüler diese neunzig Minuten im Kreise der Senioren als sinnvoll verbrachte Zeit empfinden.

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