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Berlin (ddp). Der Bun­des­tags­wahl­kampf wird von sin­kenden Umfra­ge­werten für die Union ange­heizt. Ein Mei­nungs­for­schungs­in­stitut sieht sogar keine Mehr­heit mehr für eine schwarz-gelbe Koali­tion. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte am Mitt­woch der Nach­rich­ten­agentur ddp, die Wahl werde «auf der Schluss­ge­raden ent­schieden». FDP-Vizechef Rainer Brü­derle mahnte: «Jeder muss jetzt wissen, dass für den Wechsel bis zum Schluss gekämpft werden muss.»
Laut einer Umfrage der Ber­liner Info GmbH für das «Han­dels­blatt» errei­chen Union und FDP kurz vor der Wahl am Sonntag in der Wäh­ler­gunst zusammen nur noch 46 Pro­zent. Dies würde der Zei­tung zufolge auch unter Ein­rech­nung der erwar­teten Über­hang­man­date nicht mehr für eine bür­ger­liche Par­la­ments­mehr­heit reichen.

Die Union rutschte hier auf 34 Pro­zent und die FDP auf 12 Pro­zent ab. Die SPD konnte sich dagegen auf 27 Pro­zent ver­bes­sern. Die Linke erreicht zwölf Pro­zent, die Grünen kommen auf zehn Pro­zent. Info-GmbH-Geschäftsführer Holger Lil­je­berg sagte: «Der Wahl­kampf dreht in Rich­tung große Koali­tion. Offenbar bricht die schwarz-gelbe Welle zu früh.»

Laut einer neuen Forsa-Umfrage für RTL und das Magazin «Stern» ver­schlech­terte sich die Union von 37 auf 35 Pro­zent. Hier legte aller­dings die FDP von 12 auf 13 Pro­zent zu. Daraus ergibt sich für eine schwarz-gelbe Koali­tion rech­ne­risch eine Mehr­heit vor Rot-Rot-Grün von 48 zu 47 Pro­zent. Die SPD stei­gerte sich in der ver­gan­genen Woche von 24 auf 26 Pro­zent. Die Grünen liegen stabil bei elf Pro­zent, die Linke blieb unver­än­dert bei zehn Prozent.

Bun­des­kanz­lerin Angela Merkel (CDU) verlor der Forsa-Umfrage zufolge in der Bevöl­ke­rung an Sym­pa­thie: Wenn die Deut­schen ihren Regie­rungs­chef direkt wählen könnten, würden sich nur noch 49 Pro­zent für Merkel ent­scheiden. Das sind sieben Pro­zent­punkte weniger als am Montag ver­gan­gener Woche. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Stein­meier konnte sich dagegen von 24 auf 26 Pro­zent steigern.

Forsa-Chef Man­fred Güllner sagte, Stein­meier sei es gelungen, einen Teil der SPD-Abwanderer wieder ein­zu­fangen. Er fügte hinzu: «Das Rennen wird wieder knapp. Aber zusammen mit den Über­hang­man­daten könnte es für Union und FDP eine Mehr­heit geben.»

Pofalla sagte, die CDU setze auf einen «inten­siven End­spurt». Am Don­nerstag will er das Start­si­gnal für eine 72-Stunden-Schlusskampagne seiner Partei geben. Pofalla fügte hinzu, Stein­meier habe keine Chance mehr, Kanzler zu werden. Die SPD habe «keine Gestal­tungs­per­spek­tive, son­dern ledig­lich einen Mini­mal­an­spruch, der da lautet: Eine bür­ger­liche Mehr­heit zu verhindern«.

Stein­meier sagte, er arbeite »selbst­be­wusst und beharr­lich an seinen Zielen«. Er kri­ti­sierte zugleich erneut die Absage der FDP an eine soge­nannte Ampel­ko­ali­tion mit der SPD und den Grünen. Ein sol­ches Ver­halten treibe ihm die »Zor­nes­röte« ins Gesicht. Zu einer Demo­kratie gehöre der Grund­satz, Bereit­schaft zur Zusam­men­ar­beit zu zeigen, wenn dies inhalt­liche Gründe nicht ver­hin­derten. Stein­meier fügte hinzu: »Warten wir mal ab, wie das alles weiter geht.«

Der hes­si­sche Minis­ter­prä­si­dent und CDU-Vizechef Roland Koch warnte: »Nie­mand sollte glauben, dass wir die Bun­des­tags­wahl von der Zuschau­er­tri­büne aus gewinnen.« Dies gelte »für die CDU-Führung wie für jeden ein­zelnen CDU-Anhänger«. Die letzten Tage vor der Wahl müssten »davon gekenn­zeichnet sein, dass jeder in der Union bis zum Äußersten kämpft«. Koch mahnte: »Eine Fort­set­zung der großen Koali­tion würde unserem Land nicht mehr nutzen, weil Union und SPD in den kom­menden vier Jahren bes­ten­falls pro­fes­sio­nell den Still­stand ver­walten könnten.«

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