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Schwalmtal — Grau­same Szenen haben sich am Dienstag bei der Schie­ßerei mit drei Toten und einem Schwer­ver­letzten in dem beschau­li­chen Neu­bau­ge­biet in Schwalmtal am Nie­der­rhein abge­spielt. Scho­ckierte Anwohner berichten am Mitt­woch von einem Opfer der Schie­ßerei, das lange Zeit regungslos im Vor­garten des betrof­fenen Hauses gelegen haben soll, wäh­rend die Schie­ßerei noch im Gange war. Nachdem die ersten Schüsse gefallen seien, habe sich außerdem ein Schwer­ver­letzter über die Straße in Rich­tung der Nach­bar­häuser geschleppt, erzählt die 23-jährige Nadine Berger, die zu Besuch bei ihren Eltern schräg gegen­über vom Tatort war.

Gemeinsam mit einer Freundin habe sie gerade am Fenster gesessen: «Er sah uns, kam auf uns zu und rief: »Holen Sie einen Kran­ken­wagen«», erzählt die junge Frau. Wie in Trance habe sie dann den Mann in ihren Garten gelassen und einen Ret­tungs­wagen sowie die Polizei gerufen. «Er hatte Ver­let­zungen in Bauch und in der Wange», erzählt sie. «Ich hab´ ihm ein Hand­tuch gegeben und was zu trinken. Er wollte auch seine Frau anrufen.»

Sie habe gehört, dass der Mann über­lebt habe, sagt Berger. Genaueres wisse sie nicht. Nach wie vor sind Blut­spuren an ihrer Haustür zu sehen. «Die durften wir noch nicht weg­ma­chen», sagt sie. Drei Stunden hätten sie im Haus bleiben und sich von den Fens­tern fern­halten müssen, erzählt Berger. Solange dau­erte es, bis ein Spe­zi­al­ein­satz­kom­mando den mut­maß­li­chen Täter fest­nehmen konnte.

Der 71-jährige Tat­ver­däch­tige hatte sich am Dienstag in dem Wohn­haus seiner Tochter im von idyl­li­schen Back­stein­häu­sern besie­delten Neu­bau­ge­biet ver­schanzt, das wegen der Tren­nung seiner Tochter und deren Mann zwangs­ver­stei­gert werden sollte. Die Familie hatte sich zuvor mit wei­teren Per­sonen, dar­unter einem Gut­achter und einem Anwalt, im Haus getroffen, als die Situa­tion plötz­lich eska­lierte und die Schüsse fielen. Wie die Polizei am Mitt­woch bekannt gab, starben zwei Rechts­an­wälte im Alter von 70 und 38 Jahren und ein 48 Jahre alter Gut­achter des Kreises Viersen.

Ruhig ist es an diesem heißen und son­nigen Mitt­woch­morgen im Mar­ge­ri­tenweg. Die Vor­gärten der dicht beein­ander ste­henden Häuser sind lie­be­voll mit Blumen bepflanzt. Die grau­same Tat scheint fast unwirk­lich. Ledig­lich vor dem Tatort, einem unauf­fäl­ligen Haus, zeugen ein Blu­men­strauß und drei Kerzen von der grau­samen Tat.

Die Atmo­sphäre im Neu­bau­ge­biet sei fried­lich und fami­liär, erzählen die Anwohner vor den Absperr­bän­dern. Man kennt sich. Am ver­gan­genen Samstag habe man noch ein gemein­sames Stra­ßen­fest zum Thema «Kari­bi­sche Nacht» ver­an­staltet, erzählt eine Anwoh­nerin. Da habe sie sich noch mit der Tochter des mut­maß­li­chen Täters, der Besit­zerin des betrof­fenen Hauses, «ganz normal» unter­halten. Sie soll schon länger von ihrem Ex-Ehemann getrennt sein, der Sohn soll beim Vater leben. Der Ex-Ehemann war bei dem Gut­ach­ter­termin am Dienstag nach Medi­en­be­richten aus Angst vor dem Schwie­ger­vater nicht anwesend.

Über den mut­maß­li­chen Täter können hin­gegen nur wenige Schwalm­taler etwas sagen. Der 71-Jährige soll nicht im Ort gewohnt haben, son­dern aus Unna stammen. Er sei ein «Psy­cho­path» gewesen, erregt sich hin­gegen Anwohner Josef de Rejk. Vor einigen Jahren bereits habe der Mann die Tante seines Schwie­ger­sohns mit ange­griffen und zusam­men­ge­schlagen. «Wenn die Ämter besser auf­passen würden, hätte das ver­mieden werden können», schimpft auch eine wei­tere Anwoh­nerin. Die Familie habe schon vor einiger Zeit offi­zi­elle Stellen um Hilfe gebeten, behauptet sie.

(ddp)

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