Aktuelles aus dem Rhein-Kreis Neuss und mehr…
19 Aug 2009
Schwalmtal — Grausame Szenen haben sich am Dienstag bei der Schießerei mit drei Toten und einem Schwerverletzten in dem beschaulichen Neubaugebiet in Schwalmtal am Niederrhein abgespielt. Schockierte Anwohner berichten am Mittwoch von einem Opfer der Schießerei, das lange Zeit regungslos im Vorgarten des betroffenen Hauses gelegen haben soll, während die Schießerei noch im Gange war. Nachdem die ersten Schüsse gefallen seien, habe sich außerdem ein Schwerverletzter über die Straße in Richtung der Nachbarhäuser geschleppt, erzählt die 23-jährige Nadine Berger, die zu Besuch bei ihren Eltern schräg gegenüber vom Tatort war.
Gemeinsam mit einer Freundin habe sie gerade am Fenster gesessen: «Er sah uns, kam auf uns zu und rief: »Holen Sie einen Krankenwagen«», erzählt die junge Frau. Wie in Trance habe sie dann den Mann in ihren Garten gelassen und einen Rettungswagen sowie die Polizei gerufen. «Er hatte Verletzungen in Bauch und in der Wange», erzählt sie. «Ich hab´ ihm ein Handtuch gegeben und was zu trinken. Er wollte auch seine Frau anrufen.»
Sie habe gehört, dass der Mann überlebt habe, sagt Berger. Genaueres wisse sie nicht. Nach wie vor sind Blutspuren an ihrer Haustür zu sehen. «Die durften wir noch nicht wegmachen», sagt sie. Drei Stunden hätten sie im Haus bleiben und sich von den Fenstern fernhalten müssen, erzählt Berger. Solange dauerte es, bis ein Spezialeinsatzkommando den mutmaßlichen Täter festnehmen konnte.
Der 71-jährige Tatverdächtige hatte sich am Dienstag in dem Wohnhaus seiner Tochter im von idyllischen Backsteinhäusern besiedelten Neubaugebiet verschanzt, das wegen der Trennung seiner Tochter und deren Mann zwangsversteigert werden sollte. Die Familie hatte sich zuvor mit weiteren Personen, darunter einem Gutachter und einem Anwalt, im Haus getroffen, als die Situation plötzlich eskalierte und die Schüsse fielen. Wie die Polizei am Mittwoch bekannt gab, starben zwei Rechtsanwälte im Alter von 70 und 38 Jahren und ein 48 Jahre alter Gutachter des Kreises Viersen.
Ruhig ist es an diesem heißen und sonnigen Mittwochmorgen im Margeritenweg. Die Vorgärten der dicht beeinander stehenden Häuser sind liebevoll mit Blumen bepflanzt. Die grausame Tat scheint fast unwirklich. Lediglich vor dem Tatort, einem unauffälligen Haus, zeugen ein Blumenstrauß und drei Kerzen von der grausamen Tat.
Die Atmosphäre im Neubaugebiet sei friedlich und familiär, erzählen die Anwohner vor den Absperrbändern. Man kennt sich. Am vergangenen Samstag habe man noch ein gemeinsames Straßenfest zum Thema «Karibische Nacht» veranstaltet, erzählt eine Anwohnerin. Da habe sie sich noch mit der Tochter des mutmaßlichen Täters, der Besitzerin des betroffenen Hauses, «ganz normal» unterhalten. Sie soll schon länger von ihrem Ex-Ehemann getrennt sein, der Sohn soll beim Vater leben. Der Ex-Ehemann war bei dem Gutachtertermin am Dienstag nach Medienberichten aus Angst vor dem Schwiegervater nicht anwesend.
Über den mutmaßlichen Täter können hingegen nur wenige Schwalmtaler etwas sagen. Der 71-Jährige soll nicht im Ort gewohnt haben, sondern aus Unna stammen. Er sei ein «Psychopath» gewesen, erregt sich hingegen Anwohner Josef de Rejk. Vor einigen Jahren bereits habe der Mann die Tante seines Schwiegersohns mit angegriffen und zusammengeschlagen. «Wenn die Ämter besser aufpassen würden, hätte das vermieden werden können», schimpft auch eine weitere Anwohnerin. Die Familie habe schon vor einiger Zeit offizielle Stellen um Hilfe gebeten, behauptet sie.
(ddp)
++ Anzeige ++Ähnliche Artikel: