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22 Mai 2010
| Neuss — Seit nunmehr 25 Jahren ist es Tradition, dass im beschaulichen Neuss-Grefrath die Kindergartenkinder ihren eigenen Schützenkönig proklamieren.
Zwar wird nicht “geschossen”, sondern “erworfen”, was jedoch völlig akzeptiert wird. |
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Der Umzug erfolgte bei strahlendem “Königswetter” und in prachtvollen Kostümen und Uniformen. Sichtlich stolz und für das Alter der “Schützen” sehr ausdauernd und diszipliniert wurde der nicht besonders kurze Zugweg, für die Länge der Kinderbeine, klaglos absolviert. Ziel war die Kirmes auf dem Schützenplatz, wo durstige Kehlen mit Limonade versorgt wurden. Hochachtung an dieser Stelle für die “Kleinstschützengilde”.


Hier ein Überblick, von Hannelore Steffens, wie alles begann.
Grefrath rüstete zum Schützenfest und auch wir im Kindergarten pflegten natürlich das Brauchtum. Hüte, Zylinder, Trommeln, Gewehre und andere Utensilien wurden mit den Kindern gebastelt. „Wir machen auch einen Umzug.“ Das fand unser Dorfsheriff gar nicht so toll. „Wie stellt ihr euch das vor, dafür benötigt ihr eine Genehmigung vom Amt und das geht nicht innerhalb von 3 Tagen.“
Nun gut, wir marschierten also nur ums Haus und im Garten fand eine Parade statt. In den Köpfen der Erwachsenen wurde das Thema Schützenfestumzug erst einmal zwischengelagert, aber im nächsten Jahr kam pünktlich vier Wochen vor dem Termin die beantragte Genehmigung zur Nutzung der Straße zwecks Kindergartenschützenfestzug.
Nun konnten die Vorbereitungen beginnen. König ausschießen (werfen), Kleidung für Schützen und Hofstaat bereitlegen, Hüte, Gewehre, Blumenhörner, Sträuße, Trommeln usw. basteln. Dadurch, dass kein Fundus vorhanden war, musste vieles improvisiert werden. Z. B. wurden weiße Hosen aus Bettlaken oder abgelegten großen Schützenhosen genäht, lange Röcke und Stolen von Müttern und Großmüttern oder Nachthemden wurden zu langen Kleidern umfunktioniert, ein Steckenpferd ersetzte das Pony etc.
Jedes Jahr kamen Neuerungen hinzu: aus sägerauhen Brettern (vorher Verpackung für Glasscheiben) wurden Gewehre, die Mädchen bekamen schönere Kleider und das Steckenpferd wurde durch Pony oder Pferd ersetzt. Die künstlichen Blumen hatten ausgedient als Frau Spelter aus Dirkes jedes Jahr frische Sträußchen für die Hofdamen lieferte.
Im Laufe der 25 Jahre musste vieles repariert und ergänzt werden und auch heute wird vor Schützenfest der gesamte Bestand begutachtet. So einige Dinge verschwanden das ein oder andere Mal auf wundersame Weise und mussten ersetzte werden.
Start für die Aktivitäten war und ist auch heute noch das Vogelschießen (Werfen). Oft gab es Tränen, wenn es nicht klappte und ein anderer König wurde, obwohl man es doch so gerne geworden wäre. „Was werde ich
denn?“ war eine oft gestellte Frage. Bei vielen Kindern kein Problem. „Ich werde Jäger wie mein Papa oder Opa.“ Manchmal hörte man auch: „Ich werde auf keinen Fall Sappeur, so‘nen doofen Hut mit Klobürste setze ich nicht auf.“ Dann wurde die wichtige Funktion der Sappeure erklärt. Auch der Umgang mit Gewehr oder Beil war Bestandteil der Erläuterungen oder aber die Frage, welchen Ursprung das Schützenwesen hat.
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